Essen/Osnabrück VfL Osnabrück: Kehl kommt in Fahrt, Fabinski überzeugt weiter - und keiner fällt ab
Beim 1:1 des VfL Osnabrück gegen Rot-Weiss Essen überzeugten ein Offensivmann, ein Abwehrspieler und ein Flügelläufer besonders. Aus dem Rest der Mannschaft fiel bei dem guten Auswärtsauftritt aber auch keiner ab. Die Einzelkritik.
#27 Robin Fabinski: Der 22-Jährige zeigte auch in seinem fünften Drittliga-Spiel, dass der VfL mit ihm im Sommer einen starken Einkauf getätigt hat. Der linke Innenverteidiger zeigte sich stabil in den Zweikämpfen in der Luft und am Boden, verlor im Grunde kaum ein Duell. Fing dazu zahlreiche Bälle Richtung Mause und später Potocnik ab. Im Spielaufbau steigert er sich auch stetig, wird mutiger und hat die Übersicht und technische Qualität für tiefe Pässe. Einzige kleine, aber letztlich nicht bestrafte Fehler: Eine unnötig hergeschenkte Ecke (38.) und die Mause-Chance in der 55. Minute, als er dem Essener Stürmer etwas zu viel Platz ließ. Kontrollierte in der Schlussphase auch den blitzschnellen Safi komplett.
#18 Lars Kehl (bis 86.): Nicht nur wegen seines Tores der beste Osnabrücker Offensivspieler: Immer giftig in den Zweikämpfen, eifrig im Pressing und ganz grundsätzlich sehr agil. Mit schnellen Drehungen und klugen Pässen war er an fast allen guten Osnabrücker Offensivaktionen beteiligt, so leitete er etwa Prögers Chance mit einem tollen Pass auf Christensen ein. Wie so oft, fehlte allerdings zunächst der Ertrag und die Genauigkeit bei eigenen Versuchen. Den Elfmeter verwandelte er sicher unten links - gar nicht so einfach, die Coolness zu bewahren, weil zwischen Foulpfiff und Ausführung einiges an Zeit verging. Schleppte sich am Ende mit letzten Kräften übers Feld und musste schließlich raus.
#31 Patrick Kammerbauer: War in der ersten Hälfte von Beginn an sehr gut im Spiel und immer wieder eine gute Anspielstation im Spielaufbau auf der rechten Seite. Zog gelegentlich auch weiter ins Zentrum und konnte dort seine Qualitäten im Passspiel einbringen. Defensiv hatte er gelegentlich Probleme mit Mizuta, löste die schwere Aufgabe aber insgesamt gut. Bekam dazu endlich einen Elfmeter, nachdem er schon mehrfach in der Saison im Strafraum gelegt wurde, bekam er diesmal die Belohnung für seinen Drang in die Box, weil Bouebari ihm in die Hacken lief. Auch zum Ende war der Dauerläufer weiter ein Aktivposten im Offensivspiel.
#21 Lukas Jonsson: Der Torhüter wirkte zunächst nicht hundertprozentig sicher, zum Beispiel bei der Ecke in der 9. Minute, die er nur mit Mühe klärte. Steigerte sich danach über gute Aktionen beim Hinauslaufen und parierte auch den Arslan-Freistoß (12.) sicher. Insgesamt relativ wenig gefordert in seinem Kerngeschäft, aber immer zur Stelle, wenn er gefordert war. Hatte beim Ausgleich keine Chance, weil zwei Mitspieler vor ihm standen und die Sicht versperrten. Ein weiterer solider Auftritt der Nummer eins.
#3 Frederik Christensen (bis 86.): Mit Abstrichen war es eine gute Leistung des dänischen Linksverteidigers: Christensen zeigte seinen Offensivdrang, fand die richtigen Momente zu Durchbrüchen und hatte auch ein, zwei gute Flanken in den Rückraum, etwa auf Pröger in der 28. Minute. Dazu hatte er Essens Obuz komplett im Griff und ließ defensiv kaum etwas zu. Aber: Die sonst so starken Standards waren am Mittwoch stark ausbaufähig und bei einigen anderen Möglichkeiten fehlte die Genauigkeit bei Flanken.
#4 Yigit Karademir: Spielte anstelle des verletzten Niklas Wiemann in der Dreierkette und machte seine Sache ordentlich. Blieb fast in jedem Laufduell der Sieger und hat hier die Souveränität der letzten Saison zurück. Im Spielaufbau brauchte er ein bisschen, um in die Partie zu finden: Spielte er anfangs meistens noch zurück, traute er sich danach immer mehr zu. Stand bei Mauses guter Chance in der 25. Minute einen Meter zu tief und hob das Abseits auf, ansonsten defensiv weitestgehend fehlerlos.
#6 Bryan Henning (bis 60.): Saß in der Liga zuletzt zweimal 90 Minuten auf der Bank und durfte nun wieder von Beginn an ran. War wie gewohnt viel unterwegs und spielte mit Einsatz, hatte aber in den Zweikämpfen auch öfter das Nachsehen. Sein starker Abschluss aufs kurze Eck (32.) hätte fast zur Führung geführt, aber Golz parierte glänzend. Insgesamt blieb er aber vergleichsweise unauffällig.
#10 Kai Pröger (bis 60.): Vor acht Jahren spielte Pröger ein Jahr in Essen, nun gab er an der Hafenstraße sein Startelfdebüt für den VfL neben Kehl hinter Sturmspitze Meißner. Kam in der 21. Minute fast zu einem kuriosen Treffer, den er sich durch gutes Pressing verdient hätte, RWE-Keeper Golz rettete aber im letzten Moment. Brachte generell eine gute Dynamik aufs Feld, hatte aber insgesamt noch zu wenige Ballaktionen. In der 28. Minute bot sich ihm die Großchance, als er nach Vorlage von Christensen frei im Strafraum an den Ball kam, ihn aber versuchte anzunehmen, anstatt direkt zu schießen. Das wäre möglich gewesen, die Vorlage war nicht zu scharf. In der zweiten Hälfte etwas abgetaucht.
#11 Robin Meißner (bis 78.): Ging in der Anfangsphase viele weite Wege, auch im eigenen Ballbesitz wich er weit auf die Flügel aus. Wie in fast jedem Spiel bislang hatte er gleich mehrere tolle Aktionen mit dem Rücken zum Tor - exemplarisch die vor Hennings Schusschance (32.), als er mehrere Gegner aussteigen ließ und dann den guten Diagonalball spielte. Schöne Idee, mal aus dem Nichts abzuziehen (39.), Golz hätte den Flachschuss fast durchrutschen lassen. In der zweiten Hälfte fanden ihn die Kollegen seltener, Christensen hätte ihn bei Durchbrüchen zweimal am ersten Pfosten bedienen können. Hatte etwas Pech, dass nach Vorlage von Wagner ein Gegner zwischen ihm und dem Tor stand, sonst hätte er aus Nahdistanz wohl getroffen (64.).
#15 Bjarke Jacobsen: Der Ankerspieler vor der Abwehr war auch in Essen körperlich präsent und den meisten Gegenspielern überlegen, vor allem in der Luft. Mit dem Ball am Fuß suchte er oft die einfache Lösung. Wenn es komplizierter werden musste, hatte er schon bessere Partien als die in Essen. In Bodenduellen nicht immer sauber gegen die quirligen und schnelleren Essener, insgesamt aber solide. Hatte am Ende läuferisch zu kämpfen, zog aber durch.
#24 Jannik Müller: An seine starke Leistung aus der Rostock-Partie konnte der Kapitän nicht komplett anknüpfen. Musste mehrfach zum Foulspiel greifen, weil er zu spät herausrückte oder im Laufduell unterlegen war. Sah so auch seine dritte Gelbe Karte der Saison. Regelte mit seiner Ruhe und Übersicht viele Dinge aber trotzdem in der gewohnten Manier und war damit auch in Essen ein wichtiger Bestandteil der weitestgehend sicheren Defensive. Auch in der Luft stark.
#19 Kevin Wiethaup (ab 60.): Der 19-Jährige kam zum zweiten Mal in Folge von der Bank und probierte viel, allerdings gelang recht wenig. Im Eins gegen Eins scheiterte er mehrfach an den erfahrenen Gegenspielern. Fügte sich aber im Spiel gegen den Ball gut ein und sorgte mit für die Stabilität auch in der Schlussphase.
#26 Fridolin Wagner (ab 60.): Kam für Henning auf die Doppelsechs und kam sofort ins Spiel. Tolle Aktion vor Meißners Chance (63.) und schöner Außenristpass vor dem Elfmeter, der das Foul an Kammerbauer erst erzwang. Trieb auch danach immer wieder das Spiel nach vorne und war in diesem Bereich deutlich aktiver als Henning zuvor. Eine gute Einwechslung.
Nicht zu bewerten: #14 Luc Ihorst (ab 78.), #37 Ismail Badjie (ab 86.), #13 Kevin Schumacher (ab 86.)