Osnabrück Suche nach Investor für Ex-Krankenhaus am Natruper Holz: Das ist Stand der Dinge
Im April hat das Marienhospital seinen Zweitstandort am Natruper Holz verlassen. Seitdem suchen die Niels-Stensen-Kliniken einen Käufer. Investoren sollen dort groß denken dürfen, signalisiert die Stadt Osnabrück.
Die Niels-Stensen-Kliniken suchen nach wie vor einen Investor für den ehemaligen Krankenhauskomplex am Natruper-Holz. Seit das Marienhospital Osnabrück (MHO) seinen Zweitstandort im April verlassen hat, steht ein Teil der Kliniktrakte auf dem Areal leer. Gemeinsam mit einem Immobilienvermittler aus Bad Iburg arbeitet der Klinikverbund Niels Stensen (NSK) als Eigentümer daran, das 20.000 Quadratmeter große Ensemble potenziellen Käufern schmackhaft zu machen.
Dazu gehört auch, Ideen für eine Nachnutzung zu entwickeln und prüfen zu lassen, wie die NSK-Geschäftsführung bestätigt. Einige Flügel des verwinkelten Gebäudes könnten etwa in Wohnraum umgewidmet werden. In einem Exposé zeigt Wermes Immobilien aus Bad Iburg vorstellbare Varianten. Möglich seien kleinteiliges studentisches Wohnen, Mitarbeiterwohnen und altengerechtes Wohnen.
Für den Umbau müsste ein Investor zwar ordentlich Geld in die Hand nehmen. Am Standort Wohnungen zu entwickeln, könnte das Gesamtinvestment allerdings wirtschaftlich reizvoll machen. Die Osnabrücker Verwaltung hat nun signalisiert, einem solchen Vorhaben nicht im Wege stehen zu wollen – im Gegenteil.
„Die Stadt Osnabrück hat ihre große Unterstützung in der Weiterentwicklung und Umnutzung des Areals bereits in der positiven Bewertung der gestellten Bauvoranfrage deutlich gemacht und diese Optionen im Bauvorbescheid in Aussicht gestellt“, teilt NSK-Sprecherin Ute Laumann mit.
Die Stadt bestätigt dies auf Anfrage. Der positive Bauvorbescheid sei am 10. September erteilt worden, so ein Sprecher. Dabei wurde vom Grundsatz her auch eine Wohnnutzung als zulässig beurteilt. Mit einer Bauvoranfrage können Eigentümer, Bauherren oder Kaufinteressenten frühzeitig von der Baubehörde prüfen lassen, ob ihr Projekt auf einem bestimmten Grundstück genehmigungsfähig ist.
Schlägt ein Käufer diesen Weg ein, ergäbe sich eine gemischte Nutzungsform: Ein Großteil der vermietbaren Flächen wäre weiter Praxen und Anbietern aus dem Gesundheitssektor vorbehalten. Einen Teil könnte der künftige Bauherr in Wohnflächen umwandeln.
Derzeit gibt es für den Ex-Klinikstandort am Natruper Holz laut Wermes Immobilien Kaufgespräche mit mindestens zwei Investoren aus Niedersachsen, „die sich intensiver mit der Immobilie befassen“. Beide potenziellen Käufer seien dem Gesundheitssektor zuzurechnen. Welchen Preis die Niels-Stensen-Kliniken aufrufen, ist nicht zu erfahren.
Angesichts seiner angeschlagenen finanziellen Lage wäre ein einträglicher Erlös für den katholischen Klinikverbund eine gute Nachricht. Die Suche nach einem passenden Investor läuft inzwischen ein halbes Jahr. „Dass ein Projekt dieser Größenordnung eine gewisse Zeit beansprucht, war den Beteiligten im Vorfeld bekannt“, teilt Sprecherin Laumann mit.
Im ersten Quartal 2025 hatte das Marienhospital seinen Zweitstandort am Natruper Holz geräumt. Die Niels-Stensen-Kliniken bündelten die medizinischen Abteilungen am MHO-Hauptsitz in der Innenstadt sowie am Franziskus-Hospital Harderberg. Die Maßnahme war Teil des Sanierungsprozesses, den der Klinikverbund unter dem Namen „Medizinstrategie 2028“ seit Mitte 2024 umsetzt.
Solange das Areal am Natruper Holz in den Händen von Niels-Stensen verbleibt, fließen immerhin Mieteinnahmen aufs Konto des Klinikverbunds. Diverse Praxen und Gesundheitseinrichtungen haben ihren Sitz schon seit vielen Jahren an dem Gesundheitsstandort. Das Gebäude gehörte einst dem Paracelsus-Konzern, bevor die Niels-Stensen-Kliniken das Haus übernahmen.
Bis ein neuer Investor zuschlägt, kümmert sich der Immobilienvermittler Wermes neben dem Verkauf auch um die Bestandsmieter und neue Ansiedlungen aus dem Gesundheitssektor. Rund die Hälfte der Gebäudefläche ist inzwischen vermietet. Die meisten Mietverträge laufen langfristig, wie der NSK-Verbund bestätigt. Es gebe viele Gespräche mit weiteren Interessenten.
Parallel dazu nutzen die Niels-Stensen-Kliniken den Standort verstärkt für ambulante Operationen. Seit Mitte Mai weichen Operationsteams vom Marienhospital und vom Franziskus-Hospital-Harderberg planmäßig auf das OP-Zentrum am Natruper Holz aus und führen dort ambulante Eingriffe durch, wie der Krankenhausbetreiber mitteilt. Pro Woche seien das rund 50 ambulante Operationen aus den Bereichen Unfall- und Allgemeinchirurgie, Orthopädie und Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
Auch ein Teil der niedergelassenen Ärzte am Natruper Holz nutzt die OP-Säle im Gebäude. Die Schmerztherapie-Praxis Brau und Michel stellt dafür die Anästhesieleistungen.