Osnabrück Kartellamt prüft Gaspreise: So haben die Stadtwerke Osnabrück in der Krise erhöht
Zwölf der 72 Grundversorger in Niedersachsen müssen beim Landeskartellamt zum Gespräch antreten. Dazu zählen auch die Stadtwerke Osnabrück. Der Grund: Auffälligkeiten mit Blick auf die Gaspreise in der Energiekrise. Wie die Landesbehörde gerechnet und die Stadtwerke die Preise erhöht haben.
Die Temperaturen werden langsam wieder kühler. Da dauert es nicht mehr lange, bis die ersten Heizungen in Osnabrück angestellt werden. Dass vor rund drei Jahren zu dieser Zeit über einen möglichen Mangel an Gas im Winter und in die Höhe schnellende Preise diskutiert wurde, das scheint heute ganz weit weg. Nur eines ist geblieben: Energie bleibt merklich teurer als vor der Krise.
Aber haben Energieversorger in den vergangenen Jahren auch Gaskunden ausgenutzt und völlig überhöhte Preise verlangt? Dem geht das Landeskartellamt derzeit nach. Insgesamt 72 Grundversorger in Niedersachsen hat die Behörde unter die Lupe genommen. Am Montag hat die Behörde ihren Abschlussbericht vorgelegt. Bei zwölf Energieversorgern sieht die Landeskartellbehörde demnach Auffälligkeiten und hat zum Gespräch gebeten, darunter auch die Stadtwerke Osnabrück und die Stadtwerke Georgsmarienhütte.
Doch wie kommt das Landeskartellamt zu seiner Einschätzung? In Augenschein genommen wurde der Zeitraum vom 1. September 2021 bis zum 1. September 2024 – um die Marktsituation vor, während und nach der „Energiekrise“ vergleichen zu können, heißt es. Zu insgesamt sieben Stichtagen wurden Preise und Preisbestandtteile erhoben.
Zur besseren Vergleichbarkeit hat die Landeskartellbehörde exemplarisch jeweils für drei Haushaltstypen – 7000 kWh, 15.000 kWh und 22.500 kWh Jahresverbrauch – die Preise berechnet. Bei den angegebenen Daten handelt es sich um Netto-Preise ohne Umsatzsteuer. Ein Jahresverbrauch von 15.000 kWh entspricht dem durchschnittlichen Verbrauch eines Haushalts mit drei Personen in einer 100-Quadratmeter-Wohnung.
Im September 2021 musste ein Gasgrundversorgungskunde in Niedersachsen laut Behörde für 15.000 kWh im Jahr durchschnittlich 916 Euro zahlen. Zum Höhepunkt der Preisentwicklung – am 1. Januar 2023 – wurden für die gleiche Menge Gas pro Jahr im Schnitt 2293 Euro fällig. Das ist ein Preisanstieg um 150 Prozent. Bis September 2024 sind die Gasgrundversorgungspreise laut Landeskartellbehörde durchschnittlich wieder um 24 Prozent auf 1726 Euro gesunken.
Im Drei-Jahres-Vergleich zwischen der ersten Datenerhebung im September 2021 und der letzten im September 2024 bedeutet das fast eine Verdoppelung der durchschnittlichen Gasgrundversorgungspreise (plus 90 Prozent).
Allerdings: Die Spanne zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter ist der Kartellbehörde zufolge im untersuchten Zeitraum weiter auseinander gegangen. Musste der Kunde beim teuersten Anbieter im September 2021 rund 50 Prozent mehr zahlen als beim günstigsten, betrug der Preisunterschied im Januar 2023 220 Prozent.
Bis Herbst 2024 war die Spanne auf 106 Prozent gesunken. „Selbst wenn die großen Preisspannen durch die besonderen Umstände der ,Energiekrise‘ vorübergehend gerechtfertigt gewesen sein könnten, wäre zu erwarten, dass sich die Preisspannen im September 2024 wieder dem früheren Niveau angenähert haben sollten“, heißt es im Abschlussbericht.
Aber heißt das auch, dass Grundversorger den fehlenden Wettbewerb durch überhöhte Preissetzungen ausgenutzt haben? Laut Statistischem Bundesamt kostete Erdgas die Verbraucher im ersten Halbjahr 2021 im Schnitt 6,41 Cent je Kilowattstunde brutto. Direkt zu Beginn des untersuchten Zeitraums, zum 1. September 2021, hob der Osnabrücker Grundversorger damals seinen Gaspreis an – erstmals seit mehr als zwei Jahren, wie die Stadtwerke damals betonten. „Grund für die Erhöhung ist die vom Gesetzgeber beschlossene und seit Jahresbeginn fällige CO2-Abgabe auf Diesel, Benzin, Heizöl und auch Erdgas“, hieß es damals in einer Mitteilung.
Fällig wurden nun 7,16 Cent je Kilowattstunde brutto (Verbrauch zwischen 2609 und 14.000 kWh pro Jahr; Grundpreis 107,16 Euro/Jahr) beziehungsweise 6,63 Cent/kWh (Verbrauch bis 45.000 kWh pro Jahr; Grundpreis 182,04 Euro/Jahr) – 0,54 Cent je mehr als zuvor. Für einen Single-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 10.000 kWh ergaben sich dadurch Mehrkosten von 4,50 Euro brutto pro Monat. Bei einem Jahresverbrauch von 18.000 kWh liege die monatliche Mehrbelastung bei 8,25 Euro brutto, rechneten die Stadtwerke vor.
Die nächste Erhöhung erfolgte knapp ein Jahr später zum 1. August 2022 – und das drastisch, um 117 Prozent. In Zahlen bedeutete das: 16,08 Cent/kWh (Verbrauch zwischen 2609 und 14.000 kWh pro Jahr; Grundpreis 107,16 Euro/Jahr) beziehungsweise 15,55 Cent/kWh (Verbrauch bis 45.000 kWh pro Jahr; Grundpreis 182,04 Euro/Jahr). Zum Vergleich: Laut Statistischem Bundesamt lag der durchschnittliche Preis im 2. Halbjahr 2022 bei 9,34 Cent je Kilowattstunde.
Für eine Familie mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 18.000 Kilowattstunden bedeutete das: Statt 1375 Euro wurden nun 2981 Euro für die gleiche Menge Gas fällig. „Wir können die Preisexplosionen auf den Energiemärkten nicht mehr auffangen“, sagte der damalige Stadtwerke-Chef Stefan Grützmacher. Allein in den vergangenen Monaten seien die Beschaffungskosten bei Gas um 170 Prozent gestiegen, machte Grützmacher damals die Dimensionen deutlich.
Weiter erhöht haben die Stadtwerke ihre Preise in der Krise nicht. Für 2024 teilten sie sogar früh im Jahr mit: Preisanpassungen nach oben wird es nicht geben. Trotz des deutlichen Anstiegs verschiedener staatlicher Abgaben wie Netzentgelt oder CO2-Preis, wie der Energieversorger betonte. Der Grund: Die Kostensteigerungen könnten die Stadtwerke größtenteils durch verbesserte Einkaufskonditionen auffangen, hieß es.
Anfang 2025 und damit außerhalb des Untersuchungszeitraums der Kartellbehörde kam dann die gute Nachricht für Verbraucher: Zum 1. März haben die Stadtwerke die Gaspreise in der Grundversorgung deutlich gesenkt. Aktuell zahlen Kunden in der Grundversorgung 14,76 Cent/kWh (Verbrauch bis 6600 kWh pro Jahr; Grundpreis 64,32 Euro/Jahr) beziehungsweise 12,97 Cent/kWh (Verbrauch ab 6601 kWh pro Jahr; Grundpreis 182,04 Euro/Jahr). Ein Musterhaushalt mit einem jährlichen Gasverbrauch von 18.000 Kilowattstunden (kWh) spare dadurch rund 600 Euro im Jahr, heißt es.
Bei den Stadtwerken Osnabrück geht man davon aus, dass die Preissteigerungen in der Zeit der Krise so gerechtfertigt waren. „Die Stadtwerke Osnabrück stehen für eine faire und verantwortungsvolle Preisgestaltung. Wir werden die anstehenden Gespräche mit der Landeskartellbehörde konstruktiv nutzen, um unsere Tarifmaßnahmen – gerade mit Blick auf die besonderen Marktverwerfungen in Folge der Energiekrise – transparent darzulegen“, teilte der Energieversorger auf Anfrage mit.