Hannover/Oldenburg EWE-Chef mahnt: Wasserstoffgewinnung wegen EU-Vorgaben unnötig teuer
EWE-Vorstandschef Dohler sieht Nordwest-Region als potenzielles „Powerhouse“ für erneuerbare Energien. Dafür fordert er Änderungen bei EU-Stromregeln, um grünen Wasserstoff wettbewerbsfähiger zu machen. Auch Olaf Lies stimmt dem zu.
Einen verlässlichen Rahmen für eine wettbewerbsfähige Erzeugung von Wasserstoff hat der EWE-Vorstandsvorsitzende Stefan Dohler von der Politik angemahnt. Die Produktionskosten würden deutlich sinken, wenn die EU die Strombezugskriterien ändern würde, so Dohler. Derzeit dürfe für die Produktion von grünem Wasserstoff nur Ökostrom aus bestimmten Windparks genutzt werden. „Der Ball liegt auf dem Elfmeterpunkt“, umriss Dohler die guten Voraussetzungen der Nordwest-Region, um zum „Powerhouse“ für die Erneuerbare Energien in Deutschland zu werden.
Der Chef des Oldenburger Energieunternehmens äußerte sich im Rahmen eines Parlamentarischen Abends in Hannover. Der Wasserstoff sei nicht, wie oft behauptet, der „Champagner der Energiewende“, sondern vielmehr der Schlussstein eines ganzen Bogens von Maßnahmen zur klimaneutralen Energieerzeugung. Niedersachsen verfüge wie kein anderes Bundesland über Standortvorteile: von der Hafeninfrastruktur bis hin zur Kavernenspeicherung.
Die EWE investiere bis 2035 fast eine Milliarde Euro in Wasserstoffprojekte und insgesamt mehr als 16 Milliarden Euro in die Transformation des Energiesystems. Dazu gehören nicht nur Netze und Speicher, sondern auch Ladeinfrastruktur, klimafreundliche Wärme und Glasfaserausbau. Ein zentrales Projekt von EWE sei der Aufbau einer 320-Megawatt-Wasserstofferzeugungsanlage in Emden. Dafür wurden am 2. September zwei Großtransformatoren angeliefert.
Mit einer Leistung von jeweils 250 Megavoltampere (MVA) und einem Gewicht von rund 300 Tonnen bilden sie laut Dohler das Herzstück der künftigen Elektrolyseanlage. Ihre Aufgabe besteht darin, Strom aus dem 380-Kilovolt-Höchstspannungsnetz von Tennet auf das für die Elektrolyse erforderliche Spannungsniveau zu transformieren. Damit würden sie die Voraussetzung für eine effiziente und verlustarme Produktion von grünem Wasserstoff schaffen. Ab 2027 sollen in Emden bis zu 30.000 Tonnen grüner Wasserstoff pro Jahr hergestellt werden.
Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) machte vor den rund 170 Gästen deutlich, dass Niedersachsen an seinen Klimazielen festhalten werde. Er kritisierte die „Überregulierung“ durch die EU. Bevor Windkraftanlagen abgeschaltet würden, sei es sinnvoller, überschüssigen Strom für die Wasserstoff-Erzeugung zu nutzen. „Das, was wir machen, ist auch wirtschaftlich“, betonte Lies. Bei Gaskraftwerken Kohlendioxid abzuscheiden und zu speichern, sei deutlich teurer.