Hannover  An die Küste mit Bus und Bahn? So will Rot-Grün Ostfriesland besser anbinden

Stefan Idel
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Von Stefan Idel
| 13.09.2025 17:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wer mit der Bahn in den Sommerurlaub auf die Ostfriesischen Inseln fahren will, muss so einige Umwege in Kauf nehmen. Foto: dpa/ Sina Schuldt
Wer mit der Bahn in den Sommerurlaub auf die Ostfriesischen Inseln fahren will, muss so einige Umwege in Kauf nehmen. Foto: dpa/ Sina Schuldt
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Mehr als 5,5 Millionen Übernachtungen gibt es jährlich auf den Ostfriesischen Inseln. Doch die Erreichbarkeit mit Bus und Bahn gilt als schlecht. Das soll nun geändert werden.

Es könnte so einfach sein: In Hannover in den Regionalzug oder Intercity steigen, mit der Bahn bis zum Fähranleger fahren, aufs Schiff und bequem auf der Insel ankommen. Doch die Realität im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) an der Küste sieht anders aus: Wer umweltfreundlich etwa nach Spiekeroog möchte, muss in Esens (Kreis Wittmund) von der Bahn in den Bus nach Neuharlingersiel umsteigen, um die Fähre zu erreichen.

Das Schiff verkehrt nur bei Hochwasser. Der Zugverkehr ist stündlich getaktet und selten passend zu den Fährverbindungen. Ganz abgesehen davon, dass die Bahncard nicht auf der Fähre eingesetzt werden kann.

Niedersachsen will mit einem „Masterplan Mobilität“ die umweltfreundliche Erreichbarkeit der Küstenorte und der Ostfriesischen Inseln verbessern. Unter Federführung der heimischen Abgeordneten Karin Emken (SPD, Esens), Björn Meyer (SPD, Augustfehn) und Sina Beckmann (Grüne, Jever) brachte die rot-grüne Koalition am Donnerstagabend im Landtag einen Entschließungsantrag „Mobilitätsinfrastruktur im Tourismus stärken“ ein.

Ziel sei, ein Mobilitätskonzept für die Inseln und die Küstenregion zu entwickeln, das die Bedürfnisse der Gäste und der einheimischen Bevölkerung einbezieht, sagte Emken. Die Initiative dazu kam aus der Region selbst. „Das Thema ist uns sehr wichtig“, erklärte Dr. Daniela Bravin vom Wirtschaftsförderkreis Harlingerland auf Anfrage. Initialzündung sei ein Mobilitätstag in Aurich gewesen. Nun folgt das positive Signal von der Landesebene.

Auf den Ostfriesischen Inseln und in den Küstenbädern sei der Tourismus der wichtigste und oftmals einzige Wirtschaftsfaktor. Die Nordseeküste im Bereich der Tourismus-Agentur Nordsee (TANO) zähle jährlich 16 Millionen Übernachtungen, davon allein knapp 5,5 Millionen Übernachtungen auf den Ostfriesischen Inseln. Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels steige das Interesse an der Region, weiß Sina Beckmann. Eine komfortable, bequeme, leicht verständliche, gut planbare und nachhaltige Reiseverbindung spielten für die Wettbewerbsfähigkeit im Tourismus eine entscheidende Rolle. Es erhöhe auch die Gesamtattraktivität Niedersachsens als Reiseziel.

SPD und Grüne fordern die Landesregierung auf, die schon bestehenden regionalen Bemühungen zur Entwicklung eines „Masterplans Mobilität Ostfriesische Inseln“ zu unterstützen. Ein erster Schritt solle zunächst eine Machbarkeitsstudie sein. Saskia Buschmann (CDU) aus Aurich warnte in der Debatte dagegen vor einer „Soße der Einheit“. Für die sieben ostfriesischen Inseln würden individuelle Konzepte benötigt.

Durch die Verknüpfung zahlreicher Verkehrsträger solle das spätere Mobilitätskonzept einen wichtigen Beitrag zu Klimaneutralität und Ressourcenschonung leisten. Die Kommunen sollen bei der Einrichtung von barrierefreien Mobilitätsangeboten zur Küste und zu den Fähren unterstützt werden.

Die Reaktivierung alter Bahnstrecken und eine bessere Taktung gehören nach Ansicht Meyers ebenfalls in die Überlegungen. „Die Zeit des Kirchturmdenkens an der Küste ist vorbei.“ Ziel sei es auch, die Entwicklung einer digitalen Gästekarte für die Nordwest-Region zu unterstützen. Damit sollten sowohl mobile Angebote ebenso gebucht werden können wie Unterkünfte oder Veranstaltungen.

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