Theresienhof Rathjensdorf Plön Hoffnung nie verloren: Entlaufene Schildkröte „Vollgas“ kehrt nach einem Jahr zurück
Über ein Jahr lang war die Griechische Landschildkröte „Vollgas“ verschwunden. Doch die Besitzer aus der Nähe von Plön in Schleswig-Holstein gaben die Hoffnung nie auf, dass sie ihn wiederbekommen würden.
Vielleicht hätten Uta und Hans-Werner Borchert es wissen müssen. Schließlich heißt ihre Griechische Landschildkröte nicht umsonst „Vollgas“. Und Vollgas gab das kleine Reptil offensichtlich, als es aus seinem Gehege auf dem Hof des Ehepaares Borchert in Theresienhof bei Plön ausbüxte.
Über ein Jahr lang war „Vollgas“ verschwunden, doch nun tauchte er zur großen Freude seiner Besitzer im mehr als fünf Kilometer entfernten Lepahn wieder auf.
Seit rund elf Jahren lebt „Vollgas“ auf dem Kleintierhof des Ehepaares Borchert. Neben ihm hält das Paar auch Perlhühner und Gänse, Pfauen und Flugenten, Mini-Schweine, Schafe und Ziegen. Der knapp 14 Jahre alte „Vollgas“ und seine Artgenossin „Wilhelmina“ haben auf dem Hof ein rund 50 Quadratmeter großes Gehege mit verschiedenen Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung.
Doch „Vollgas“ scheint mehr von der Welt sehen zu wollen. „Mein Mann hatte ihn schon öfter plötzlich auf unserer Terrasse gefunden und er ist auch ab und zu schon am Zaun seines Geheges hochgeklettert“, schildert die 67 Jahre alte Uta Borchert. An mehreren Stellen verstärkte das Ehepaar die Umrandung. Vergeblich. Mitte August 2024 war „Vollgas“ dann wirklich verschwunden.
Tagelang suchten Uta und Hans-Werner Borchert im Garten, in der Scheune, am Gartenteich und auf der Koppel bei den Ziegen nach „Vollgas“. Doch die kleine Schildkröte blieb verschwunden. Anfangs war Uta Borchert noch überzeugt, dass „Vollgas“ irgendwo auf dem Hofgelände sein müsse. Irgendwann aber weitete sie den Suchradius aus. Alle Nachbarn wurden befragt, bei Spaziergängen und Touren mit dem Rad hielt Uta Borchert die Augen auf. Aber „Vollgas“ tauchte nicht wieder auf.
Zwischendurch hatte Uta Borchert Angst, ein Greifvogel habe sich die Schildkröte geholt. Aber tief in ihr drin war da diese Gewissheit, dass „Vollgas“ zurückkommen würde. „Wir sind im Garten immer ganz vorsichtig gegangen, um nicht unabsichtlich auf ihn drauf zu treten“, schildert sie. Ein Jahr lang mähte ihr Mann die Koppel nur mit einer Sense, um die Schildkröte nicht versehentlich zu verletzen. „Ich war immer optimistisch, dass er im Frühjahr wieder da ist.“
Doch das Frühjahr kam und wurde zum Sommer und „Vollgas“ war noch immer nicht wieder in seinem Gehege bei Wilhelmina. Dann aber, Mitte August 2025, fast genau ein Jahr nach seinem Verschwinden, bekam Uta Borchert die Nachricht einer Bekannten. Im Tierheim in Kossau sei eine Griechische Landschildkröte abgegeben worden.
Fotovergleiche ergaben, dass es sich tatsächlich um „Vollgas“ handelte. „Jede Schildkröte hat ihre eigenen Merkmale“, erklärt Uta Borchert. „Vollgas“ beispielsweise hat einen charakteristischen hellen Punkt auf dem Kopf und eine besondere Maserung auf dem hinteren Teil seines Panzers.
Gefunden worden war das Tier in Lepahn, rund fünf Kilometer von Theresienhof entfernt. Keine ungewöhnlich Entfernung für eine Landschildkröte, die laut Wikipedia in einem Jahr eine Strecke von bis zu zwölf Kilometern schaffen kann. „Aber ich fand es schon heftig, dass er in diesem ganzen Jahr nicht von einem Auto oder einem Trecker überfahren wurde“, schildert Uta Borchert das, was sie so besonders berührt hat.
Körperlich hat die Schildkröte ihr einjähriges Abenteuer gut überstanden. „Er hatte ein wenig abgenommen“, sagt Borchert. Verletzungen hatte „Vollgas“ keine. Ernährt hat er sich, so vermutet seine Besitzerin, von Blüten und Blättern und im Winter wird er sich für seine Winterruhe tief in der Erde eingebuddelt haben.
Seit einer Woche ist „Vollgas“ wieder zurück auf Kleintierhof. „Er ist erst einmal das ganze Gehege abgelaufen und ich glaube, er und Wilhelmina haben sich auch wiedererkannt“, schildert Uta Borchert. Angst, dass er gleich wieder ausbricht, hat sie nicht. Trotzdem schaut sie nun lieber öfter ins Schildkrötengehege, ob „Vollgas“ wirklich noch da ist.
„Außerdem haben wir versucht, seine Umgebung ein bisschen interessanter zu gestalten.“ Und schließlich hat Hans-Werner Borchert den Zaun um das Außengehege höher gezogen. Nur für den Fall, dass „Vollgas“ seinen Namen wieder zu ernst nimmt.