Hamburg Terror-Gefahr auf Weihnachtsmärkten und Stadtfesten: Ernst nehmen allein reicht nicht
Ohne Sicherheitskonzept kein Stadtfest und kein Weihnachtsmarkt. Doch nicht alle Kommunen nehmen das Thema so ernst, wie sie sollten, sagen Kritiker. Doch allein auf die Städte und Gemeinden zu zeigen, ist nicht nur unfair. Sondern zu kurz gedacht.
Nehmen Kommunen die Sicherheit bei Stadtfesten und Weihnachtsmärkten auf die leichte Schulter? Diesen Eindruck vermittelt zumindest der Bundesverband für Veranstaltungssicherheit (BVVS), der jüngst auch das Sicherheitskonzept für den Weihnachtsmarkt der Stadt Magdeburg auseinandergenommen hatte. Vergangenen Dezember starben dort nach einer Amokfahrt sechs Menschen, 300 weitere wurden verletzt.
Häufig seien die Sicherheitskonzepte der Kommunen nicht auf dem Stand der Technik, nicht jede nehme die Schutzmaßnahmen bei Veranstaltungen ernst genug. Dazu kämen Abstimmungsprobleme zwischen Polizei, Kommunen und Veranstaltern.
Die Kritik des BVVS – dessen Verbandsmitglieder vor allem Sicherheitsfirmen und Veranstaltungsplaner sind – kommt zu einem passenden Zeitpunkt. Spätestens mit Herbstbeginn müssen die Planungen für die Weihnachtsmärkte intensiviert werden. Braucht es Poller? Wie werden Zufahrtswege gesperrt? Wie groß sind die Risiken von Anschlägen und Amokfahrten?
Man muss sich nicht an die neue Realität gewöhnen wollen, aber Sicherheit ist das zentrale Element einer öffentlichen Veranstaltung. Und das Sicherheitsgefühl entscheidend für die Attraktivität. Allerdings führt die Frage, ob Kommunen genug für die Veranstaltungssicherheit tun wollen, am Problem vorbei. Die entscheidende Frage ist, ob sie es überhaupt können.
Nicht nur, dass bei knappem Personal die Zeit für aufwendige Risikoanalyse fehlt, es ist auch teuer. Mittlerweile hat sich eine eigene Straßen-Sicherheitsindustrie entwickelt, die immer bessere, innovative, aber eben auch teurere Poller und Absperrsysteme auf den Markt bringt. Mehrere Zehntausend Euro können die Sicherheitsvorkehrungen kosten. Nur wer soll das bezahlen? Die Schausteller auf den Märkten? Die Veranstalter? Die klammen Kommunen? Bund und Länder mittels überbürokratisierter Fördertöpfe? Oder am Ende doch der Besucher, in dem Weihnachtsmärkte und Stadtfeste künftig Eintritt verlangen?
Diese Fragen müssen politisch geklärt werden. Weihnachtsmärkte aus Angst und Kostendruck ganz abzusagen oder nicht genug in Sicherheit zu investieren, darf keine Alternative sein. Denn dieser Preis wäre zu hoch.