Essen Führung hält nur kurz: VfL Osnabrück holt einen Punkt bei Rot-Weiss Essen
Der VfL Osnabrück hat am Mittwochabend bei Rot-Weiss Essen ein verdientes 1:1-Unentschieden eingefahren. Lars Kehl traf vom Elfmeterpunkt, die Gastgeber schlugen aber schnell zurück. Der Spielbericht.
Ein über weite Strecken gutes Auswärtsspiel des VfL Osnabrück reichte am Mittwochabend zu einem 1:1-Unentschieden bei Rot-Weiss Essen. Die Lila-Weißen gingen an der Hafenstraße in der zweiten Hälfte in Führung - sie sollte nur nicht lange halten.
Vier Wechsel nahm Trainer Timo Schultz in der Startelf vor. Als sicher galt zuvor der Einsatz von Yigit Karademir, der bereits beim 0:0 gegen Hansa Rostock früh für den am Innenband verletzten Niklas Wiemann in die Partie kam. Darüber hinaus rotierte Schultz in der englischen Woche auch auf der linken Außenbahn, wo Frederik Christensen für Kevin Schumacher begann, im Mittelfeld (Bryan Henning für Fridolin Wagner) und im offensiven Mittelfeld. Kai Pröger ersetzte Ismail Badjie und kam zu seinem ersten Startelfeinsatz für den VfL.
Viermal hatte der VfL in den ersten fünf Partien in der 3. Liga zu Null gespielt. Auch in Essen setzten die Osnabrücker zu Beginn erst einmal auf Sicherheit. Die erste Ecke hatten die Gastgeber, ebenso wie die erste gute Möglichkeit nach einer guten Viertelstunde: Den Freistoß des Ex-Osnabrückers Ahmet Arslan aus 20 Metern lenkte VfL-Torwart Lukas Jonsson am Pfosten vorbei.
Nach knapp 20 Minuten versuchte Kaito Mizuta mit einem Aufsetzer aus etwa 15 Metern die Mannschaft von Trainer Uwe Koschinat in Führung zu bringen. Wieder passte Jonsson gut auf. Kurz darauf hatten dann auch die Osnabrücker fast ihre erste Chance dank eines aggressiven Pressings von Pröger. RWE-Torwart Jakob Golz bekam den Ball allerdings nach einer kleinen Unsicherheit doch wieder unter Kontrolle.
Die erste hochkarätige Möglichkeit hatte Jannik Mause nach Vorarbeit von Klaus Gjasula. Aus spitzem Winkel hob er den Ball nur knapp über das Tor. Danach wurde auch der VfL mutiger. Nach einer schönen Kombination von Christensen und Lars Kehl kam Pröger in guter Position zum Abschluss, zögerte aber etwas zu lange. Kurz darauf kam Henning nach einer starken Vorarbeit von Robin Meißner auf der linken Seite frei zum Schuss, Golz parierte aufmerksam.
Die 2500 Fans, die den VfL begleiteten, sahen einen engagierten Auftritt ihrer Mannschaft unter dem Essener Flutlicht - und fünf Minuten vor der Halbzeit eine schöne Kombination von Patrick Kammerbauer und Meißner, die beinahe in der Führung der Gäste mündete. Der Stürmer zog aus dem Nichts von der rechten Seite ab, Golz hatte Mühe mit dem Flachschuss, erreichte ihn aber noch knapp vor dem einlaufenden Kammerbauer. Nach einer guten und vor allem wieder mal defensiv stabilen Leistung ging es mit 0:0 in die Pause.
Danach übernahmen die Gastgeber deutlich das Kommando: Bei einer Großchance von Mause, der aus 16 Metern abzog, hatte der VfL Glück, dass der Essener zu hoch zielte (56.). Kurz darauf traf Ahmet Arslan mit seinem Fernschuss nur das Außennetz (59.). Der VfL hatte in der Phase Mühe, hinterherzukommen und wieder Spielkontrolle zu erlangen. Schultz reagierte und brachte Kevin Wiethaup und Fridolin Wagner für das Mittelfeld.
Die Wechsel fruchteten schnell: Der VfL hielt plötzlich seine Bälle besser, hatte durch Meißner nach Wagners toller Vorarbeit eine Großchance (63.) und bekam kurz darauf einen Elfmeter. Essens Bouebari lief Kammerbauer in die Hacken - der souveräne Schiedsrichter Assad Nouhoum pfiff zurecht. Lange Diskussionen folgten, Essens Coach Koschinat tobte an der Seitenlinie, aber einer blieb cool: Lars Kehl verwandelte sicher im linken unteren Eck (65.).
Die Führung sollte allerdings nicht lange halten: Eine Essener Ecke rutschte durch an den zweiten Pfosten, wo Tom Moustier den Ball annahm und durch zwei Osnabrücker und Torwart Jonsson hindurch zum Ausgleich traf (69.). Bitter für den VfL, der sich für die Schlussphase gerade erst eine perfekte Ausgangslage erarbeitet und für mächtig Unruhe an der mit 18.000 Zuschauern gefüllten Hafenstraße gesorgt hatte.
Die rot-weißen Anhänger waren nach dem Ausgleich natürlich direkt zur Stelle und hofften auf den ersten Heimsieg der Saison. Nach kurzer Hektik auf dem Rasen nahmen die Osnabrücker aber wieder etwas Druck aus dem Geschehen, ließen Ball und Gegner laufen und sortierten sich hinten besser.
Essen hatte in der Schlusssekunde durch den eingewechselten Müsel per Kopfball, der hauchzart am VfL-Tor vorbeiging, die einzige Torchance in der sechsminütigen Nachspielzeit, in der es wegen eines medizinischen Notfalls im Essen-Block still wurde. So blieb es bei einem leistungsgerechten Unentschieden - nach einer Partie, die abermals die Stabilität des VfL bewies, der sich wehrte, teilweise spielerisch überzeugte und sich den Punkt damit redlich verdiente.
Nach sechs Spieltagen ist der VfL damit Zehnter der Liga und hat neun Punkte eingefahren, davon fünf gegen die vier Topfavoriten der Liga mit 1860 München, Saarbrücken, Hansa Rostock und Essen. Ein ordentlicher Saisonstart, der zum Ende der englischen Woche am Samstag (14 Uhr) mit dem Heimspiel gegen Aue seinen vorläufigen Abschluss findet.