Osnabrück Nur zwei Skandal-Trainer wurden jemals länger gesperrt als Marco Antwerpen
Nur drei Trainer sind im deutschen Profifußball so lange wie oder länger als Marco Antwerpen von der Sportgerichtsbarkeit des DFB gesperrt worden. Der Ex-Trainer des VfL Osnabrück wurde am 28. August 2025 wegen versuchter Spielmanipulation für zwölf Monate aus dem Verkehr gezogen und hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.
Zwölf Monate Sperre für einen Trainer – die Strafe für Marco Antwerpen ist kein Novum, aber eine Seltenheit im deutschen Profifußball. Das übertreffen nur zwei Trainer, die in einen Skandal verstrickt waren, sowie ein Fußballlehrer, der die Corona-Bestimmungen auf fragwürdige Weise umging. Schlagzeilen schrieben aber auch die Vergehen einiger anderer Trainer, die am Spielfeldrand aus der Rolle fielen und mehrere Monate pausieren mussten. Darunter waren auch zwei Trainer des VfL Osnabrück.
Länger als Marco Antwerpen wurden in der Geschichte des deutschen Fußballs nur zwei Trainer gesperrt, die in den legendären Bundesligaskandal der Saison 1970/71 verstrickt waren. Günter Brocker, 1958 Mitglied der letzten Schalker Meistermannschaft, hatte bei RW Oberhausen mitgemischt, war aber nur eine Randfigur im wohl größten Bestechungsskandal im deutschen Fußball. Wegen seiner besonderen Vorbildfunktion als Trainer wurde Brocker zwei Jahre gesperrt, es war das Ende seiner Karriere.
Das gilt nicht für Egon Piechaczek, der mit Arminia Bielefeld ganz tief im Sumpf dieses Skandals steckte. Als in der Endphase des sich zuspitzenden Abstiegskampfes 1970/71 immer mehr Spiele verschoben wurden oder es zumindest versucht wurde, soll der polnische Coach den berühmten Satz zum Klubpräsidenten gesagt haben: „Boss, wir müssen Spiele kaufen.“ Zunächst auf Lebenszeit gesperrt, wurde Piechaczek 1975 begnadigt und setzte seine Karriere in Griechenland und auf Zypern fort; 2006 verstarb er in seiner Wahlheimat Kaiserslautern.
Ein Jahr Berufsverbot handelte sich Markus Anfang während der Pandemie ein: Der Trainer des SV Werder Bremen fälschte zunächst einen Impfausweis und stürzte sich nach seinem Rücktritt als Ungeimpfter in den Trubel des Kölner Karnevals. Der DFB verhängte eine zwölfmonatige Sperre, dazu kam ein Strafbefehl vom Amtsgericht Bremen über 36.000 Euro.
Mehrere Fußballlehrer mussten für Vergehen am Spielfeldrand mehrere Monate büßen. Zu Beginn seiner Karriere hatte Otto Rehhagel manchmal Probleme, sein Temperament zu zügeln. 1974/75 wurde der Coach der Offenbacher Kickers gleich zweimal gesperrt, weil ihm verbal der Gaul durchgegangen war. Für die Aufforderung an einen seiner Abwehrspieler „Hau dem Hölzenbein doch in die Knochen!“ gab es einen Monat Sperre, als dann ein Bestechungsvorwurf an Schiedsrichter Walter Eschweiler folgte, erhöhte das Sportgericht auf drei Monate.
Drei Monate – zuzüglich einer Geldstrafe von 15.000 D-Mark (etwa 7.500 Euro) – bekam 2000 auch Eugen Hach aufgedonnert, weil er in Diensten von Alemannia Aachen den Cottbuser Spieler Franklin körperlich angegriffen und dabei gewürgt hatte. Norbert Meier saß ebenfalls drei Monate ab; er hatte nach einer Auge-in-Auge-Konfrontation mit dem Kölner Albert Streit 2005 eine Verletzung durch einen Kopfstoß simuliert, den es – bewiesen durch TV-Bilder - nicht gegeben hatte. Schiedsrichter Manuel Gräfe hatte sich von Meiers Schauspieleinlage beeinflussen lassen und Streit vom Platz gestellt.
Auch zwei Osnabrücker Trainer mussten nach Ausrastern auf die Strafbank. Im Dezember 1986 schlug Rolf Grünther im Kabinengang des Braunschweiger Stadions den Eintracht-Profi Manfred Tripbacher mit einer rechten Geraden klassisch k.o. – der hatte sich im Spiel ein übles Foul an Ulf Metschies geleistet und und war so unvorsichtig, dem Osnabrücker Trainer eine freche Antwort zu geben, als der ihn zur Rede stellte. Die beiden sprachen sich schon drei Tage später aus, doch der DFB zog das Verfahren in diesem bis heute im deutschen Profifußball einmaligen Vorgang natürlich durch. Nur, weil Grünther sich ohne jede Beschönigung zu seinem Fehler bekannte und glaubwürdig entschuldigte, beließ es das Sportgericht bei einer dreimonatigen Sperre.
Im Herbst 1988 wurde Werner Moors – übrigens einst zusammen mit Grünther bei Preußen Münster aktiv – von der Vergangenheit eingeholt. In der Saison zuvor hatte der neue Trainer des VfL den Kieler Schiedsrichter Gerd Zimmermann nach dem Spiel gegen Kickers Stuttgart beschimpft. Den Satz, den ihm DFB-Chefankläger Hans Kindermann immer wieder vorhielt, bestritt Moors vehement. Doch letztlich glaubte das Sportgericht dem Unparteiischen und baute das viel diskutierte Urteil mit einer Sperre für vier Monate auf dem Satz „Du bist selbst schuld, wenn du hier nicht heil rauskommst“ auf.