Schulentwicklung  Norden ringt um die Zukunft der Grundschulen

| | 12.09.2025 16:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Linteler Schule gehört zu einer der beiden größten Grundschulen in Norden. Foto: Rebecca Kresse
Die Linteler Schule gehört zu einer der beiden größten Grundschulen in Norden. Foto: Rebecca Kresse
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Die Norder Verwaltung steht vor schwierigen Entscheidungen zur Zukunft der Grundschulen. Aus Sorge vor einem Aufschrei bei Eltern soll zunächst hinter verschlossenen Türen beraten werden.

Norden - Wie geht es mit den Norder Grundschulen weiter? Das ist ein heikles Thema in der Stadt. So heikel, dass man darüber offenbar zunächst nicht öffentlich reden kann – und den Zeitpunkt der Debatte immer weiter nach hinten verschiebt. Das machte einmal mehr die Sitzung des städtischen Schulausschusses deutlich. Dort bekam der für die Norder Schulen zuständige Fachbereichsleiter Nico de Vries ordentlich Gegenwind vonseiten der Politik.

Schon bevor de Vries sich äußern konnte, machte der Ausschussvorsitzende Eckhard Lüers (ZoB) deutlich, auf welche Fragen er jetzt Antworten erwarte: „Wann gibt es eine neue Sitzung, in der wir über die Planung beraten können? Wann genau erhalten die Ausschussmitglieder Unterlagen zur Vorbereitung für diese Sitzung? Und in welcher Form wird das Thema in Zukunft öffentlich behandelt?

Extreme Unterschiede in der Schullandschaft

Das Problem: Die Schullandschaft in Norden ist so unterschiedlich, fast schon ungerecht verteilt, dass immer wieder Rufe nach Schulschließungen der Kleinstschulen aufkommen. Die schließt Bürgermeister Florian Eiben aber aus. Klar ist: Der Aufschrei eines Teils der Elternschaft wäre riesig. Ebenso groß sind aber auch die Forderungen von Eltern der besonders belasteten Schulen nach mehr Gerechtigkeit. Genau deswegen scheut sich die Verwaltung, über die Schulentwicklungsplanung in der Stadt öffentlich zu informieren, so wie es früher immer üblich war.

Die Ausgangssituation ist Folgende: Mehr als 70 Prozent der mehr als 900 Grundschüler der Stadt werden in nur zwei der fünf Grundschulen unterrichtet – in der Grundschule Lintel und der Grundschule Im Spiet. In den Grundschulen Norddeich und Leybuchtpolder werden hingegen zusammen nur rund zehn Prozent der Kinder unterrichtet. Die Zahlen in Süderneuland liegen im mittleren Bereich.

Bunt gemischt wie das Schul-Bild ist auch die Schülerschaft in der Grundschule Im Spiet. Das führt aber auch zu großen Problemen in der Brennpunkt-Schule. Foto: Rebecca Kresse
Bunt gemischt wie das Schul-Bild ist auch die Schülerschaft in der Grundschule Im Spiet. Das führt aber auch zu großen Problemen in der Brennpunkt-Schule. Foto: Rebecca Kresse

Brennpunkte belasten zwei Schulen

Auch die Zusammensetzung der Schülerschaft unterscheidet sich erheblich. In Lintel und Im Spiet ist die Schülerstruktur besonders heterogen – in diesen beiden Schulbezirken befinden sich die sozialen Brennpunkte der Stadt. An den Einrichtungen gibt es deutlich mehr Kinder mit Förderbedarf, mit Gewaltproblematiken, mit sozialer Vernachlässigung als an anderen Standorten. Das wirkt sich spürbar auf den Schulalltag, die Mitschüler und die Lehrer aus.

Ein weiterer zentraler Punkt in der Schulentwicklungsplanung ist der bauliche Zustand der Schulgebäude. Die Grundschule Süderneuland soll durch einen Neubau ersetzt werden. Aber auch der Zustand der Grundschule Norddeich wird von der Stadt als „nicht zukunftsfähig“ eingestuft. Auch dort sei ein Ersatzneubau notwendig. Angesichts der geringen Schülerzahlen dürfte das allerdings nur schwer vermittelbar sein. Weil es keine Möglichkeit für eine Mittagessenausgabe gibt, führt das verpflichtende Ganztagsangebot ab 2026/2027 laut de Vries ebenfalls zu Problemen – an zwei der fünf Grundschulen – Leybuchtpolder und Norddeich lasse sich das Angebot nicht umsetzen.

Politik besteht auf zügige Beratungen

Deshalb wollen die Ausschussmitglieder Maßnahmen erarbeiten, um eine ausgewogenere Verteilung der Schüler zu erreichen. Dafür sollte die Verwaltung verschiedene Lösungsvorschläge mit den entsprechenden Folgekosten ausarbeiten. Die lassen aber auf sich warten. Nico de Vries sagte am Mittwoch zum Zeitplan: Zunächst solle den Ratsmitgliedern die Ausarbeitung der Verwaltung zur Verfügung gestellt werden, um sie dann gemeinsam mit den Schulleitungen in geheimer Sitzung zu erörtern. Dafür sei einmal der 8. Oktober angedacht worden. Diesen Termin einzuhalten, ist aus Sicht von de Vries aber sehr sportlich. „Weil wir damit Weichen stellen für Jahrzehnte, geht da Genauigkeit vor Schnelligkeit“, sagte de Vries. Erst später solle der Schulentwicklungsplan in einer Ausschuss- und anschließenden Ratssitzung öffentlich beschlossen werden.

Ob sportlich oder nicht interessierte Wolfgang Hinrichs (SPD) nicht. Er bestand darauf, dass die Verwaltung den 8. Oktober als Termin einhält. „Wir müssen das dann machen, damit wir auch weiter fortfahren können. Sonst kommen wir nicht voran. Wir schieben das immer weiter vor uns her“, sagte er.

ZoB will öffentliche Beteiligung

David Gronewold (ZoB) bestand seinerseits darauf, dass es eine öffentliche Beteiligung gebe und nicht in der internen Sitzung bereits Beschlüsse gefasst würden, die dann in öffentlicher Sitzung nur noch durchgewunken werden. „Ich gehe davon aus, dass wir das der Öffentlichkeit vorstellen, dass wir das in der Öffentlichkeit diskutieren, dass wir der Öffentlichkeit die Chance geben, eine Rückmeldung zu geben in den Sitzungen.“

Florian Eiben bezeichnete den internen Termin am 8. Oktober nur als „Aufschlag“, um über das Thema zu diskutieren und abzuwägen, um danach mit genügend Informationen öffentlich zu diskutieren. „Wir müssen in Ruhe entscheiden, was das Beste für die Kinder und Eltern hier in Norden ist“, so Eiben.

Eine Möglichkeit sehen die Politiker in der Veränderung der Schuleinzugsgebiete. Ob das die Lösung sein kann, muss sich zeigen. Ein Grund, warum die kleineren Schulen derzeit nicht geschlossen werden sollen, sind die dann längeren Schulwege, wenn Kinder aus ländlichen Gebieten in die Stadt Norden fahren müssten. Wenn durch veränderte Schuleinzugsgebiete künftig innerstädtische Kinder zu den Kleinstschulen fahren müssten, nur um diese zu erhalten und die beiden großen Schulen zu entlasten, würde das Argument nicht greifen.

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