London Nach Pomp mit Charles, verläuft Trumps Treffen mit Starmer ungewohnt harmonisch
Der US-Präsident wurde am Mittwoch mit royalen Ehren empfangen. Am Donnerstag folgte das Treffen mit Premier Keir Starmer auf dessen Landsitz. Die Vereinbarungen blieben überschaubar, doch insgesamt wird das Treffen als Erfolg gewertet.
Prunkvolle Bilder aus Windsor, ein strahlender Donald Trump: Der erste Tag des Staatsbesuchs am Mittwoch, den der US-Präsident bei König Charles III. und der königlichen Familie verbrachte, war ein Erfolg. Doch würde die Harmonie auch am Donnerstag beim Treffen mit Premierminister Keir Starmer in Chequers, dem Landsitz des Regierungschefs, halten – oder Trump mit einem unbedachten Satz bei der Pressekonferenz den mühsam aufgebauten Glanz zum Einsturz bringen?
Als Trump und Starmer schließlich in der „großen Halle“ des Landsitzes vor die Kameras traten, wirken beide jedoch entspannt und setzten auf demonstrative Einigkeit. Sie sprachen von der „besonderen Verbundenheit“ zwischen Großbritannien und den USA und verwiesen auf ihren „Tech-Deal“ in Milliardenhöhe. Das Abkommen bündelt Investitionen von US-Tech-Unternehmen in künstliche Intelligenz und digitale Infrastruktur.
Ferner hätten sie diskutiert, wie sich weiterer Druck auf Wladimir Putin ausüben lasse, um einen Friedensdeal zu schaffen, „der hält“, sagte Starmer. Trump betonte, dass der Kreml-Chef ihn enttäuscht habe und er sich verpflichtet fühle, eine Lösung zu finden.
In der Fragerunde rückten die Journalisten schließlich zwar auch heikle Themen in den Fokus, doch eine Eskalation blieb aus: „Sie stimmten darüber ein, nicht übereinzustimmen“, so der Tenor im Anschluss. Nach Medienberichten wird Großbritannien am Wochenende die Anerkennung eines palästinensischen Staates verkünden.
Ein Schritt, den der US-Präsident bisher abgelehnt hatte. Trump schlug jedoch einen ungewohnt diplomatischen Ton an und räumte ein, dass er in dieser Sache eine Meinungsverschiedenheit mit dem Premierminister habe, „eine unserer wenigen“. Auch die Absetzung der US-Late-Night-Show „Jimmy Kimmel Live!“ nach Bemerkungen des US-Moderators über den getöteten Aktivisten Charlie Kirk kam zwar zur Sprache, die Stimmung blieb jedoch entspannt. Das Pikante daran: Die USA werfen Großbritannien immer wieder Einschränkungen der Meinungsfreiheit vor.
Eine Frage zum früheren britischen Botschafter in Washington, Peter Mandelson, wiegelte Trump kurzerhand mit der Antwort ab, dass er ihn nicht kenne. Starmer geriet in die Defensive, als enge Verbindungen des Botschafters zu dem wegen Sexualdelikten verurteilten, mittlerweile verstorbenen US-Finanzier Jeffrey Epstein publik wurden, er den Diplomaten jedoch nur zögerlich entließ. Trump sieht sich wegen seiner früheren Bekanntschaft mit Epstein ebenfalls weiterhin kritischen Fragen ausgesetzt – eine Verbindung, die Aktivisten während des Staatsbesuchs sogar auf die Mauern von Windsor Castle projizierten.
Nach Abschluss des Staatsbesuchs konnte Starmer vor allem eines verbuchen: Er hatte seine außenpolitische Kompetenz unter Beweis gestellt und das Zusammentreffen so als Erfolg inszeniert. „Zwar blieb das zentrale Handelsabkommen inhaltlich überschaubar“, sagt Sophie Stowers von der Denkfabrik „More in Common“ im Gespräch mit unserer Redaktion. Schließlich habe London etwa auf Erleichterungen bei den US-Einfuhrzöllen, insbesondere beim Thema Stahl, gehofft.
Doch entscheidend waren weniger die konkreten Inhalte als das Bild einer gelungenen Begegnung. Dass Großbritannien trotz aller offensichtlichen Differenzen zwischen London und Washington dennoch den roten Teppich für Trump ausrollte, begründete die Downing Street mit nüchternem Pragmatismus: Angesichts der wirtschaftlich schwierigen Lage benötige das Land dringend neue Abkommen, um die Konjunktur anzukurbeln.
So hatte das Königshaus am Mittwoch in Windsor den US-Präsidenten mit Pomp, militärischen Paraden und einem spektakulären Fly-over empfangen. Die Inszenierung wirkte: Beim prunkvollen Staatsbankett am Mittwochabend zeigte sich Trump ungewöhnlich überschwänglich und sprach davon, dass es „eine der größten Ehren seines Lebens“ sei, hier empfangen worden zu sein.
Der gelungene Staatsbesuch verschaffte Starmer zwar Auftrieb, dieser dürfte jedoch nur von kurzer Dauer sein, sagt Stowers. Die rechtspopulistische Partei Reform UK unter dem einstigen Brexit-Treiber Nigel Farage liegt in Umfragen aktuell bei rund 30 Prozent und damit weit vor den Sozialdemokraten.
„Vieles deutet darauf hin, dass Labour bei den Kommunalwahlen im Mai in Schottland ein miserables Ergebnis einfahren, in Wales erstmals seit einem Jahrhundert die Macht verlieren und zudem zahlreiche Sitze in den Räten in London wie auch im übrigen Land abgeben muss“, so die Expertin. Sollte das Ergebnis derart enttäuschend ausfallen, könnte Starmer tatsächlich ins Wanken geraten.