Nordfriesland Eigene Äpfel: Mit diesen 8 Tipps vom Obstbauern klappen Anbau, Pflege und Ernte
Holsteiner Cox, Klaräpfel oder purpurrote Cousinot: Mildes Wetter zur Blütezeit beschert vielen Apfelbaumbesitzern in dieser Saison eine reiche Apfelernte. Ein Obstbauer verrät, worauf es bei eigenen Apfelbäumen und ihrer Ernte ankommt.
Die milde Witterung zur Blütezeit machte es möglich: Die Ernte der deutschen Obstbauern soll laut Statistischem Bundesamt seit 2022 erstmals wieder bei mehr als einer Million Tonnen Äpfel liegen und fast 16 Prozent höher ausfallen als 2024. Auch Obstbauer Thorsten Paulsen freut sich über die reiche Ernte von 250 Sorten in seiner Baumschule Obsthoffnung in Norstedt. Der 59-Jährige gibt Tipps rund um die Pflege der Bäume und ihren Früchten:
Vom Frühapfel über den Herbstapfel bis zum Lagerapfel: Je nach Sorte und Standort beginnt das Einsammeln schon Ende Juli, im Sommer mit den Sorten wie den Weißen Klarapfel, geht über den Herbst mit Signe Tillisch bis hin zu den Winteräpfeln wie Martini und Stina Lohmann. Sind die Kerne im Apfel braun, ist das ein Reifezeichen.
Die Pflückreife kann sich von der Genussreife unterscheiden. Es gibt Sorten, die vor ihrer Genussreife geerntet werden, dadurch wird eine bessere Qualität und Lagerfähigkeit erreicht. Es gibt Menschen, die ihren Apfelbaum vernachlässigen, weil der Apfel nicht schmeckt, aber wenn man ihn im Oktober erntet und kühl einlagert, kann er im Januar zur Genussreife kommen und eventuell bis Mai ein Genuss sein.
Fallobst sollte schnell zu Mus, Kompott oder für den Kuchen verwertet werden, da es durch die Druckstellen leicht verderben kann. Wenn man zeitnah entsaftet, kann man auch schütteln, was die Ernte erheblich erleichtert. Tafelobst und Lagerobst sollte man behutsam pflücken. Gut ist, wenn der Baum den Apfel abgibt und er sich leicht abdrehen lässt.
Ein kühler Keller wäre ideal, die kühlste Ecke in der Garage geht auch, der Lagerplatz muss allerdings frei von Frost und Nagern sein. Die Äpfel müssen regelmäßig auf verdorbene Früchte kontrolliert werden, sonst verderben auch die guten schneller.
Die Vorarbeit beginnt bei der Wahl der richtigen Sorte. Es gibt in Deutschland rund 3000 Sorten, der Experte empfiehlt regionale Sorten. Man muss seinen Apfelbaum kennen, bei der Sorte helfen Baumschulen oder Pomologenvereine: Passt sie zum Klima und Boden, entspricht sie dem eigenen Geschmack, eignet sie sich für die Lagerung und Verwertung, ist sie robust genug, um auch ohne Pflanzenschutz auszukommen.
Man muss auf die Größe im Garten achten, denn die Wurzel-Unterlage des Baumes bestimmt die Wuchsstärke. Im Groben unterteilt man Busch, Halbstamm und Hochstamm.
In kleinen Gärten kann man nur kleine Buschbäume setzen, die rund 2 Meter benötigen. Der Halbstamm braucht um die 5 Meter und beim Hochstamm sind 10 bis 12 Meter Abstand zum nächsten Baum besser. Versucht man einen Hochstamm mit Gewalt einzukürzen, reagiert er mit starkem Wuchs und stellt die Fruchtproduktion ein.
Bei den kleinen Buschbäumen muss man auf eine gute Wasserversorgung achten, ihr Wurzelsystem ist oft unzureichend. Auch Obstbäume benötigen einer angepassten Düngung mit Kompost oder Hornspäne, besonders Buschbäume. Bei jungen Bäumen wäre noch eine Baumscheibe (freibleibender Bereich am Boden um den Stamm) hilfreich, um einen konkurrenzlosen Start zu ermöglichen.
Gegen Läuse helfen diverse Hausmittel wie Brennnesselsud oder Wasserstrahl. Bei den Gespinstmotten sammelt man am besten die Nester ab. Gegen Apfelwickler helfen Hühner, die sie wegpicken. Eine Klebepaste kann die Rinde schädigen und auch Nützlingen gefährlich werden. Besser wäre ein Wellpappen-Fanggürtel am Stamm, in den sie sich statt in die Rinde verkriechen können.
Für eine spätere gute Ernte ist der Erziehungsschnitt von Jungbäumen entscheidend. Der Schnitt am Altbaum beeinflusst die Größe und Gesundheit der Früchte sowie die Höhe des Ertrages. Der Schnitt sorgt auch für einen vitalen, langlebigen Baum, der nicht frühzeitig vergreist.
Idealerweise lässt man seine Bäume von einem Obstbaumwart schneiden. Nicht jeder Gärtner kennt sich mit einem korrekten Schnitt aus, aber schlecht zu schneiden ist meistens besser als gar nicht.