Osnabrück  VfL Osnabrück: So ergeht es den Leihspielern in den Regionalligen

Malte Artmeier
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Von Malte Artmeier
| 07.09.2025 08:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Wurde in Leipzig nicht glücklich - und soll nun Stammkeeper in Lotte werden, wenn es nach dem VfL Osnabrück geht: der ausgeliehene Luca Böggemann. Foto: imago/Andy Bünning
Wurde in Leipzig nicht glücklich - und soll nun Stammkeeper in Lotte werden, wenn es nach dem VfL Osnabrück geht: der ausgeliehene Luca Böggemann. Foto: imago/Andy Bünning
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Fünf Spieler hat der VfL Osnabrück aktuell in die Regionalligen verliehen, damit sie als Jungprofis dort möglichst viel Spielzeit sammeln. Wie blickt der Verein auf die Entwicklung der Talente?

Fünf Spieler hat der VfL Osnabrück aktuell in die Regionalligen ausgeliehen - sie alle gelten bei den Lila-Weißen als Talente und sollen erste Erfahrungen auf möglichst hohem Niveau sammeln. Wie gelang Luca Böggemann, Rohin Shivani, Joschka Kroll, Finn Cramer und Ibrahim Touray aber der Saisonstart in ihren Clubs? Lion Semic übrigens fällt aus der Betrachtung heraus: Der sechste Leihspieler des VfL nach seinem späten Wechsel zu Helmond Sport noch keine Chance, in der 2. niederländischen Liga aufzulaufen.

Für die Leihspieler verantwortlich beim VfL ist Heiko Flottmann als Koordinator Übergangsbereich. Der Nachwuchsexperte und ehemalige Co-Trainer der Profis, unter anderem von Pit Reimers und Claus-Dieter Wollitz, beobachtet die Spiele, besucht die Leihspieler bei ihren Clubs und privat und behält ihre Entwicklung im Blick.

Der 21-jährige Torhüter, der in den letzten Jahren immerhin schon einen Zweit- und einen Drittliga-Einsatz für den VfL sammelte, sollte nach zwei Jahren im Profikader endlich konstant auf Spielzeit kommen. Beim Nordost-Regionalligisten Chemie Leipzig schien das Projekt auch gut anzulaufen: Böggemann startete als Stammkeeper in die Saison, wurde aber nach drei Niederlagen mit sechs Gegentreffern, bei denen ihm auch Fehler unterliefen, abgelöst.

Weil sich auch die versprochene Professionalisierung in Leipzig nicht so darstellte wie erhofft, wurde Böggemann kurz vor Transferschluss zu den Sportfreunden Lotte „verschoben“. Dort liefert er sich nun einen Zweikampf mit einem weiteren Ex-VfL-Torwart: Laurenz Beckemeyer. „Wir halten weiterhin sehr viel von ihm“, sagt Flottmann. „Nun steht er in einem Wettkampf mit Laurenz. Das Risiko sind wir eingegangen und Luca auch. Wir gehen aber davon aus, dass er sich dort durchsetzt.“

Vier Einwechslungen stehen bislang in der Bilanz des Mittelfeldspielers beim Tabellen-Siebten der Regionalliga Nord. Flottmann besuchte Shivani erst am Montag in Hamburg und berichtet von einer ordentlichen Entwicklung. „Ich fand, dass er immer lebhaft und gut gespielt hat, wenn er eingewechselt wurde. Zuletzt gegen Hannover 96 II hat er einen entscheidenden Pass zum Tor gegeben.“ Shivani trainierte im ersten Halbjahr 2025 oft mit den VfL-Profis unter Marco Antwerpen und deutete da sein Potenzial als laufstarker und kreativer Mittelfeldspieler durchaus an. „Er hatte im Sommer schon einen Markt, es gab einige Clubs, die ihn haben wollten.“

Die Nähe zur Familie, die in Norderstedt lebt und das Umfeld in Lübeck gaben aber letztlich den Ausschlag. In Lübeck habe Shivani trotz der finanziellen Probleme im Club, der zeitweise öffentlich quasi um Spieler bettelte, einen professionell geführten Club und gute Trainingsbedingungen, dazu den dritt- und zweitligaerfahrenen Trainer Guerino Capretti. Der Kontakt zum VfB sei ohnehin gut: Mit dem Sportdirektor Sebastian Harms ist Flottmann befreundet. „Für Rohin hoffen wir jetzt, dass es mehr Spielzeit wird. Aber der Junge macht sich gut und ist sehr fleißig, auch wenn das erste Jahr im Seniorenbereich immer schwer ist.“ Schon am Samstag bei der 1:2-Niederlage gegen Altona 93 durfte Shivani eine knappe halbe Stunde ran.

Nicht ganz so zufriedenstellend läuft die Leihstation beim SC Wiedenbrück bislang für Joschka Kroll. Der Abwehrspieler kam nach sechs gespielten Partien erst zu drei Einwechslungen mit maximal 37 Minuten Spielzeit. „Es ist einfach ein deutlicher Sprung von der U19 in die Regionalliga West“, sagt Flottmann. „Athletisch muss er noch zulegen, das sind aber ganz normale Dinge.“ Um dort Fortschritte zu machen und diese auch zu dokumentieren, ist Kroll, wie alle anderen Leihspieler auch, gelegentlich zur Leistungsdiagnostik in Osnabrück.

Etwas besser ist Finn Cramer bei den Wiedenbrückern unterwegs: Vier Einwechslungen mit maximal 45 Minuten Spielzeit hat der Angreifer bislang auf dem Konto. „Der marschiert sehr gut“, sagt Flottmann über den körperlich robusten und dynamischen 19-Jährigen. „Jetzt hat er sich leider verletzt mit einer Wunde am Schienbein, die sich entzündet hat. Aber er wird immer reingeworfen, weil sich mit ihm auf dem Feld etwas bewegt.“

Auch mit Cramer hat Flottmann zuletzt ein langes persönliches Gespräch geführt. In den nächsten Wochen folgt dann auch der Austausch mit den Vereinen, in diesem Fall etwa Trainer Sascha Mölders. Der Ex-Profi ist Trainer in Wiedenbrück und könne Cramer mit seiner eigenen Stürmer-Erfahrung aus den ersten drei Profiligen sicher viel mitgeben, so Flottmann.

Abwehrmann Ibrahim Touray hat „seinem“ VfL erst am Dienstag ziemlich wehgetan: Für den SSV Jeddeloh kam er in der Schlussphase der Verlängerung ins Spiel und traf dann sogar im Elfmeterschießen. „Das zeigt, wie selbstbewusst er ist. Da ist er ähnlich wie Rohin Shivani“, sagt Flottmann. In der Liga wurde Touray bislang fünf Mal eingewechselt und traf am ersten Spieltag sogar zum spielentscheidenden 3:1 gegen den VfB Oldenburg.

„Ihn habe ich bereits in Oldenburg besucht und mir auch das Training angeschaut“, sagt Flottmann. „Er fühlt sich dort richtig wohl und hat mit Björn Lindemann einen sehr guten Trainer.“ Und: Der ehemalige Profi des VfL sieht bei Touray offenbar auch eine Entwicklung. Nach dem langen Pokalfight gegen die Lila-Weißen am Dienstag, bei dem sich Positionskonkurrent Moritz von Aschwege verletzte, stand der Leihspieler am Freitagabend beim SV Meppen erstmals in der Startelf des Überraschungs-Tabellenführers. Allerdings setzte es beim 0:4 die erste Niederlage der Saison.

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