Umbau des Vossenhus  Norder Stadtbibliothek zieht um

| | 17.09.2025 12:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Norder Stadtbibliothek braucht mehr Platz. Dank Fördermitteln vom Bund soll nun der geplante Anbau umgesetzt werden. Foto: Kresse
Die Norder Stadtbibliothek braucht mehr Platz. Dank Fördermitteln vom Bund soll nun der geplante Anbau umgesetzt werden. Foto: Kresse
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Die Norder Stadtbibliothek verlässt vorübergehend das Vossenhus und zieht in ein Ausweichquartier. Leser müssen sich auf eine mehrwöchige Schließzeit und einen neuen Standort einstellen.

Norden - Kaum einer, der das markante Gebäude am Norder Marktplatz nicht kennt: Das historische Vossenhus beherbergt seit 1983 die Stadtbibliothek und ist seitdem fester Bestandteil des Norder Soziallebens. Doch jetzt stehen große Veränderungen für das 400 Jahre alte Gebäude an. Es wird saniert, modernisiert und erweitert. Dafür muss die Norder Stadtbibliothek zunächst weichen.

Der gesamte Medienbestand zieht in das Interimsquartier im Neuen Weg 35. Rund 20.000 Bücher, Zeitschriften, Filme und weitere Medien werden ab Oktober sorgfältig verpackt und transportiert. Ab dem 1. Oktober 2025 bleibt die Bibliothek deshalb für mehrere Wochen geschlossen, damit der Umzug reibungslos verlaufen kann.

Damit während der Schließzeit keine Unannehmlichkeiten entstehen, werden sämtliche entliehenen Medien automatisch verlängert, teilte die Stadtverwaltung mit. Das digitale Angebot der Onleihe bleibt wie gewohnt verfügbar. Die Wiedereröffnung im Neuen Weg ist für Ende Oktober geplant. Dort erwartet die Leser ein funktionaler, gut erreichbarer Standort mitten in der Fußgängerzone (altes Doornkaat-Gebäude) mit dem gewohnten Service und einem vielseitigen Medienangebot – ein Ort, der das Lesen, Lernen und Entdecken weiterhin in den Mittelpunkt stellt, heißt es von der Verwaltung. Wer sich vor dem 1. Oktober mit ausreichend Lesestoff versorgen möchte, kann dies in den verbleibenden Öffnungstagen tun.

Hintergrund des geplanten Umbaus: Die nutzbare Fläche von 358 Quadratmetern ist mit Blick auf eine moderne Bibliotheksnutzung viel zu klein. Außerdem ist das Vossenhus nicht barrierefrei.

Die Stadtbibliothek in Norden ist sehr beliebt, aber auch in die Jahre gekommen. Was vor allem fehlt, ist Platz. Das soll sich nun ändern. Foto: Rebecca Kresse
Die Stadtbibliothek in Norden ist sehr beliebt, aber auch in die Jahre gekommen. Was vor allem fehlt, ist Platz. Das soll sich nun ändern. Foto: Rebecca Kresse

Für die Erweiterung hat die Stadt das Gebäude Osterstraße 158 gekauft. Das Haus liegt direkt neben der bisherigen Bibliothek. In der neuen Bibliothek soll es neben den klassischen Bücherregalen und Ausleihbereichen neue Angebote geben, wie etwa ein Podcast-Studio. Dieser Raum mit Mikrofon soll den Nutzern die Möglichkeit geben, Texte einzusprechen oder neudeutsch „Content zu generieren“, wie Bibliotheksleiterin Anke Czepul sagte. Außerdem ist ein Veranstaltungsraum geplant, Lern- und Versuchsbereiche sowie Gaming-Angebote. Diese, so Czepul, gehören heute zum Standard einer modernen Bibliothek, um auch den Kindern eine Teilhabe zu ermöglichen, die sich zu Hause keine Konsolen und Spiele leisten können. „Das Gaming spiegele die Lebenswirklichkeit von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen wider“, sagte Czepul. Dies gemeinsam und unter Anleitung in der Bibliothek zu tun, trage sehr viel zum gesunden Umgang mit solchen Angeboten bei, statt alleine zu Hause stundenlang vor einem Monitor mit vielleicht nicht altersgerechten Spielen zu sitzen. Auch analoge Spiele wie das klassische „Mensch ärgere dich nicht“ oder Schach gehören ebenso zu einer modernen Bibliothek wie PC-Arbeitsplätze, Kopierer und Drucker.

Im Jahr 2008, bevor Czepul die Leitung der Stadtbibliothek übernahm, zählte die Bibliothek unter 40.000 Leihvorgänge. Im Jahr 2024 waren es laut Czepul 146.000 Leihvorgänge – also fast vier Mal so viel. Die Besucherzahlen verdoppelten sich im gleichen Zeitraum fast von rund 30.000 auf mittlerweile 54.000. Allein im vergangenen Jahr hat die Bibliothek 250 Veranstaltungen im Bereich Sprach- und Leseförderung angeboten.

Die Norder Verwaltung geht davon aus, dass die Gesamtnutzungsfläche mit dem geplanten Anbau bei etwa 1100 Quadratmeter liegen wird. Die Kosten für das Bauprojekt schätzt die Verwaltung derzeit anhand von Erfahrungswerten auf rund 5,6 Millionen Euro. Ein Teil der Summe kommt nun vom Bund. Die Stadt bekommt für den Um- und Anbau Bundesfördermittel aus dem Programm „Kultur-Invest“ in Höhe von 2,8 Millionen Euro. Der Bund trägt damit mit einer Förderquote von 50 Prozent zur Finanzierung eines Projekts bei.

Die Norder Stadtbibliothek braucht nicht nur dringend mehr Platz, sie muss ebenso dringlich saniert werden. Foto: Rebecca Kresse
Die Norder Stadtbibliothek braucht nicht nur dringend mehr Platz, sie muss ebenso dringlich saniert werden. Foto: Rebecca Kresse

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