Brücken-Bauprojekt  Schwebende Schwergewichte in Marienhafe

| | 11.09.2025 19:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Mittelteile der Brücke sind am schwersten. Sie wiegen jeweils 30 Tonnen.
Die Mittelteile der Brücke sind am schwersten. Sie wiegen jeweils 30 Tonnen.
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Auf der Brücken-Baustelle Hingstlandsweg in Marienhafe wurden Fertigbetonteile bewegt. Warum es dabei um Millimeter ging.

Marienhafe - Die neue Brücke über die Abelitz am Hingstlandsweg in Marienhafe nimmt allmählich Form an: Am Donnerstag wurden Schwergewichte gewuchtet: Am Ausleger eines 250-Tonnen-Autokrans schwebten sogenannte Stahlbetonrahmenprofile durch die Luft. Zwischen 24 und 30 Tonnen wiegen die Fertigbauteile. Sechs Stück wurden auf Lastwagen aus Emsbüren herangekarrt, wo sie von der Firma Kleihues hergestellt wurden. Die mächtigen Rahmenteile werden in einer etwa drei Meter tiefen Baugrube versenkt.

Betonfundament

Durch sie wird auf einer Länge von mehreren Metern das Wasser der Abelitz künftig geführt. Von den mächtigen Teilen, die auf einem rund zwölf mal sechs Meter großen und 30 Zentimeter dicken Betonfundament ruhen, wird später nicht mehr alles zu sehen sein. Solange sie noch nicht wieder angefüllt und die Straße darüber asphaltiert ist, wirken sie beeindruckend. Wie Daniel Marschall, für den Bau der Brücke zuständiger Bauleiter des Norder Unternehmens Tell Bau, erklärte, werden die Rahmenprofile ineinandergeschoben, verklebt und verschraubt. Gleitringdichtungen verbinden sie. An den Enden des Betonkanals sorgen sogenannte Böschungsköpfe für eine bessere Optik.

Die Rahmenprofile der neuen Brücke werden ineinandergeschoben, verklebt und von den Bauarbeitern verschraubt.
Die Rahmenprofile der neuen Brücke werden ineinandergeschoben, verklebt und von den Bauarbeitern verschraubt.

Die Brückenteile zusammenzupuzzeln gleicht Millimeterarbeit. Hoch konzentriert gehen die Tell-Mitarbeiter zu Werke. „Das muss alles genau passen“, sagte Marschall. Grund: Der Hingstlandsweg soll auch künftig schnurgerade über die Brücke verlaufen und keinen Knick machen müssen. Mit GPS-Unterstützung wurden alle Höhen, Breiten und Längen genau eingemessen. Die Betonteile sind maßgefertigt, dulden keine großen Abweichungen.

Der Aufwand, mit dem die Samtgemeinde Brookmerland die Brücke über die Abelitz am Hingstlandsweg erneuern lässt, ist groß. Rund eine Viertelmillion Euro soll das nach früheren Verwaltungsangaben kosten. Der Hingstlandsweg gilt als ein bedeutender Verkehrsweg. Er ist Zufahrt zu einigen Wohnhäusern, viel wichtiger aber: Über ihn gelangt man zum zentralen Klärwerk der Samtgemeinde und zu Ländereien im Marienhafer Westen.

Für Pferdefuhrwerke gebaut

Das genaue Alter der Hingstlandsweg-Brücke sei unbekannt, teilte die Verwaltung im November vergangenen Jahres auf Anfrage mit. Brücken gleichen Typs wurden ab Mitte der 1950er Jahre vom I. Entwässerungsverband Emden im Rahmen der Flurbereinigung errichtet. Daher werde von einem Alter von etwa 70 Jahren ausgegangen.

Die Brücke am Hingstlandsweg in Marienhafe sei nicht marode, hieß es. Vielmehr entspreche sie nicht mehr den heutigen Vorschriften und Anforderungen. Dies beginne bei der Höhe und Beschaffenheit des Geländers (kein Füllstabgeländer) und ende bei der heute nicht mehr zeitgemäßen Gewichtslast. Die Brücke sei seinerzeit für Pferdefuhrwerke und Treckergespanne gebaut worden. Heute muss sie landwirtschaftlichen Schwerverkehr tragen können.

Ein Autokran hievte die tonnenschweren Betonrahmen, durch die künftig das Wasser fließt, in die Baugrube. Fotos: Thomas Dirks
Ein Autokran hievte die tonnenschweren Betonrahmen, durch die künftig das Wasser fließt, in die Baugrube. Fotos: Thomas Dirks

Wie gut die Substanz der alten Brücke noch war, bekamen die Tell-Mitarbeiter beim Abriss zu spüren. „Wir hatten ordentlich zu knabbern“, berichtet Marschall. Beim Bau sei seinerzeit nicht an Beton und Stahlbewehrung gespart worden, sagt der Bauleiter.

Auch bei der neuen Brücke, die für Schwerlastverkehr von bis 40 Tonnen ausgelegt ist, handele es sich um ein Qualitätsprodukt. Rund 100 Jahre soll sie unter normalen Bedingungen halten.

In drei Wochen, so schätzt der Bauleiter, soll alles fertig und der gesperrte Hingstlandsweg samt Brücke wieder befahrbar sein. Ab dann wird auch die für den Brückenbau über einen Bypass umgeleitete Abelitz wieder in ihr altes Bett zurückkehren können.

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