London  Trump trifft König Charles und Premier Starmer: Können die Briten Trump mäßigen?

Susanne Ebner
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Von Susanne Ebner
| 16.09.2025 15:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bei seinem Besuch 2019 traf US-Präsident Donald Trump bei einem Empfang auf den damaligen Prinzen Charles. Foto: dpa/PA Wire/Chris Jackson
Bei seinem Besuch 2019 traf US-Präsident Donald Trump bei einem Empfang auf den damaligen Prinzen Charles. Foto: dpa/PA Wire/Chris Jackson
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Donald Trump besucht Großbritannien und trifft König Charles III. sowie Premier Keir Starmer. Der Staatsbesuch ist eine diplomatische Herausforderung. Angekündigte Proteste sowie Debatten über horrende Kosten bestimmten die Berichterstattung.

Seit Wochen herrscht emsige Betriebsamkeit auf Schloss Windsor, eine gute Autostunde westlich von London: Das Tafelsilber wird poliert, Menüs werden erprobt, Gardisten und Musiker üben ihren Marsch. Alles zielt auf einen einzigen Moment ab: die Begegnung zwischen Donald Trump und König Charles III. anlässlich des Staatsbesuchs des US-Präsidenten im Vereinigten Königreich am Mittwoch und Donnerstag.

Der große Festsaal des Schlosses soll zur Bühne werden für ein Schauspiel, das mit Glanz politische Unsicherheiten überstrahlen soll. Schon zu Beginn seiner zweiten Amtszeit war Trump dieser Besuch in Aussicht gestellt worden. Starmer übergab den Einladungsbrief des Monarchen im Weißen Haus an den US-Präsidenten, als Signal für die von Politikern oft beschworene besondere Partnerschaft zwischen den Ländern.

Inzwischen hat London zu Washington tatsächlich einen engeren Draht als andere Staaten: Gespräche und ein intensiver Austausch ebneten den Weg zu einem Handels- und Zollabkommen, das Großbritannien günstigere Konditionen sichert als der EU – etwa niedrigere Zölle für Autoexporte bis zu einer festgelegten Obergrenze.

Doch die demonstrative Nähe zu einem US-Präsidenten zu suchen, der auf der Insel weithin abgelehnt wird, birgt auch ein Risiko für den sozialdemokratischen Premier Keir Starmer. Demonstranten in London und Windsor bereiten sich auf Protestaktionen anlässlich des Staatsbesuchs vor. Für Diskussionen sorgt außerdem die Frage nach den Ausgaben: Sicherheitsmaßnahmen und die aufwendige Inszenierung des royalen Zeremoniells dürften die Steuerzahler im Land Millionen kosten.

Der Besuch kommt für Starmer überdies zudem zu einem schlechten Zeitpunkt: Die Umfragewerte für Labour sinken stetig. Nach der Entlassung seines US-Botschafters Peter Mandelson wegen dessen Verbindungen zum mittlerweile verstorbenen verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein steht er innenpolitisch stark unter Druck.

In Starmers Partei mehren sich Stimmen, die seine Führungsstärke offen infrage stellen und sogar über einen möglichen Machtwechsel nach den Regionalwahlen im kommenden Frühjahr spekulieren. Ferner gewinnt die rechtspopulistische Partei Reform UK unter dem Brexit-Treiber Nigel Farage an Boden und liegt in aktuellen Umfragen bereits mit rund 30 Prozent klar in Führung.

Umso größer ist die Hoffnung, dass König Charles als Staatsoberhaupt ohne politische Agenda seine diplomatische Rolle bei der Begegnung mit Trump geschickt ausfüllt und zum stabilen Gegenpol wird – zwischen einem geschwächten Premier und einem unberechenbaren Gast. Nach der Ankunft Trumps am Dienstagabend in Windsor Castle beginnt für den 79-Jährigen und seine Frau Melania am Mittwoch das eigentliche Programm.

Den Tag soll das Präsidentenpaar mit den Royals verbringen. Geplant sind eine Kutschenprozession durch das Schlossgelände von Windsor Castle, ein Besuch der St. George’s Chapel mit einer Kranzniederlegung am Grab von Königin Elizabeth II. sowie am Abend ein prunkvolles Staatsbankett im Großen Saal des Schlosses. Bei dem Bankett werden sowohl der König als auch der US-Präsident im Kreis hochrangiger Gäste eine Rede halten.

„Für Charles und die königliche Familie ist der Besuch eine Gelegenheit, ihre Soft-Power sichtbar zu machen, jene subtile Form von Einfluss, mit der sie dem Land Ansehen und Vorteile sichern“, sagt Pauline Maclaran von der Royal Holloway University of London unserer Redaktion. Der Monarch dürfte daher bemüht sein, die Gespräche auf unverfängliche Themen zu lenken, mit Anekdoten über Imkerei, Geschichten vom Polo oder der Jagd.

„Es ist ein offenes Geheimnis, dass Trump die Royals bewundert und er jedes Treffen mit ihnen auch als Aufwertung seines eigenen Status versteht“, so die Expertin. „Deshalb werden sie die schwierige Aufgabe mit all dem Pomp und der Zeremonie, die seinen Besuch begleiten, meistern.“

Doch die Visite Trumps ist nicht allein royales Schauspiel. Am Donnerstag trifft er auf dem Landsitz des britischen Premiers auch Starmer. Der Labour-Chef versucht dann unter schwierigen Bedingungen zumindest innenpolitisch zu punkten. So ist die Verkündung einer neuen Atomenergie-Partnerschaft mit den USA geplant, die Hunderte Arbeitsplätze schaffen und langfristig die Energiepreise senken soll.

Im Gespräch sind der Bau mehrerer moderner, modularer Reaktoren im nordostenglischen Hartlepool. Außerdem soll ein Rechenzentrum in Mittelengland gebaut werden, das unter anderem auch mit US-Technologie betrieben werden soll.

In jedem Fall wird der Staatsbesuch zum doppelten Test: für König Charles, der zeigen will, dass er diplomatisch bestehen kann, und für Starmer, der beweisen muss, dass er trotz Skandalen und wachsendem Widerstand in den eigenen Reihen auch positive Neuigkeiten verkünden kann.

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