Osnabrück  Kevin Schumacher: Ein Mentalitätsspieler, der als Erster mit dem Konkurrenten feiert

Malte Artmeier
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Von Malte Artmeier
| 11.09.2025 16:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Den Ball und seine Mannschaft im Kopf: VfL-Profi Kevin Schumacher. Foto: Helmut Kemme
Den Ball und seine Mannschaft im Kopf: VfL-Profi Kevin Schumacher. Foto: Helmut Kemme
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Kevin Schumacher ist kein ganz gewöhnlicher Fußballprofi. Der linke Flügelspieler des VfL Osnabrück lebt den Teamgedanken ausgeprägter als andere und startete seine Karriere in der Bezirksliga. In dieser Woche freut er sich besonders auf das Wiedersehen mit seinem Ex-Club Hansa Rostock am Sonntag (13.30 Uhr).

Es wäre sicherlich nicht ganz korrekt, Kevin Schumachers bisherige Zeit beim VfL Osnabrück nur auf eine einzige Szene zu beschränken. Vor allem auf eine, bei der er gar nicht selbst auf dem Platz stand. Und dennoch gibt es ein Bild, das im Gedächtnis geblieben ist, wenn man an Schumacher und die ersten Wochen der Saison denkt: Nämlich jenes, wie der linke Flügelspieler nach dem Tor zum 2:0 in Havelse als allererstes auf den Platz stürmt und mit Frederik Christensen jubelt, der gerade die Ecke perfekt auf den Kopf von Torschütze Bjarke Jacobsen geschlagen hatte.

Schumacher freute sich ehrlich und ausgiebig. Nicht nur über das Tor für seine Mannschaft, sondern vor allem mit Christensen - seinem Konkurrenten auf der linken „Schiene“, der erst zwei Minuten zuvor für ihn eingewechselt worden war. „Fußball ist ein Teamsport, alleine können wir nicht erfolgreich sein. Ein guter Konkurrenzkampf bringt beide nach vorne, das pusht uns“, erklärt Schumacher. Der ehrliche Teamgedanke ist im Fußball und vor allem im Profisport bei Weitem keine Selbstverständlichkeit. Für den 27-Jährigen aber schon. „Wenn einer von uns beiden auf dem Platz steht, ist man füreinander da, weil wir alle gemeinsam erfolgreich sein wollen. Erst dann macht es so richtig Spaß. Wir wollen was erreichen und das geht nur mit einer guten Harmonie.“

Dass Cheftrainer Timo Schultz den Konkurrenzkampf in seinem Kader oft lobt, liegt auch an der linken Seite: Schumacher und Christensen bewegen sich fast auf einem Level, auch wenn sie unterschiedliche Profile mitbringen. Der Däne eher als der feine Techniker mit herrlichen Flanken und viel Laufstärke, Schumacher als kämpferischer, physischerer Spieler mit Dynamik. „Ich komme wahrscheinlich schon mehr über Mentalität, Physis und Tiefenläufe“, bestätigt Schumacher. „Aber wir ergänzen uns gut und je nach dem, was der Trainer gerade braucht, kann er uns beide einbauen und für das Team nutzen.“

Die Qualitäten, die Schumacher ihm zufolge auszeichnen, kommen nicht von ungefähr. Denn der Mann aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont hat keine klassische Profiausbildung genossen. Ein Nachwuchsleistungszentrum, etwa das der nahen Clubs wie Hannover 96, Eintracht Braunschweig oder des VfL Wolfsburg hat er nie von innen gesehen. Stattdessen spielte „Schumi“, wie er naheliegenderweise genannt wird, sein erstes Jahr im Erwachsenenfußball noch bei der Spielvereinigung Bad Pyrmont - in der Bezirksliga.

„Ich bin sehr froh über meinen Werdegang, weil ich einfach eine schöne Jugend ohne Druck hatte. Ich habe mit so vielen Spielern in irgendwelchen Auswählen gespielt, die damals schon in hohen Ligen unterwegs waren, als ich noch in der Kreisliga war. Heute spielen die meisten davon in der Bezirksliga und ich bin Profi mit über 80 Zweitligaspielen geworden“, sagt Schumacher, der über Egestorf/Langreder, Werder Bremen II und den TSV Havelse, den er 2021 in der Relegation zum Drittliga-Aufstieg schoss, letztlich bei Hansa Rostock landete, bevor er im Sommer zum VfL kam. „Im NLZ geht es oft darum, schön zu spielen, es wird Wert auf Technik, Taktik und grundsätzlich Qualität gelegt. Diese Mentalität und der unbedingte Siegeswille geht dabei manchen aber ab. Ich bin ein Typ, der hinterherrennt und kämpft, wenn er den Ball verliert.“

Diese Eigenschaften, glaubt er, passen auch gut zum VfL und an die Bremer Brücke - ein Stadion, das er schon lange kennt: „Ich habe Osnabrück schon als Kind verfolgt, die DFB-Pokalspiele sind mir in Erinnerung geblieben.“ Der Linksfuß hätte übrigens schon einmal hier landen können. Nach dem Tor zum Havelser Aufstieg 2021 öffneten sich plötzlich mehrere Türen, unter anderem die zum gerade abgestiegenen VfL. Doch Schumacher entschied sich für Hansa und die 2. Bundesliga.

In der Nachbetrachtung keine schlechte Entscheidung. „Ich hatte vier Jahre da und der Verein hat mir vieles ermöglicht, wovon ich vor fünf, sechs Jahren nicht mal geträumt hätte“, sagt er nun, wenige Tage vor dem ersten Wiedersehen mit dem Ex-Club am Sonntag (13.30 Uhr), das er logischerweise als ein „sehr besonderes Spiel“ bezeichnet. „Es war eine tolle Zeit und der Verein wird immer in meinem Herzen bleiben. Aber jetzt bin ich hier und will am Sonntag unbedingt gewinnen“, sagt Schumacher, der sich berechtigte Hoffnungen auf den dritten Startelfeinsatz in Serie machen darf.

Nach einer schwierigen Vorbereitung, in der er körperlich aufgrund einer Krankheit und Oberschenkelproblemen nicht auf der Höhe war, hat er sich hineingearbeitet in die Saison. In den ersten Wochen kam Schumacher noch von der Bank. Bei den Siegen gegen Saarbrücken (2:0) und Havelse war er aber Teil der stabilen Defensive und setzte dazu mit Dynamik und Durchschlagskraft auch offensiv Akzente.

So erfolgreich wie zuletzt in der Liga soll es persönlich, aber auch mannschaftlich, weitergehen. Schließlich hat Schumacher mit dem VfL Ziele und Träume - und dazu gehört selbstverständlich auch die Rückkehr in die 2. Bundesliga: „Wenn wir so spielen wie die letzten Spiele und im Offensivbereich noch effizienter sind, ist vieles möglich. Ich möchte noch einmal in der 2. Liga spielen. Dieses Ziel beim VfL zu erreichen wäre überragend.“ Die Fähigkeit, ans Team zu denken, kann dabei sicher nicht schaden.

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