Bürgermeisterwahl in Norden Dieser Mann will Florian Eiben herausfordern
Christian Hickel tritt für die „Partei des Fortschritts“ bei der Bürgermeisterwahl in Norden an. Was ihn antreibt und wie er den Wahlkampf gestalten will, hat er unserer Redaktion verraten.
Norden - Noch nicht einmal der Termin zur Bürgermeisterwahl im kommenden Jahr ist schon offiziell verabschiedet. Doch schon jetzt bringen sich die Herausforderer von Amtsinhaber Florian Eiben in Stellung. Der Erste, der sich aus der Deckung wagt, ist Christian Hickel. Der Wahl-Norder tritt für die neue „Partei des Fortschritts“ (PdF) an. Wer der Mann ist und warum er gegen Eiben antritt, hat er unserer Redaktion erzählt.
Wer ist die Partei des Fortschritts (PdF)?
Die Partei wurde 2020 gegründet und wurde erstmals richtig aktiv im Europawahlkampf Ende 2023. Lukas Sieper ist seitdem Europa-Abgeordneter. Mit diesen Worten beschreibt der niedersächsische Landessprecher der PdF Christian Hickel seine Partei: „Wir sind ein kunterbunter Haufen Leute, die Politik neu denken und neu umsetzen wollen. Wir wollen eigentlich die Ur-Politik, das Basisdemokratische, das Miteinander wieder in den Mittelpunkt stellen. Wir haben keine Strömungen, kein Rechts, kein Links. Wir wollen das nicht. Das gehört einfach nicht zur Basisdemokratie dazu. Was wir vor allem wollen, ist in Zukunft über Bürgerabgeordnete Politik für die Bürger mit den Bürgern zu machen. Wir wollen die Leute einbinden in Entscheidungsfindungen, transparent sein und auch die Meinungen und Bedürfnisse der Bürger in den Vordergrund stellen und mit in die Politik einbeziehen. Wir sind durchmischt. Wir haben ganz junge Leute, 16-, 18-, 20-Jährige, wir haben Studenten, wir haben mittlerweile Rentner, einmal quer durch die Gesellschaft.“ Was zumindest im Vorstand fehlt, sind Frauen. Der Frauenanteil in der Partei liegt bei etwa 30 Prozent. Viele von ihnen wollen aber nicht in die Öffentlichkeit des Vorstands – auch aus Sorge um mögliche Anfeindungen. Und zwingen per Quote will die PdF niemanden in Jobs.
Gebürtig stammt Hickel aus Frankfurt am Main. Doch seit 2016 wohnen er und seine Familie in Norden. Seine Familie, das sind seine Frau und seine drei Kinder – zwei Söhne, 18 und 27 Jahre alt, und eine Tochter, 25 Jahre alt und mittlerweile sogar schon das erste Enkelkind, wie der 49-Jährige nicht ohne Stolz in der Stimme erzählte. Die Enkelin sei die erste Ostfriesin in der Familie. Bereut, nach Norden gezogen zu sein, habe er nie. „40 Jahre Rhein-Main-Gebiet haben nicht das Heimatgefühl erzeugt, wie Norden“, sagte er.
Wahl-O-Mat brachte ihn zur Politik
Politisch war Hickel in den vergangenen Jahren nicht aktiv. „Ich bin politisch hochinteressiert, hatte aber keine Partei gefunden, deren Werte ich zu einhundert Prozent vertreten kann“, sagte Hickel. Durch die Europawahl habe sich das geändert. Er sei über den „Wahl-O-Mat“ auf die Partei des Fortschritts gestoßen. Eine 90-prozentige Übereinstimmung seiner Überzeugungen mit denen der Partei haben ihn veranlasst sich mehr mit der neuen PdF zu befassen, sagte er. Die Folge: Er trat der Partei bei, gründete anschließend den Landesverband Niedersachsen mit. Mittlerweile ist er Landessprecher in Niedersachsen und seit Mitte Mai 2025 im Bundesvorstand der PdF. Aber, das gibt er unumwunden zu, er ist ein Politikneuling.
Trotzdem will er es mit Amtsinhaber Eiben aufnehmen. Dafür hat er vorrangig zwei Themen im Blick: Zum einen die Verkehrs- und Infrastruktur, insbesondere die „katastrophalen Radwege in und um Norden und die eigentlich nicht mehr hinzunehmenden Straßenzustände“. Als Verkehrslogistiker könne er in diesem Bereich Perspektiven mitbringen. Sein zweites Thema ist die Transparenz und Durchleuchtung der gesamten Verwaltung, nach dem Motto: „Haben wir ein Einnahmeproblem oder haben wir ein Ausgabenproblem und läuft alles so effizient, wie es sein könnte und müsste“, sagte Hickel. Ein dritter Punkt, der ihm persönlich wichtig sei, ist, die Bedürfnisse der Norder Geschäftsleute wahrzunehmen.
Er habe „Lust und Laune darauf, Dinge neu zu denken und zu überlegen, ist es das Richtige, was getan wird oder können wir die vorhandenen Kapazitäten so schlüsseln, dass am Ende mehr bei rauskommt“, sagte Hickel.
Hickel ist in der Jägerschaft aktiv
Ganz unbekannt in Norden ist Hickel nach eigenen Aussagen nicht. Seit 2023 sei er Jäger und in der Jägerschaft aktiv. Auch mit dem Jagdmobil sei er in der Öffentlichkeitsarbeit in Norden unterwegs. Mehrere Jahre sei er für Weser-Ems-Bus in Aurich tätig gewesen. Auch dadurch würden ihn einige Menschen kennen. Trotzdem müsse er noch viel dafür arbeiten, bekannter zu werden.
Dafür muss er zunächst auf zwei Dinge warten: Erstens auf die Aufstellungsversammlung seiner Partei für die Kommunalwahl 2026 in Niedersachsen am 27. September in Hannover. Und zweitens auf die offizielle Verabschiedung des Wahltermins durch den Norder Rat. Zwar haben sich Politik und Verwaltung schon auf den Termin der Kommunalwahl am 13. September 2026 auch für die Bürgermeisterwahl verständigt. Das muss der Norder Rat aber am 24. September noch offiziell beschließen. Die Wählbarkeitsbescheinigung als Bürgermeisterkandidat habe er aber schon, sagte Hickel. Seinen Wahlkampf plant er sowohl in den sozialen Medien und in der Presse als auch über Gespräche an Infoständen in der Stadt. Die meiste Arbeit dürfte dabei an Hickel selbst hängenbleiben, denn der Norder Ortsverband bestehe derzeit aus nur drei Leuten – zwei davon inaktiv, wie Hickel zugibt. Bundesweit zähle die Partei mittlerweile 930 Mitglieder. Er beschreibt den Wahlkampf als „ordentliche Aufgabe“. Und auch die Möglichkeit, die Wahl zu verlieren, sei mit einkalkuliert. Dennoch sei nichts unmöglich, betonte Hickel: „Ich glaube, dass wir gerade in Norden hin zu Themen gehen müssen, was bewegt Norden wirklich, was braucht Norden, können wir das schlichtweg besser machen als die althergebrachten Parteien.“ Damit will er punkten.
PdF als Auffangbecken für AfD-Frustwähler
Er sieht seine Partei als „Gegenpol zum Althergebrachten“, aber auch als Auffangmöglichkeit für all diejenigen, die die AfD aus Frust wählen würden. „Wir sehen die Gefahr der AfD-Frustwähler auch, bieten aber mit unserem Programm der Transparenz, der Lösungsfindung und vor allem der gemeinsamen Lösungsfindung mit Bürgern, die Chance, ein Gegenangebot zur AfD zu machen, das auch inhaltlich fundiert ist und nicht nur über Parolen läuft“, sagte Hickel.
Neben der Kandidatur zum Bürgermeisteramt, bewirbt sich Hickel auch um einen Sitz im Norder Stadtrat. „Wenn Bürgermeister nichts wird, möchte ich auf jeden Fall als Ratsmitglied die Möglichkeit haben, etwas für Norden zu tun“, so Hickel. Seine Partei stellt sich niedersachsenweit zur Kommunalwahl auf, an verschiedenen Stellen. In Norden bleibe es durch die noch nicht sehr große Zahl an Mitgliedern zunächst bei der Person Christian Hickel.