Berlin  Downton Abbey: Fünf Dinge, die ich vermissen werde

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 13.09.2025 13:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das große Finale von „Downton Abbey“: Cora (Elizabeth McGovern) und ihr Bruder (Paul Giamatti). Foto: UIP Media
Das große Finale von „Downton Abbey“: Cora (Elizabeth McGovern) und ihr Bruder (Paul Giamatti). Foto: UIP Media
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Nach sechs Staffeln und drei Kinofilmen ist Schluss: Zum Start von „Downton Abbey – das große Finale“ würdigen wir den Serienhit.

Mit dem Kinofilm „Downton Abbey – das große Finale“ findet die britische Serie nach 15 Jahren einen würdigen Abschluss. Diese fünf Dinge werden fehlen, wenn dies wirklich die allerletzte Fortsetzung war. Wir vermissen schon jetzt …

Oben und Unten, Arm und Reich: In einem einzigen Haus – wenn auch in einem sehr großen – versammelte „Downton Abbey“ eine streng geteilte Gesellschaft. Unter dem gemeinsamen Dach gingen die Aristokraten mit ihren Bedienten durch die Krisen ihrer Zeit, durch technologische und soziale Umbrüche und auch durch den Krieg. Und trotzdem halten alle zusammen. Als Abbild der Klassenverhältnisse zu Anfang des letzten Jahrhunderts war das womöglich ein bisschen naiv – als Utopie für die aktuelle Krisenzeit ist der Grundton der Versöhnung allerdings ungeheuer verführerisch.

Festliche Kleider, das gute Geschirr und Traditionen, die mit dem wirklichen Leben aber auch gar nichts zu tun haben: „Downton Abbey“ fühlte sich an wie ein ewiges Weihnachtsfest. Vielleicht sogar besser; denn während man sich unter Christbaum selbst mit den Verwandten streiten muss, übernehmen das in der Serie die Crawleys für uns. Feste wurden zum Fixpunkt der Geschichte – mit Christmas-Specials als Höhepunkt. Auch der Kinofilm ist um Festlichkeiten herum aufgebaut – vom Londoner Theaterabend über Lady Petersfields Ball und das Pferderennen in Ascot bis hin zum Jahrmarkt ganz zum Schluss. Das Leben des britischen Landadels vor hundert Jahren – es war und bleibt: ein schöner Rausch!

Hier sehen Sie den Trailer zu „Downton Abbey – Das Große Finale“

„Die Vergangenheit ist ein behaglicherer Ort als die Zukunft“, seufzt Onkel Harold am Ende des Films. Deshalb guckt man ja auch „Downton Abbey“. Seine Schwärmerei für alles Gestrige gesteht der Film offen ein: Erst betrinken seine Helden sich mit ein paar „Old Fashioned“-Cocktails. Später tanzen sie dann auch noch zum Jazz-Standard „I’m Old Fashioned“. Die Ironie ist mehr als eine Geste. „Downton Abbey“ schwelgt zwar in der Vergangenheit. Blind für ihre Konflikte ist der Autor aber nicht. Lady Mary beispielsweise wird diesmal (nur bis zur großen Versöhnung, natürlich) aus der Gesellschaft verstoßen – weil sie geschieden ist. Ganz so behaglich lebte es sich vor 100 Jahren also doch nicht.

Der Kinofilm zelebriert die Amtsübergaben im Dutzend: Lady Mary löst ihren Vater als Familienoberhaupt ab. Andy ist als oberster Butler inthronisiert. Und Daisy, pardon, Mrs. Parker übernimmt die Küche von der in den Ruhestand verabschiedeten Mrs. Patmore. Dramaturgisch ist das „Große Finale“ damit eher wie der Pilotfilm zu einer Next-Generation-Staffel angelegt. Zwar kommt kaum ein Interview zum Film ohne den Hinweis aus: Das war’s jetzt aber wirklich mit „Downton Abbey“. Im Presseheft findet sich allerdings auch die Formulierung vom nur „wahrscheinlich letzten Kapitel“. Warten wir’s ab. Der Butler Carson ist schließlich auch schon im Ruhestand. Trotzdem kann er seine Finger nicht vom Poliertuch lassen.

Unwiderruflich gegangen ist Violet Crawley. Hier ist schließlich nicht nur die Figur gestorben, sondern – vor fast genau einem Jahr – auch ihre Darstellerin Maggie Smith. Der Film verbeugt nicht erst in der Widmung am Ende vor ihr. Vom repräsentativen Ölgemälde aus überwacht die Gräfinwitwe schon vorher zentrale Episoden der Geschichte. Mit ihrem lustvollen Snobismus war Violet Crawley sechs Staffeln lang eine wunderbar unbequeme Figur – eine Frau, die man liebte, gerade weil sie sich oft so wenig liebenswert benahm. Mit dem Störenfried im Gespräch bleiben – auch das ist eine Tugend, die man sich bei „Downton Abbey“ abgucken konnte.

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