Osnabrück Ziel für Auswärtsspiel in Essen: VfL Osnabrück will Hafenstraße kontrollieren
Der VfL Osnabrück trifft am Mittwochabend (19 Uhr) auf Rot-Weiss Essen. An der stimmungsvollen Hafenstraße wollen die Lila-Weißen das umsetzen, was in den letzten Wochen meist gelang: Die Partie kontrollieren. So blickt Trainer Timo Schultz auf das Spiel.
Die Rahmenbedingungen bei Auswärtsspielen in der 3. Liga schwanken. Spielte der VfL Osnabrück vor zweieinhalb Wochen noch im vom TSV Havelse angemieteten Eilenriedestadion in Hannover, geht es nun zu einem Traditions-Standort im Ruhrgebietsfußball. Statt vor 3000 Zuschauern ohne echte Heimatmosphäre spielen die Lila-Weißen am Mittwochabend (19 Uhr) gegen Rot-Weiss Essen unter Flutlicht vor 19.000 Zuschauern an der Hafenstraße - auf dem Papier ein Highlightspiel der Saison.
Die Vorfreude auf diesen Fußballabend ist bei VfL-Trainer Timo Schultz groß. „Schon geil“, findet er die Atmosphäre in Essen. „Ich habe ja noch an der alten Hafenstraße selber gespielt. Das ist schon eine spezielle Stimmung, die auch ähnlich zur Bremer Brücke ist“, sagt der 48-Jährige. Im ehemaligen Georg-Melches-Stadion hatte Schultz als Profi einen großen Tag in seiner damals noch jungen Karriere: Im November 2000 traf er doppelt, bevor er beim 5:2-Sieg mit dem VfB Lübeck mit Gelb-Rot vom Platz flog.
Nun ist Schultz aber Trainer und die Hafenstraße längst umgebaut - die Stimmung dort aber unverändert hitzig. „Ich glaube, in Essen kann das Publikum mal pöbelig werden, auch der eigenen Mannschaft gegenüber“, sagt der VfL-Coach. Insofern wäre ein guter Start in die Partie - anders als zuletzt beim 0:0 gegen Rostock - viel wert, um Unruhe in die Arena zu bringen. Das aber seien „nicht so die Themen, mit denen wir uns beschäftigen“, sagt Schultz. „Wir wollen bei uns bleiben, möglichst viel Kontrolle im Spiel haben, gut stehen und den Essenern Probleme bereiten.“
Ein paar Tage nach der Nullnummer gegen Rostock sieht der 48-Jährige durchaus das Positive, nämlich dass seine Mannschaft „inzwischen eine gewisse Qualität mit dem Ball“ entwickelt habe und nicht nur Hansa, sondern zuvor auch Saarbrücken beim 2:0-Heimsieg viel hinterherlaufen musste gegen sein Team. „Das muss unser Ansatz bleiben, wir wollen aber noch besser werden und uns noch mehr Chancen herausspielen. Davon brauchen wir momentan sowieso noch zu viele. Wenn aber die Effizienz dazu kommt, sieht es schon gut aus.“
Der Ansatz für die Partie gegen RWE ist also klar: Selbst möglichst viel den Ball haben, weiterhin gut verteidigen und die klaren Chancen möglichst effizient nutzen. Der Gegner allerdings wird ein anderer sein als Rostock am Samstag. Während Hansa eher minimalistisch unterwegs ist, fallen bei Spielen mit Essener Beteiligung massig Tore. Elf schoss die Mannschaft von Ex-VfL-Coach Uwe Koschinat bislang, neun kassierte sie.
Der 54-jährige Trainer, der vor fast genau einem Jahr in Osnabrück entlassen wurde, stellte zuletzt von einer Dreier-Abwehrkette auf eine Viererreihe um. Es ist für den VfL der erste Gegner mit einer Viererkette in dieser Saison. Was kommt da auf die Osnabrücker zu? „Schwer zu sagen“, gibt Schultz zu. „Sie haben gute Fußballer, Tempo in der vordersten Linie, können kompakt stehen mit zweikampfstarken Spielern. Gefühlt können sie alles gut. Es ist eine sehr ausgeglichene Mannschaft.“
Klar ist: Auf die Defensive des VfL, in der Yigit Karademir den am Innenband verletzten Niklas Wiemann ersetzen wird, kommt eine große Aufgabe zu. RWE verfügt mit dem spielstarken Tom Moustier, Ahmet Arslan, Ramien Safi und Kaito Mizuta über eine vielseitige Offensive - und hat mit Jannik Mause kürzlich noch einen ehemaligen Drittliga-Torschützenkönig dazu geholt. Und trotz der hohen individuellen Qualität ist Essen wechselhaft in die Saison gestartet: So verlor Rot-Weiss etwa in Wehen Wiesbaden (3:4) und zuhause gegen Aachen (2:3), schaffte am Freitag aber mit dem 3:1 in Regensburg einen kleinen Befreiungsschlag, der auch etwas Druck von Koschinat nahm. Der erfahrene Trainer hatte RWE mit einer herausragenden Rückserie erst zum Klassenerhalt geführt und soll nun nach Möglichkeit den Sprung in die 2. Bundesliga schaffen.
Mit zu viel Respekt angesichts der Qualität des Gegners und der Atmosphäre wollen Schultz und der VfL die Partie aber nicht angehen. „Morgen Abend sind sechs Spieltage um und wir haben dann gegen die vier Topfavoriten gespielt. Bislang haben wir gegen alle mindestens ganz ordentlich ausgesehen, von daher kann uns das für das Spiel in Essen Selbstvertrauen und Stärke geben“, sagt der VfL-Coach, der für die Englische Woche zumindest etwas Rotation in seiner Startelf angekündigt hatte.
Dass er aber viel über Bord wirft, ist nicht zu erwarten. „Ich bin jetzt auf jeden Fall weit davon entfernt, acht Spieler auszutauschen“, sagt Schultz. Neben Karademir für Wiemann dürfte Frederik Christensen auf links Kevin Schumacher ersetzen. Kandidaten für einen etwas überraschenden Startelfeinsatz wären darüber hinaus Bryan Henning, in der Liga zuletzt zweimal 90 Minuten auf der Bank, oder Kai Pröger und Kevin Wiethaup im Offensivbereich.