Osnabrück Tonfall kaum auszuhalten: Liebe Osnabrücker Ratsleute, bitte reißt euch zusammen!
Die jüngste Ratssitzung in Osnabrück war kein Glanzstück, im Gegenteil. Es war stellenweise kaum auszuhalten, wie sich die Ratsmitglieder angingen. Ausgerechnet in dieser Zeit. Dabei können sie doch auch anders. Ein Kommentar.
Man könnte meinen, in wenigen Wochen wäre Kommunalwahl in Osnabrück – und nicht erst am 13. September 2026. Die Ratsmitglieder griffen sich in der Ratssitzung am Dienstagabend auf eine Art und Weise an, die für Beobachter nur schwer erträglich war.
Es wurde fraktionsübergreifend gestichelt – etwa, dass heute ja eigentlich keine Mikrofone nötig wären, nachdem ein wütendes Ratsmitglied so laut geworden war, dass sich die Stimme überschlug.
Mehrfach mahnte der Ratsvorsitzende Michael Hagedorn (Grüne) zur Mäßigung. Er hatte wohl schon zu Beginn geahnt, dass die Fetzen fliegen würden. Reichlich sarkastisch kam seine Einführung an, dass das heute ja sicher eine kurze Sitzung werden würde. Es wurde eine lange.
Ein Tiefpunkt im Tonfall war bei den Debatten um den Umgang mit Investoren am Neumarkt und die Verteilung von 12 Millionen Euro Fördermitteln des Landes Niedersachsen für Osnabrück erreicht.
Ausgerechnet Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) legte dem SPD-Ratsherrn und -Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl 2026, Robert Alferink, die Worte in den Mund, er habe das Vorgehen der Verwaltungsspitze als „scheiße“ bezeichnet. Dabei hatte er dieses Wort gar nicht verwendet, sondern mit diesem Wort hatte CDU-Ratsfrau Anette Meyer zu Strohen seine Kritik wiedergegeben. Klingt wie Kindergarten? Fühlte sich auch so an.
Und all das, nachdem alle Fraktionen zuerst noch geschlossen einen Antrag des AfD-Vertreters Alexander Garder zur „Verurteilung von Gewalt und Einschüchterung“ nach den Protesten gegen die Kneipe „Parkhaus Rink” ins Leere laufen gelassen und mit einem umfassenden Gegenantrag gekontert hatten.
Es war einer dieser Momente, in denen man als Osnabrücker Bürgerin stolz sein durfte auf diese Stadt, in der Hass und Hetze, völkisches Gedankengut und Rassismus keinen Platz haben. In der sich im Rat auch über Parteigrenzen hinweg Mehrheiten finden und Kompromisse möglich sind, wenn es um die Sache geht.
Dieser faire Umgang miteinander ist eine Besonderheit des Rates dieser Stadt, die den Titel Friedensstadt trägt. Daran sollten sich alle Ratsmitglieder bitte wieder erinnern. Osnabrück befindet sich in der schlimmsten Finanzkrise der Nachkriegszeit, auch das wurde in dieser Ratssitzung deutlich, in der Kämmerer Thomas Fillep zu Beginn seinen Entwurf für den städtischen Doppelhaushalt 2026/27 einbrachte.
Der Rat hat zig Probleme zu lösen und sollte sich nicht jetzt schon mit Wahlkampf aufreiben. Mit einem reinen Gegeneinander gewinnt man keine Stimmen. Damit verliert man sie.