Osnabrück  „Gegenwind formt den Charakter”: Streit um die Osnabrücker Wio klingt beim Richtfest an

Sandra Dorn
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Von Sandra Dorn
| 20.09.2025 12:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Wio-Aufsichtsratsvorsitzende Susanne Hambürger dos Reis (rechts) setzt sich für eine starke Osnabrücker Wohnungsgesellschaft ein – hier beim Richtfest im Landwehrviertel mit (von links): Wio-Geschäftsführer Bernd Wortmeyer, sein Vorgänger Wigand Maethner und Stadtwerke-Sprecher Sebastian Philipp. Foto: Denise Matthey
Die Wio-Aufsichtsratsvorsitzende Susanne Hambürger dos Reis (rechts) setzt sich für eine starke Osnabrücker Wohnungsgesellschaft ein – hier beim Richtfest im Landwehrviertel mit (von links): Wio-Geschäftsführer Bernd Wortmeyer, sein Vorgänger Wigand Maethner und Stadtwerke-Sprecher Sebastian Philipp. Foto: Denise Matthey
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100 weitere Wohnungen baut die Osnabrücker Wio zurzeit im Landwehrviertel. Dass das so ist, ist nicht selbstverständlich, wie beim Richtfest für die „Belfasthöfe“ an der Grünen Mitte deutlich wurde.

Mitten im politischen Streit um die Zukunft der Osnabrücker Wio hat die Wohnungsgesellschaft jetzt das Richtfest für ihr viertes großes Bauprojekt mit bezahlbaren Wohnungen im Landwehrviertel gefeiert.

Bei den „Belfasthöfen“ – vier Mehrfamilienhäuser mit je 25 Wohnungen direkt an der Grünen Mitte – rechnet die Wio mit einer Fertigstellung im Frühjahr 2026. „Wir sind stolz, dass wir bezahlbaren Wohnraum ermöglichen können“, sagte die Wio-Aufsichtsratsvorsitzende Susanne Hambürger dos Reis (SPD) beim Richtfest, „und zwar modern, mit Klimaaspekten und der sozialen Verantwortung.“

Wie steinig der Weg dorthin war, fasste der bisherige Interims-Wio-Geschäftsführer Wigand Maethner zusammen: Das Projekt habe zweimal neu geplant werden müssen, weil sich die staatlichen Förderbedingungen änderten. Derweil stiegen sowohl Baukosten als auch -zinsen enorm.

Jetzt liegt die Investitionssumme für die 100 Wohnungen im Energieeffizienzhaus-Standard 40 bei über 30 Millionen Euro. Die Belfasthöfe seien „ein Symbol dafür, womit wir in den letzten fünf Jahren gekämpft haben“, so Maethner, „insbesondere in den letzten drei.“

Maethner ist seit dem 1. September nicht mehr Geschäftsführer. Diesen Job hat Bernd Wortmeyer übernommen, der bis Oktober 2024 die deutlich größere Duisburger Gebag geleitet hatte. „Wohnen ist ein Grundbedürfnis“, betonte er beim Richtfest. „Sicheres, verlässliches, bezahlbares Wohnen sind die Themen dieser Zeit“, so der 55-Jährige. „Die darf man nicht ganz den Privaten überlassen.“

86 der 100 Wohnung haben günstige Mieten von 6,10 und 7,50 Euro pro Quadratmeter (kalt) und richten sich an Gering- und Normalverdiener mit Wohnberechtigungsschein. Das Land Niedersachsen fördert diesen sozialen Wohnungsbau mit zinsfreien Krediten.

Es war sehr windig beim Richtfest, weswegen der Richtkranz am Boden blieb. Susanne Hambüger dos Reis nutzte dies für die Bemerkung: „Gegenwind formt den Charakter.“ Dies könnte sowohl als Anspielung auf die schwierigen Bedingungen der Wio verstanden werden als auch auf die politische Debatte über die Zukunft der Wohnungsgesellschaft.

CDU und FDP im Osnabrücker Rat und auch Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) sind der Meinung, dass die Wio nun so langsam wirtschaftlich werden müsse und der Wohnungsbetrieb nicht dauerhaft subventioniert werden dürfe.

Und so nutzte Wio-Aufsichtsratsvize Fritz Brickwedde (CDU) die Gelegenheit auf der Baustelle, im Gespräch mit unserer Redaktion anzumerken: „Jede Wohnung ist hier hoch subventioniert.“ Er traue es dem neuen Geschäftsführer zwar zu, die Wio in eine Wirtschaftlichkeit zu führen, doch die langfristige Wio-Zukunft hält Brickwedde sich offen.

Der Osnabrücker Stadtrat hatte die Wio bei ihrer Gründung 2020 mit 60 Millionen Euro Eigenkapital ausgestattet. Davon könnten noch 300 oder 400 weitere Wohnungen gebaut werden, so Brickwedde. Und dann? „Man muss schauen, wie dann der Wohnungsmarkt aussieht.“  

Bei ihren nächsten Bauprojekten will die Wio mehr in Richtung serielles Bauen gehen, wie Geschäftsführer Bernd Wortmeyer und Stadtwerke-Chef Daniel Waschow im Gespräch mit unserer Redaktion angekündigt hatten. Geplant ist, dass dann bereits im ersten Jahr nach der Fertigstellung schwarze Zahlen geschrieben werden – zumindest bei den nächsten Neubauten. 

Konkrete Pläne gibt es für ein Grundstück im Norden des Landwehrviertels – da, wo einst die Genossenschaft „Wenge” Pläne hatte, die sie nun jedoch auf dem Kalkhügel realisiert.

Das zweite Projekt, mit dem die Wio schwarze Zahlen schreiben will, ist für die Bebauung rund ums Schinkelbad geplant. Solange die Wio noch darauf wartet, dass das Land Niedersachsen seine Förderbedingungen verbessert, wird sich dort aber erstmal nichts tun.

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