Elektroautos Zwischen Reichweitenangst und Fahrspaß in Aurich
Im Landkreis Aurich steigen Menschen immer häufiger auf Elektrofahrzeuge um. Die Gründe dafür, ein Erfahrungsbericht und wie es bei Kunden im Autohaus aussieht.
Aurich - Es war viel zu heiß an diesem Tag. Die 18-jährige Jule und ihre drei Freunde schwitzten in ihrem kleinen Auto auf dem Weg von Aurich nach Emden. Der Grund: Jule fährt einen E-Up. Der hat zwar eine Klimaanlage, aber Jule mag den Knopf dafür nicht drücken. Das kleine Elektroauto würde dann auf einen Schlag 63 Kilometer Reichweite verlieren. Da überlegt es sich die 18-Jährige, die ihren Nachnamen nicht in einem Artikel lesen möchte, lieber zwei Mal, ob sie die Klimaanlage aktiviert oder nicht. Denn allzu groß ist die Reichweite des E-Ups generell nicht.
Jule fährt ihren E-Up gerne. Da nimmt sie es auch in Kauf, dass die Luft im Auto an solchen Tagen eher stickig ist. Denn die Fenster möchte sie lieber nicht öffnen. Bei einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern würde der Fahrtwind alles im Auto durcheinanderwirbeln. Die Reichweite sei bei dem kleinen VW ein Problem. Sie reduziert sich beim Einschalten der Klimaanlage sofort – unabhängig davon, ob das Auto steht oder fährt. Ein häufiges Problem bei ihrem VW E-Up, so Jule. Es sei schon häufiger vorgekommen, dass das Fahrzeug bei einem spontanen Ausflug nicht ganz vollgeladen war. Dann muss Strom gespart werden, und die Klimaanlage bleibt aus.
Jule freut sich über den günstigen Unterhalt
Die Reichweite des VW E-Up liegt in einem Test des ADAC nur bei 220 Kilometern. Für ein Auto, das für Kurzstrecken ausgelegt ist, findet Jule das in Ordnung. Doch in spontanen Situationen ist es schwierig, noch eben zwei Stunden vollzuladen, sagt Jule. So lange dauere es im Durchschnitt, bis die Batterie vollgeladen sei. Positiv findet Jule die Nachhaltigkeit sowie den günstigen Unterhalt. Denn sie beziehe den Strom hauptsächlich aus einer Wallbox von zu Hause. Dadurch spare sie viel Geld. Denn der Strom von zu Hause ist billiger als der an einer öffentlichen Ladesäule. Das schreibt auch der ADAC.
Im Landkreis Aurich stehen Elektroautofahrern aktuell 165 Ladestationen zur Verfügung. Darunter sind 57 Schnellladestationen und 108 Normalladestationen. Diese Zahlen stammen aus dem Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur vom 29. Juli 2025. Zurzeit sind 11.046 Fahrzeuge im Landkreis Aurich mit einem Elektro- oder Hybridantrieb zugelassen. Davon besitzen 4432 Fahrzeuge ein E-Kennzeichen – eines davon gehört Jules VW E-Up. Die hauptsächliche Voraussetzung für das Kennzeichen ist, dass es von außen aufladbar ist. Außerdem muss es mindestens 40 Kilometer elektrisch fahren können. Dazu darf es höchstens 50 Gramm Kohlenstoffdioxid pro Kilometer ausstoßen, schreibt der ADAC. Die große Mehrheit fährt weiterhin mit einem Verbrennungsmotor: 182.709 solcher Fahrzeuge sind im Landkreis Aurich registriert. Die Zulassungszahlen wurden zum Stichtag 20. August 2025 erhoben, so der Landkreis Aurich.
Landkreis hält Ladeinfrastruktur grundsätzlich für ausreichend
Nach Auffassung des Landkreises Aurich ist kein Ausbau der Ladeinfrastruktur erforderlich. Das teilt Pressesprecher Lennart Adam auf Nachfrage dieser Redaktion mit. Jule sagt ebenfalls, dass sie keine Probleme mit der Ladeinfrastruktur hätte. Diese ist zurzeit auf stark besuchte Standorte ausgelegt, so der Pressesprecher. Dadurch kann es in Dörfern vorkommen, dass der nächste Ladepunkt wenige Kilometer entfernt steht, sagt Lennart Adam. Das sei bei Jule kein Problem.
In Plaggenburg beispielsweise ist die nächste Ladestation laut Ladesäulenregister etwa vier Kilometer entfernt. Es ist davon auszugehen, dass das Laden aufgrund der Eigenheimquote hauptsächlich zu Hause erfolgt, erläutert Lennart Adam. Zukünftig soll die Ladeinfrastruktur für Besucher ausgebaut werden. Denn in den touristischen Gebieten wird ein steigender Bedarf erwartet. Im Ladesäuleninfrastrukturkonzept der Stadt Aurich ist bis 2030 zusätzlicher Ladebedarf eingeplant. Außerdem wird an einem Konzept für schwach besiedelte Orte gearbeitet, so der Pressesprecher vom Landkreis Aurich.
Kundenerfahrungen mit E-Autos in Aurich
Aber warum werden weniger E-Autos als Verbrenner verkauft? Kai Nauschütz vom Auricher Autohaus Gebr. Schwarte kennt die Gründe. Zu den häufigsten Bedenken zählen nach seiner Erfahrung der hohe Anschaffungspreis, die Haltbarkeit der Technik, die geringe Ladeinfrastruktur und die niedrige Reichweite.
Hilko Ubben, Geschäftsführer von Auto-Ubben in Aurich, nennt auch die Reichweite als Grund für die Kaufzurückhaltung. Kunden würden häufig die Sorge äußern, dass sie zu niedrig sein könnte. Zudem gebe es Bedenken beim Wiederverkaufswert. Die Haltbarkeit der Batterie werde ebenfalls als Unsicherheitsfaktor genannt.
Kosten spielen eine große Rolle
Das bestätigt auch Kevin De Lippe aus der Verkaufsberatung des Autohauses Tekken in Aurich. Dabei seien die meisten Kunden nach einer Probefahrt positiv überrascht. In diesem Punkt sind sich übrigens alle Mitarbeiter der Autohäuser einig: Das ruhige Fahrverhalten von E-Autos sei ein positives Erlebnis für Kunden. Autofahrer, die Wert auf den Sound eines Sportwagens legen würden, seien allerdings schwieriger zu überzeugen. Diese Erfahrung haben sowohl Nauschütz als auch Ubben gemacht.
Auch die Spritpreise spielen eine Rolle. Steigen sie, steigt auch die Nachfrage nach E-Autos, weiß Nauschütz. Alle drei befragten Autoverkäufer beobachten außerdem: Um die Kosten für Strom in Grenzen zu halten, würden viele Kunden eine Photovoltaikanlage installieren. Dabei würden sie feststellen, dass sie mehr Strom produzieren, als sie selbst benötigen.
Staatliche Förderungen für E-Autos
Um den Verkauf emissionsarmer Fahrzeuge anzukurbeln, hat die Bundesregierung ein Förderprogramm entwickelt. So startete der Umweltbonus für Privatpersonen 2016. Er endete Ende 2023. Die Anschaffung von Elektroautos wurde dadurch gefördert und der Klimaschutz vorangetrieben. Das schreibt der ADAC. Derzeit entfällt für Elektrofahrzeuge, die zwischen dem 18. Mai 2011 und dem 21. Dezember 2025 zugelassen wurden, die Kfz-Steuer. Ab der Erstzulassung gilt das für zehn Jahre, so steht es im Kraftsteuergesetz.
Für Selbstständige gibt es weitere deutliche Vorteile. Diese stehen aus Sicht des Verkaufsleiters Kai Nauschütz nicht im Verhältnis zu den Privatkunden. Denn im Einkommensteuergesetz gibt es eine Sonderabschreibung für neue, rein elektrische Fahrzeuge. Demnach können bis zu 50 Prozent der Anschaffungskosten abgesetzt werden – entweder gleich im ersten Jahr oder in den folgenden vier Jahren. Hinzu komme die normale Abschreibung nach der AfA-Tabelle.
Für Jule entfällt nur die Kfz-Steuer. Doch sie ist im Allgemeinen zufrieden mit ihrem E-Auto. Es gäbe mehr positive als negative Aspekte.