Osnabrück  NDR feuert Journalistin: Was aus dem Fall Julia Ruhs folgen muss

Dr. Philipp Ebert
|
Von Dr. Philipp Ebert
| 18.09.2025 17:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Darf jetzt nur noch für den Bayerischen Rundfunk moderieren: Julia Ruhs. Foto: NDR/Jann Wilken
Darf jetzt nur noch für den Bayerischen Rundfunk moderieren: Julia Ruhs. Foto: NDR/Jann Wilken
Artikel teilen:

Der NDR cancelt eine konservative Journalistin, weil ihre Sendung unter Kollegen für Unzufriedenheit gesorgt hat. Das wirft ein grelles Schlaglicht auf die desolate Lage der Meinungsvielfalt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Die Weltsicht von Journalisten zeigt sich nicht nur in Meinungsbeiträgen, sondern auch darin, welche Probleme sie zum Gegenstand ihrer Recherche machen, welche Leitfragen sie stellen, was sie überhaupt zum Thema machen. 

Insofern ist es bemerkenswert, dass drei Folgen des Magazins “Klar” ausreichten, um der konservativen Moderatorin Julia Ruhs und ihrem Team einen Rausschmiss beim NDR zu einzubrocken. Offenbar hatten sie Themen angepackt, die sich “sich nicht gehören”: Migration und Kriminalität, die Lage der Bauern, Corona. 

Nachdem sich in den vergangenen Wochen der Frust in der Mitarbeiterschaft des NDR so sehr aufgestaut hatte, dass man ihn deutschlandweit hören konnte, hat der Sender Ruhs jetzt vor die Tür gesetzt. Und sich damit selbst ohne jede Not ins Knie geschossen. Offenbar wollte man in dem Biotop, in dem mit linker Schlagseite etwa Sendungen von Anja Reschke produziert werden, eine abweichende Stimme nicht anhören müssen. Und ihr “keine Bühne bieten”, wie es im Tonfall der Selbstgerechtigkeit heißt.

Wie lange läuft schon etwas schief in den Funkhäusern des NDR? Was und wie Julia Ruhs berichtete, genügte, dass sich eine Welle der Empörung aufbaute. Wieso aber stellt sich bei Redaktionskonferenzen oder Kantinenbesuchen niemand als Wellenbrecher dieser einseitigen Empörung entgegen? Womöglich gibt es solche widersprechende Stimmen beim NDR kaum oder gar nicht. Was sagt das über die Einstellungspolitik des Senders? Eigentlich wollte der Sender mit “Klar” seine Unparteilichkeit demonstrieren; jetzt hat er unfreiwillig seine Engstirnigkeit bewiesen.

Der Aufschrei ist laut. Die norddeutschen Ministerpräsidenten – unter ihnen drei Sozialdemokraten und der keinesfalls als konservativer Hardliner geltende CDU-Mann Daniel Günther – ermahnen den NDR in einer schmallippigen Pressemitteilung, der öffentlich-rechtliche Rundfunk müsse eine “breite Vielfalt” an Meinungen aufzeigen. Die Kritik möge bitte ernst genommen werden. Und: “Es brauche eine ‘richtige Abwägung zwischen Haltung und Meinungspluralität’”.

Man darf hoffen, dass der Fall Ruhs ein Weckruf wird, der zu einer ernsthaften Debatte darüber führt, was für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk unsere Gesellschaft braucht. Information, Einordnung, Debatte: ja, bitte. Eine engstirnige und bevormundende “Haltung” von Journalisten, die abweichende Sichtweisen nur als “Hetze” diffamiert, braucht Deutschland hingegen nicht.

Ähnliche Artikel