Utah  Tod von Trump-Unterstützer Charlie Kirk: So unterschiedlich reagiert die US-Politik

Svana Kühn, afp
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Von Svana Kühn, afp
| 11.09.2025 08:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Rechtsaußen-Aktivist und Podcaster Charlie Kirk ist bei einer Veranstaltung tödlich verletzt worden. Foto: dpa/The Deseret News/Tess Crowley
Rechtsaußen-Aktivist und Podcaster Charlie Kirk ist bei einer Veranstaltung tödlich verletzt worden. Foto: dpa/The Deseret News/Tess Crowley
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Bei einem Auftritt an einer Universität in Utah wurde der rechte US-Aktivist Charlie Kirk niedergeschossen. US-Präsident Trump teilt nun gegen die Opposition aus. Sein Ex-Berater Steve Bannon sieht das Land gar im Krieg. Die Reaktionen im Überblick.

In den USA ist der einflussreiche rechte Aktivist und Unterstützer von Präsident Donald Trump, Charlie Kirk, erschossen worden. Der Aktivist war am Mittwochmittag an der Utah Valley Universität in Orem vor Fans aufgetreten. Der Schuss fiel gegen 12.10 Uhr (Ortszeit) während einer Rede Kirks. US-Präsident Donald Trump teilte später über die soziale Plattform Truth Social mit, dass Kirk verstorben sei – und teilte direkt gegen die Opposition aus:

Wenige Stunden nach der Tat veröffentliche Trump eine Videobotschaft zum Tod des 31-Jährigen Kirk. Einen Tatverdächtigen hatten die Beamten bisher nicht festgenommen. Dies sei „ein dunkler Moment für Amerika“. Trump sprach etwa anderthalb Minuten lang über Kirk und das „abscheuliche Attentat“ – dann ging er auf Angriff über und machte die „radikale Linke“ für Kirks Tod verantwortlich.

„Seit Jahren vergleichen radikale Linke wunderbare Amerikaner wie Charlie mit Nazis und den weltweit größten Massenmördern und Kriminellen“, sagte Trump. „Diese Rhetorik ist unmittelbar für den Terrorismus, den wir heute in unserem Land sehen, verantwortlich und das muss sofort aufhören“, fügte er hinzu. „Meine Regierung wird alle finden, die zu dieser Gräueltat und jeder anderen Form von politischer Gewalt beigetragen haben, auch die Organisationen, die diese finanzieren und unterstützen“, kündigte der Präsident an.

Trump erwähnte bei seiner Aufzählung von politischer Gewalt in den USA auch das Attentat im Bundesstaat Pennsylvania im vergangenen Sommer, das er überlebt hatte. Politische Gewalt gegen demokratische Politiker, wie etwa die tödlichen Schüsse auf eine demokratische Abgeordnete und ihren Ehemann im Bundesstaat Minnesota in diesem Sommer, erwähnte er nicht.

Wie sehr das konservative Lager hinter Kirk steht, zeigen viele Trauer- und Beileidsbekundungen von Ministern der Trump-Regierung.

Der republikanische Gouverneur des US-Bundesstaates Utah, Spencer Cox, bezeichnet den tödlichen Schuss auf den rechtskonservativen US-Podcaster Charlie Kirk als „politisches Attentat“. Es sei ein „tragischer Tag für unser Land“, sagte er am Mittwochabend. Außenminister Marco Rubio spricht von einer Ermordung.

Mike Johnson, der Sprecher des Repräsentantenhauses, nannte Kirk einen „engen Freund und Vertrauten“. Jeder politische Führer müsse diese Gewalt laut und deutlich verurteilen.

Justizministerin Pam Bondi schrieb bei X, Kirk sei ein „amerikanischer Held“ gewesen, „dessen Liebe zu Gott, seinem Land und seiner Familie jeden Schritt seines Lebens bestimmte“. Man werde nicht ruhen, bis es Gerechtigkeit gibt.

„Wieder einmal hat eine Kugel den eloquentesten Wahrheitsverkünder einer Ära zum Schweigen gebracht“, erklärte Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. Kirk sei bereits im Paradies bei den Engeln. „Wir bitten ihn, für unser Land zu beten.“

Ex-Trump-Berater Elon Musk die Linke als „Partei des Mordes“.

Präsidentensohn Donald Trump Jr. erklärte, Kirk sei für ihn wie ein kleiner Bruder und „eine wahre Inspiration“ gewesen. „Charlie widmete sein Leben etwas Größerem als sich selbst. Er kämpfte unermüdlich für dieses Land, für die Werte, die Amerika groß machen, und für die nächste Generation.“ Es stehe außer Frage, dass Charlies Arbeit und seine Stimme meinem Vater geholfen haben, die Präsidentschaft zu gewinnen.

Auch Aktivisten aus Trumps Maga-Bewegung (Make America Great Again, Macht Amerika wieder großartig) bezeichneten Kirk als Märtyrer, der für konservative Werte gestorben sei. „Wir brauchen jetzt einen stählernen Willen. Charlie Kirk ist an der Front gestorben“, sagte der ultrarechte Ideologe und frühere Trump-Berater Steve Bannon im Sender „Real America‘s Voice“, in dem auch Kirk eine Sendung hatte. Auf X schrieb er, die USA befänden sich im Krieg. Und Kirk sei „ein Kriegsopfer“.

Doch nicht nur Republikaner melden sich zu Wort. Auf dem X-Account von Trumps Vorgänger, Demokrat Joe Biden, ist kurz nach der Todesnachricht zu lesen: „Es gibt keinen Platz in unserem Land für diese Form von Gewalt. Es muss jetzt enden.“ Er und seine Frau Jill beten für die Familie Kirks. Der Podcaster war Vater von zwei Kindern und verheiratet.

Die frühere Vizepräsidentin und Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris erklärte, politische Gewalt habe „keinen Platz“ in den USA.

Ex-Präsident Barack Obama schrieb, man wisse noch nichts über das Motiv des Schützen. „Aber diese Art von verabscheuungswürdiger Gewalt hat in unserer Demokratie keinen Platz.“

Der Gouverneur des US-Bundesstaats Kalifornien, Gavin Newsom, verurteilte die Tat auf das Schärfste. „Der Angriff auf Charlie Kirk ist widerlich, abscheulich und verwerflich“, schrieb Newsom als Vertreter der Demokratischen Partei im Onlinedienst X kurz nach dem Vorfall. „In den Vereinigten Staaten von Amerika müssen wir politische Gewalt in jeder Form ablehnen.“

Auch im Ausland wird Kirk nach seinem Tod gewürdigt: Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bezeichnete ihn auf X als „Freund Israels“ und „unglaublichen Menschen“, den man verloren habe. 

Das politische Klima in den USA gilt als aufgeheizt. Vor gut einem Jahr war Trump selbst bei einem Wahlkampfauftritt in Butler im US-Bundesstaat Pennsylvania am Ohr verletzt worden, der Schütze wurde von Sicherheitskräften getötet. Ein weiterer Mann steht derzeit in Florida vor Gericht, weil er mutmaßlich im September 2024 Schüsse auf Trump abfeuern wollte, als dieser in West Palm Beach Golf spielte.

Trump hat die Stimmung seit seinem Amtsantritt im Januar weiter angeheizt. Er geht auf beispiellose Weise gegen Einwanderer, politische Gegner, Hochschulen und Medien vor und setzte Soldaten in Demokraten-Hochburgen wie Los Angeles und Washington ein - angeblich um Gewaltexzesse zu bekämpfen. Städten wie Chicago, Baltimore und New Orleans drohte er mit ähnlichen Einsätzen.

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