Osnabrück Neuer Franken-"Tatort: Ich sehe dich" mit Fabian Hinrichs - starker Start in neue Saison
Ende der Sommerpause. Mit Fabian Hinrichs im neuen Franken-„Tatort: Ich sehe dich“ starten die Sonntagskrimis in eine Saison voller Veränderungen.
Zwei Jahre schon gilt Andreas Schönfeld (Benjamin Schaefer) als spurlos verschwunden. Jetzt fördern Bauarbeiten an einer Flussaue den skelettierten Leichnam des Verschollenen zu Tage. Der Täter hat sein Opfer nicht einfach irgendwo im Wald verscharrt, sondern in ein zwei Meter tiefes Grab gelegt. „Ein Königsgrab“, staunt die Pathologin vor Ort. „Für die Ewigkeit“.
Die ersten Ermittlungen stellen Kriminalhauptkommissar Felix Voss (Fabian Hinrichs) und seine Kollegin Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid) vor ein Rätsel. Der tote Fahrradhändler hatte nicht nur keine Feinde, sondern galt auch als äußerst freundlich und zurückhaltend. Zu seiner Mutter (Marion Reuter) pflegte er ein liebevolles Verhältnis. Und auch sonst können Nachbarn und Kollegen des Ermordeten nur Gutes über den Toten sagen. Was Voss irgendwann stutzig werden lässt.
Der nette Fahrradhändler habe eine regelrechte „Mauer des Guten“ um sich herum aufgebaut, mutmaßt Voss. Da müsse doch irgendetwas oberfaul sein. Aber selbst die düsteren Analogfotos von Leid und Elend, die die Ermittler im Keller der Wohnung des Toten finden, bringen den Fall nicht weiter. Doch dann bringt der Fund einiger digitaler Speicherkarten erstes Licht ins Dunkel.
Mit dem neuen Franken-„Tatort: Ich sehe dich“ gelingt der Krimireihe ein sehenswerter Einstieg in die neue Saison. Max Färberböck (Buch und Regie) gelingen gut durchkomponierte, düstere Bilder in einem undurchsichtigen Fall, der sich Zeit nimmt und Ruhe ausstrahlt. Aber in der Ruhe der Inszenierung liegt die Kraft dieses Krimis, der im letzten Drittel einen regelrechten Sog entwickelt, dem man sich aus Zuschauersicht kaum entziehen kann.
Es dauert seine Zeit, bis mit Lisa (Mavie Hörbiger), einer erblindeten Frau, eine Person in den Mittelpunkt rückt, die dem Fall eine tragische wie bedrohliche Wendung verleiht. Hörbiger verkörpert diesen vielschichtigen Charakter auf zwei Ebenen in Rückblenden und aus der Gegenwart mit einer unglaublichen Intensität, die ihresgleichen sucht. Zur Vorbereitung auf ihre Rolle hat sie unter anderem eine österreichische Blindenschule besucht, was ihr „nicht nur Sicherheit gegeben, sondern auch mein Verständnis auf eine ganz besondere Weise erweitert“ habe, wie sie in einem Pressestatement sagt.
Auf ganz andere Art und Weise muss sich Kommissar Voss gleich doppelt gehandicapt durch den Fall schleppen. Verletzt und erstmals ohne Kollegin Ringelhahn – Schauspielerin Dagmar Manzel hat sich im letzten „Tatort: Trotzdem“ von ihrer Rolle verabschiedet – ist er eigentlich dienstunfähig. Nur mit Hilfe eines kurz vor der Pensionierung stehenden Assistenten (großartig: Sigi Zimmerschied) kann er überhaupt arbeiten. Wieso lässt sich der Kommissar nicht einfach krankschreiben? Voss-Darsteller Hinrichs hat da seine ganz eigene Theorie, die er im Interview mit unserer Redaktion äußert: „Vielleicht ist die Vorstellung größte Schrecken für ihn, in einer Wohnung einsam zu sitzen und sich mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen, mit seiner Einsamkeit, mit seinem Leben in Nürnberg, mit seiner eigenen Sterblichkeit.“
Mit diesem „Tatort: Ich sehe dich“ startet die Reihe in eine Saison voller Veränderungen und Abschiede. Ab dem nächsten Franken-„Tatort“ ermittelt Rosalie Thomass an der Seite von Hinrichs. Aus Münster verabschiedet sich Mechthild Großmann von ihrer Rolle der Staatsanwältin Klemm. In München sagen Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec nach 35 Jahren und 100 Episoden zum Abschied leise „Servus“. Und in Frankfurt begeben sich ab dem 5. Oktober Melika Foroutan und Edin Hasanovic auf Spurensuche älterer ungelöster Kriminalfälle, um nur einige Neuerungen zu nennen. Es bleibt spannend!
„Tatort: Ich sehe dich“. Sonntag, 14. September, 20.15 Uhr im Ersten sowie in der ARD Mediathek.