Osnabrück Flyer der Fanszene nach Vandalismus: Wie der VfL Osnabrück ihn einsortiert und was daraus folgt
Vor dem Spiel gegen Hansa Rostock (0:0) hat die aktive Fanszene des VfL Osnabrück in einem Flyer „Fehler“ bei der Vandalismus-Aktion vor dem Spiel gegen den TSV Havelse in Hannover eingestanden. Geschäftsführer Michael Welling bewertet dies als „wichtigen Schritt“. Abgehakt ist die Aktion aber noch nicht.
Wer sich am Sonntag vor dem Spiel in oder in der Nähe der Ostkurve aufhielt, bekam vermutlich einen Flyer der Fanszene in die Hand gedrückt. Mehrere hundert der kleinen Zettel waren vor und während der Partie des VfL Osnabrück gegen Hansa Rostock (0:0) im Umlauf. Für Kenner der Szene war der Inhalt durchaus bemerkenswert.
Er nahm Bezug auf den Vandalismus vor dem Spiel des VfL Osnabrück gegen den TSV Havelse. Eine kleine Gruppe Anhänger des VfL hatte in der Nacht vor der Partie in Hannover die Anlage des Drittligaaufsteigers verwüstet. Doch gedeckt wurde die Aktion von einem weitaus größeren Kreis, was Plakate in der Gästekurve beim Spiel an der Eilenriede belegten.
An jenem Samstag hatte die führende Ultragruppierung „Violet Crew“ Bilder von den Plakaten (“Subvention für Osnabrücker Reinigungsunternehmen“) und von dem in der Sprecherkabine entwendeten Mikrofon auf ihrer Website gepostet. Um die Realität der Vorgänge abzubilden - oder um diese auf gewisse Weise noch einmal gutzuheißen? Beides war möglich und heizte die Diskussion vor dem Spiel gegen Rostock noch einmal an.
Der Flyer schaffte nun zumindest ein wenig Klarheit beim Versuch, einzuordnen, wie die Aktion innerhalb der Fanszene aufgenommen und diskutiert worden ist. Im Text wird zwar Protest für „faire Eintrittspreise“ grundsätzlich gutgeheißen. „Allerdings war die Umsetzung in Havelse deutlich übertrieben und man muss sich hier Fehler eingestehen“, steht dort weiter. Auch, wenn ein Unterzeichner fehlte, war schnell klar, wer hinter dem Text steht: die aktive Fanszene, allen voran die Violet Crew.
Wer die Szene kennt, weiß um die Tragweite des Flugblattes, das nicht Teil des eigenen Spieltags-Infoflyers der VC (“Pasado Viola“) war, sondern separat verteilt wurde - von den bekanntesten Gesichtern der Ultras selbst. Diese hatten offenbar Gespräche innerhalb der Szene geführt, die am Ende in dem Fehlereingeständnis und dem Text des Flyers mündeten.
Für viele Außenstehende war das, wie Diskussionen im Netz und persönliche Gespräche zeigen, als Reaktion „viel zu wenig“. Auch, weil eine aktive Entschuldigung in Richtung Havelse fehlt.
Dass der Verein und auch viele Fans des VfL Osnabrück den Vandalismus verurteilen, wurde am Sonntag noch einmal deutlich. Der VfL hatte angekündigt, das Pfand der gespendeten Becher diesmal statt wie sonst vorwiegend an eine soziale Einrichtung der Region oder das Nachwuchsleistungszentrum des VfL an den TSV Havelse zu geben. 3813 Euro kamen zusammen. Laut Verein die höchste Summe, die es bisher bei einer Becherspende gab. Darüber hinaus hat ein VfL-Anhänger per privater Initiative bisher über 4500 Euro gesammelt.
Michael Welling wertet den Flyer der Fans als „Schritt in die richtige Richtung“. Der Geschäftsführer des VfL Osnabrück weiß, wie ungewöhnlich das Fehlereingeständnis für die Ultraszene ist. Wie selten Vergleichbares so klar kommuniziert wird. Darüber hinaus zeigt der Flyer: Die Fanszene hat sich mit dem Verhalten in Havelse auseinandergesetzt und nicht auf Druck des Vereins oder der Öffentlichkeit, sondern aus eigener Einsicht den Flyer entworfen.
„Man kann deutlich herauslesen, dass es innerhalb der Fanszene eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema gab und offenbar viele eine andere Wahrnehmung von der Aktion hatten, als es vielleicht der erste Schein war. Das wurde nun deutlich“, sagte Welling. Es sei ihm „bewusst, dass so ein Statement der Szene etwas Außergewöhnliches ist. Es wurde deutlich artikuliert, dass da Grenzen überschritten wurden und das in dieser Art falsch war.“
Der Geschäftsführer des VfL hatte sich in den vergangenen Jahren stets für den Dialog mit der Fanszene engagiert. Die Verwüstungen in Havelse hatte er scharf kritisiert. Und auch nach dem Flyer machte er deutlich: „Das Vertrauen, das zerstört wurde, muss erst langsam wieder aufgebaut werden. Das Thema wird uns auch weiter beschäftigen und weiter das Verhältnis zwischen Verein und Fans und auch den Fans untereinander beeinflussen“, sagt Welling und betont: „Man kann nicht sagen: Pflaster drauf und gut, sondern es wird auch noch in die Zukunft wirken. Wir werden in den nächsten Monaten das Verhältnis weiter neu justieren und bewerten müssen.“
Kleinere Dinge hat der VfL bereits angepasst: Ein geplantes Fanfest hinter der Tribüne in der Nord-Ost-Ecke des Stadions nach dem Spiel gegen Aue wird es nicht geben, aktuell verkauft die VC an ihrem Stand keine Aufkleber. Zudem liegt das von Beiratsmitglied Alexander Stuckenberg maßgeblich vorangetriebene Anliegen, einer Faninitiative zur Abschaffung der Bestrafung von Pyrotechnik beizutreten, bis auf Weiteres auf Eis.
Darüber hinaus ermitteln Polizei und Staatsanwalt weiter. Schon alleine deshalb werden der Einbruch und die Sachbeschädigungen, die in Havelse begangen wurden, weiter ein Thema bleiben.