Osnabrück Israeli belastet Christina Block in TV-Interview: „Champagner nach Heldentat“
Ein mutmaßlicher Mittäter bei der Entführung der Block-Kinder an Neujahr 2024 hat im israelischen Fernsehen Christina Block schwer belastet. Die Mutter und Block-House-Erbin muss sich derzeit in Hamburg vor Gericht verantworten. Sie beteuert ihre Unschuld.
Im israelischen Fernsehen hat ein mutmaßlicher Mittäter für Christina Block belastende Aussagen getätigt. Sollten seine Behauptungen stimmen, wäre die bisherige Verteidigungslinie der vierfachen Mutter womöglich schwer beschädigt, die bisher immer wieder ihre Unschuld beteuert hat und betonte, von der Entführung nichts gewusst zu haben.
Die Tochter von der Hamburger Unternehmer-Legende Eugen Block, der die Restaurant-Kette Block-House und das Fünf-Sterne-Hotel Grand Elysée aufgebaut hat, muss sich seit mehreren Wochen vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Die Anklage wirft ihr vor, die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder aus Dänemark in der Silvesternacht 2023/2024 beauftragt zu haben, um sie nach Deutschland zurückzuholen. Auch ihr Lebensgefährte, der ehemalige ARD-Sportschau-Moderator Gerhard Delling, ist wegen Beihilfe angeklagt. Er hat wie Christina Block alle Anschuldigungen als unwahr zurückgewiesen.
Auf der Anklagebank sitzen fünf weitere Beschuldigte, darunter ein israelischer Ex-Soldat, der mittlerweile vor der Richterin gestanden hatte, an der Entführung beteiligt gewesen zu sein. Er war 2024 in Zypern verhaftet und im November nach Deutschland ausgeliefert worden. Bei dem Überfall war Christina Blocks Ex-Mann Stephan Hensel brutal niedergeschlagen worden, als er versucht hatte, in der Silvesternacht seine Kinder vor dem Zugriff der maskierten Männer zu schützen.
Nach Informationen unserer Redaktion wird mit internationalen Haftbefehlen nach mindestens fünf weiteren Tätern gesucht, die in Israel vermutet werden. Wie aus diplomatischen Kreisen verlautete, will Israel die mutmaßlichen Täter jedoch nicht ausliefern. Das wäre rechtlich nur in Ausnahmefälle möglich.
Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht dabei der Ex-Mossad-Agent David Barkay, der mit seiner Firma Cyper Cupula die Tat umgesetzt haben soll. Im israelischen Fernsehen hat nun ein mutmaßlicher Mittäter vor laufender Kamera Aussagen getätigt, die Christina Block schwer belasten. Der Familienvater bezichtigt sich dabei selbst, in der Tatnacht eines der beiden Fluchtautos gefahren zu haben. Er erklärte, dass er getäuscht worden sei. Ihm sei die Mission als eine „Heldentat“ verkauft worden. Ihm wurde gesagt, dass die Kinder unter „Misshandlung, elterlicher Entfremdung und Pädophilie“ litten. Er habe dem hochrangigen Ex-Mossad-Agenten „blind“ vertraut.
Er habe seither Schwierigkeiten, sein Leben zu meistern, da er sich „hintergangen“ und „ausgenutzt“ fühlt. Seine Furcht, dass die Polizei jeden Tag bei ihm klingeln könnte, ist nicht unbegründet, da ein internationaler Haftbefehl gegen ihn und andere Mitglieder des Entführungsteams ausgestellt worden sei. Er behauptet, dass er unschuldig sei, weil er lediglich ein Opfer der „Manipulation“ ehemaliger Mossad-Leute war, die ihm eine falsche Darstellung der Situation gaben.
Er dachte, dass die ganze Aktion „in Absprache mit den deutschen Behörden stattfand“. Dann schildert der Israeli, dass sie ins Hotel kamen (er meint wahrscheinlich das Elysée Hotel in Hamburg, wie die Ermittlungsakten nahelegen). Der israelische Journalist, der das Interview geführt hat, wirft da den Satz ein, dort hätten die Teilnehmer der Kommandoaktion die Mutter der Kinder getroffen, die gesagt haben soll: „‚Nur ihr Israelis könnt mir die Kinder zurück nach Hause bringen.“ Darauf sagt der Israeli in dem Interview: „Ich kann das Gefühl nicht beschreiben, es ist, als würden wir auf eine Rettungsmission gehen.“ Nach der Entführung in Dänemark sei er mit dem Wagen zurück zum Hotel gefahren. Er sei der Glücklichste gewesen, weil er geglaubt habe, Kinder gerettet zu haben, berichtet er. „Wir haben Champagner geöffnet, wir haben angestoßen.“
Und dann sagt er: „Die Mutter saß am Ende uns gegenüber. Ihr Gesicht geht mir nicht aus dem Kopf, weil sie aussieht wie Prinzessin Diana. Ich sagte ihr auch: ‚Du bist auch schön, wie eine Prinzessin.‘“ Nach den Enthüllungen der wahren Umstände sei sein „Leben ruiniert“.
Der Anwalt von Christina Block, der renommierte Strafverteidiger Ingo Bott, wies die Beschuldigungen als unwahr zurück. „Die Behauptung, meine Mandantin habe am Silvesterabend mit den Entführern zusammengesessen und angestoßen, ist falsch. Frau Block war am Neujahrsmorgen auf dem Weg nach Süddeutschland, wohin zu ihrer Überraschung ihre Kinder verbracht worden waren. Darüber hat sie auch bereits umfangreich im Gericht berichtet. Es fällt auf, dass jetzt, während der laufenden Verhandlung, solche vermeintlichen Enthüllungen und Gerüchte aufkommen. Mit den tatsächlichen Umständen haben sie jedenfalls nichts zu tun“, erklärte Bott auf Anfrage.
In dem Prozess in Hamburg hatte der angeklagte Israeli gestanden, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Er bat Stephan Hensel um Entschuldigung, der diese auch angenommen hat. Auch ihm hätte man gesagt, die Kinder seien in Gefahr und die Aktion rechtens, schilderte der Israeli in Hamburg vor Gericht.
Die Entführung der beiden Kinder war der Höhepunkt eines seit Jahren eskalierenden Sorgerechtsstreits. Christina Block hatte mehrere Einlassungen dazu gemacht. Unter anderem hatte sie ihre Mutter als mögliche Auftraggeberin ins Spiel gebracht, die allerdings ein halbes Jahr vor der Tat verstorben war. Vor Gericht beteuerte sie ihre Unschuld und behauptete, die Tat sei ohne ihr Wissen und ohne ihren Auftrag passiert. Sie hätte am Neujahrsmorgen in ihrem Hotelzimmer nur ein Paket vorgefunden, in dem ein Handy und die Anweisung gelegen habe, wonach sie schnellstmöglich nach Süddeutschland fahren müsse.
In der Nähe von Pforzheim auf einem Bauernhof hatte Christina Block die beiden Kinder in Empfang genommen, um anschließend zurück nach Hamburg zu fahren, wie aus den Ermittlungsakten hervorgeht. Hamburger Gerichte entschieden damals in einem Eilverfahren, dass der Junge und das Mädchen wieder zurück zum Vater nach Dänemark gebracht werden mussten.
Nach Informationen unserer Redaktion sind die Kinder durch die Entführung schwer traumatisiert worden. Die Tochter möchte gegen ihre Mutter vor Gericht aussagen.