Osnabrück  Drei Osnabrücker Kliniken in einer Holding: So sollen sich die Standorte spezialisieren

Meike Baars
|
Von Meike Baars
| 17.09.2025 13:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mit welchem Krankheitsbild kommen Patienten künftig in welches Osnabrücker Krankenhaus? Darüber gibt es zwischen dem Klinikum und den Niels-Stensen-Kliniken gerade intensive Gespräche. Doppelstrukturen sollen wegfallen. Foto: Andre Havergo
Mit welchem Krankheitsbild kommen Patienten künftig in welches Osnabrücker Krankenhaus? Darüber gibt es zwischen dem Klinikum und den Niels-Stensen-Kliniken gerade intensive Gespräche. Doppelstrukturen sollen wegfallen. Foto: Andre Havergo
Artikel teilen:

Krankenhäuser in Deutschland stehen massiv unter Druck. In Osnabrück arbeiten das Klinikum und die Niels-Stensen-Kliniken künftig deutlich enger zusammen. Unter dem Dach einer Holding sollen sie medizinische Fachbereiche untereinander aufteilen. Was bedeutet das?

Die katholischen Niels-Stensen-Kliniken und das kommunale Klinikum Osnabrück wollen in Osnabrück künftig noch stärker zusammenwachsen. Darauf haben sich beide Seiten in einer Absichtserklärung verständigt. Im nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung ist der sogenannte „Letter of intent“ am Dienstagabend (16. September 2025) von der Politik abgesegnet worden.

Darin vereinbaren Klinikum und Niels-Stensen-Kliniken, eine gemeinsame Holding als Dachgesellschaft gründen zu wollen. Wie genau sie rechtlich ausgestaltet sein wird, ist noch offen. Diese Holding soll die strategische Aufgabe übernehmen, tiefergehende Kooperationen zwischen den Osnabrücker Krankenhäusern auszuloten und einzustielen. Die einzelnen Kliniken würden selbstständig bleiben.

Neben den beiden großen Häusern der Maximalversorgung, Klinikum und Marienhospital (MHO), ist das Franziskus-Hospital Harderberg an der Georgsmarienhütter Stadtgrenze unmittelbar in die strategischen Überlegungen einbezogen. 

Die nun von den Gesellschaftern und Aufsichtsräten der Osnabrücker Krankenhäuser vereinbarte Verflechtung soll die Häuser für die Herausforderungen von demografischem Wandel, Fachkräftemangel und Krankenhausreform wappnen. Die Verantwortlichen wollen medizinische Doppelstrukturen aufbrechen und Leistungen an Standorten bündeln, heißt es. 

Bisher halten sowohl Marienhospital als auch Klinikum alle wesentlichen Medizinbereiche auf hohem und höchstem Versorgungsniveau vor. Jahrzehntelang war das Verhältnis beider Häuser von Konkurrenz um Patienten, Fachkräfte und Versorgungsaufträge geprägt. Nun sollen die Häuser aufeinander abgestimmt jeweils klare Spezialisierungen ausbilden.

Für einige Klinikbereiche ist die Marschrichtung schon in der Absichtserklärung aufgezeigt. So soll künftig die Notfallversorgung in enger Kooperation zwischen allen Standorten erfolgen, insbesondere dem Klinikum und dem MHO. Das Klinikum würde als Hauptnotaufnahmezentrum fungieren. Schwerstverletzte und komplex erkrankte Notfallpatienten würden in Zukunft vorrangig dort versorgt. Am Finkenhügel befindet sich ohnehin schon die Bereitschaftsambulanz der Hausärzte für minderschwere Krankheitsfälle am Wochenende und in Randzeiten.

Am Marienhospital soll ein onkologischer Schwerpunkt ausgebildet werden. Das MHO wäre dann die Hauptanlaufstelle für Krebspatienten. Am Franziskus-Hospital Harderberg würden orthopädische Behandlungen gebündelt. In anderen wichtigen Medizinbereichen ist die Aufteilung noch unklar. Diese Entscheidungen werden sich aber unmittelbar auf geplante Neubau- und Sanierungsprojekte der Krankenhäuser auswirken.

Beide wirtschaftlich angeschlagenenen Träger setzen darauf, dass Bund und Land für den Kooperationsprozess Fördermittel bereitstellen. „Ohne diese gezielte finanzielle Unterstützung wird eine Kooperation nicht umsetzbar sein“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung.

Das Zielbild soll stufenweise umgesetzt werden. Bis Mitte 2026 sollen „wesentliche Grundsatzfragen“ geklärt sein, setzen sich Gesellschafter und Geschäftsführungen zum Ziel. „Dazu gehören insbesondere die gesellschaftsrechtliche Ausgestaltung, die zukünftige Finanzierung, die finanziellen Verpflichtungen und nicht zuletzt auch die kulturellen Unterschiede der Träger.“

Mit der geplanten stärkeren Verflechtung reagieren Klinikum und Niels-Stensen-Verbund auf die Erfordernisse der Krankenhausreform und kommen womöglich auch einer Einmischung des Landes Niedersachsen zuvor. Die Reform schreibt Kliniken im Land ein Mindestmaß an Fallzahlen und Fachpersonal vor, damit sie Medizinleistungen erbringen dürfen. 

Damit Stadt und Landkreis Osnabrück als Gesundheitsregion keine sogenannten „Leistungsgruppen“ verlieren, sind die Krankenhäuser gezwungen, sich zu spezialisieren und zu kooperieren. Auch das Land hatte signalisiert, teure Parallelstrukturen in Gesundheitsregionen nicht zu dulden.

Mit dem Plan einer gemeinsamen Dachgesellschaft zünden Niels-Stensen-Kliniken und Klinikum Osnabrück die nächste Stufe ihrer Zusammenarbeit. Auf einzelnen Medizinfeldern bestehen bereits Kooperationen. Bei der Versorgung von Risikoschwangerschaften und kranken Frühchen arbeiten Klinikum, MHO und Christliches Kinderhospital Osnabrück seit Jahren zusammen.

Im Januar einigten sich Klinikum und Niels-Stensen-Verbund, bis 2026 die Felder der Senologie, Urologie und der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie unter sich aufzuteilen. Jüngstes Signal einer stärkeren Verflechtung von MHO und Klinikum war, dass die Häuser zwei zentrale Klinikbereiche trägerübergreifend mit gemeinsamen Chefärzten besetzen.  

Unter dem Dach der geplanten Holdinggesellschaft sollen die Häuser des katholischen Niels-Stensen-Verbunds und das Klinikum Osnabrück rechtlich eigenständige Kliniken bleiben. Die Niels-Stensen-Kliniken mit insgesamt 6000 Mitarbeitern gehören mehrheitlich dem Bischöflichen Stuhl zu Osnabrück. Alleinige Gesellschafterin des Klinikums mit seinen 3500 Mitarbeitern ist die Stadt Osnabrück. Am Mittwochmorgen wurden die Beschäftigten an den Osnabrücker Standorten über den Kooperationsplan informiert.

Ähnliche Artikel