Essen VfL-Torschütze Kehl: Wäre es länger gegangen, hätten wir das Spiel gezogen
So ganz konnten sich die Protagonisten des VfL Osnabrück nicht einigen: Stellt das 1:1 bei Rot-Weiss Essen vom Mittwochabend nun zufrieden oder nicht? Die Stimmen zum stimmungsvollen Spiel an der Hafenstraße.
Lars Kehl (Torschütze zum 1:0 für den VfL): Gegen Rostock war es schon knapp, dass ich treffe - heute hat es endlich mal geklappt. Das ist natürlich schön. Wir haben ein, zwei Schützen, die vorher feststehen und dann spricht man sich auf dem Feld ab, wer sich besser fühlt. Das war heute ich. Ich habe in den letzten Wochen auch häufiger mit Niklas Sauter trainiert. Am Anfang haben wir uns heute wieder schwergetan, wir hatten ein, zwei taktische Probleme. Nach einer Umstellung lief es besser. Als wir dann vorne draufgegangen sind, haben wir gemerkt, die haben Vollstress. Gut, dass wir heute endlich einen Elfmeter bekommen haben. Ich glaube, wir hatten schon ein paar mehr verdient in dieser Saison. Dass direkt danach der Ausgleich fällt, das war schon Scheiße. Gerade hier in Essen, da weiß man, wenn man ein Tor macht, man muss jetzt einfach zehn Minuten überstehen. Wäre uns das gelungen, hätten wir das hier über die Bühne gebracht. Wir haben danach aber direkt einen Kreis gemacht und gesagt: Komm, lass uns einfach weitermachen. Das ist uns auch gelungen. Wäre es ein paar Minuten länger gegangen, hätten wir es, glaube ich, auch noch gezogen. In der Schlussphase sieht man in jedem Spiel, dass wir fitter sind als die anderen.
Kai Pröger (offensiver Mittelfeldspieler des VfL): Ich habe in den letzten Tagen schon immer ein bisschen darauf gehofft, dass ich in der Startelf stehe. Dass es gerade hier in der Hafenstraße klappt, hat mich natürlich sehr gefreut. Es hat an sich Spaß gemacht, leider nicht gewonnen. Ein bisschen trübt das die Stimmung. Aber gerade hier in diesem Stadion kann man vielleicht auch mit einem Punkt zufrieden sein. Ein Tor zum Einstieg hätte ich natürlich auch gerne mitgenommen und ärgere mich ein bisschen, dass ich den Ball da nicht im Tor unterbringe. Leider hat da einmal der letzte Kontakt nicht richtig gepasst. Das erwarte ich eigentlich von mir, dass ich eine solche Chance im Tor unterbringe. So ein Gegentor wie das 1:1 darf uns eigentlich nicht passieren. Wenn du am Ende ganz oben mitspielen willst, muss man solche Spiele auch ziehen. Aber es ist auch erst der Anfang der Saison, da muss man vielleicht auch mal zufrieden sein aus so einem Spiel einen Punkt mitzunehmen. Unser Spiel ist extrem darauf ausgelegt, dass wir kompakt stehen. Das ist uns bis auf eine Ausnahme in München auch sehr gut gelungen. Ich glaube, wenn vorne die Abläufe besser sitzen, werden wir vorne auch noch mehr Tore schießen. Aber wichtig ist im Moment, dass das Grundkonstrukt gut steht.
Yigit Karademir (Innenverteidiger des VfL): Auswärts einen Punkt mitzunehmen ist immer etwas schwer als daheim. Deshalb ist das Unentschieden heute vielleicht etwas besser. Aber dass wir erst das Tor schießen und direkt danach das Gegentor kassieren, ist schon sehr ärgerlich. Ich glaube, wenn wir es nur zehn Minuten länger ausgehalten hätten, hätten wir das Spiel gewonnen - aber wir konnten den Schuss am Ende einfach nicht mehr blocken. Wir müssen bei den Standards einfach wach sein. Das Fundament unseres Spiels ist die Defensive, das haben wir aus der vergangenen Saison mitgenommen. Wir können gut im tiefen Block verteidigen, aber auch hoch stehen mit der Kette. Nach vorne wollen wir uns noch verbessern.
Timo Schultz (Trainer des VfL): Es war ein typisches Hafenstraßenspiel, es schwankte hin und her. RWE ist besser ins Spiel gekommen und hat Druck aufgebaut, da konnten wir uns nicht so befreien, wie es mir gewünscht hätte. Dann gab es wieder Phasen, in denen wir gut drin waren. Am Ende ist es ein gerechtes Unentschieden, ein Elfmetertor für uns, ein Eckentor für die Gastgeber. Hintenraus hatte ich das Gefühl, dass wir mehr am Drücker sind. Es ist die Bestätigung für die Art und Weise, wie wir Fußball spielen. Den Punkt nehmen wir mit nach Osnabrück, bereiten uns jetzt auf Aue vor und wollen da einen Dreier mitnehmen.
Uwe Koschinat (Trainer von Rot-Weiss Essen): Ich teile die Auffassung meines Kollegen. Am Ende muss man darüber reden, dass wir ein gerechtes Unentschieden gesehen haben, mit völlig unterschiedlichen Phasen im Spiel. Wir waren konsequent in der Umsetzung der taktischen Idee, haben den Gegner strategisch sehr gut gepresst. Es war klar, dass es nicht allzu viele Möglichkeiten gegen einen so perfekt organisierten Gegner geben wird. Herausragend war wieder einmal die Phase nach der Pause, in der wir sehr viel Energie, sehr viel Schwung mitnehmen konnten. Einen Faktor, den wir nicht so durchbringen konnten, war die Pärchenbildung auf dem Flügel in den Rücken der Abwehr. Osnabrück ist gut organisiert, aber ich hätte mir gewünscht, dass wir häufiger den Ball in die Box bringen. In Heimspielen bekommen wir momentan nicht so viele Szenen, in denen einer frei zum Abschluss kommt, wir müssen uns alles hart erarbeiten. Ich habe ein Spiel mit viel Einsatz gesehen, das strategisch gut war. Es war heute kein Rückschritt, aber auch kein Vorwärtskommen. In drei Heimspielen nicht gewonnen zu haben, ist zu wenig, um oben anzudocken.