Hamburg Ende einer Tradition: Warum Niedersachsens neuer Religionsunterricht richtig ist
In Niedersachsen endet der konfessionell getrennte Religionsunterricht. Ab kommendem Jahr heißt das Fach Christliche Religion. Ein richtiger Schritt – doch die Vielfalt an Schulen verlangt mehr als nur christliche Perspektiven.
Dieses Schuljahr ist für viele Schüler in Niedersachsen ein Abschied: Zum letzten Mal gibt es getrennten katholischen und evangelischen Religionsunterricht. Ab dem kommenden Jahr heißt das Fach Christliche Religion.
Ganz neu ist das nicht. Schon seit Jahren gibt es den konfessionell-kooperativen Unterricht, in dem Kinder beider Konfessionen gemeinsam lernen. Der neue Kurs ist die konsequente Weiterentwicklung – und er ist überfällig. Niemand muss dem getrennten Unterricht nachtrauern. In einer Gesellschaft, in der konfessionelle Grenzen längst verschwimmen, wirkt er schlicht überholt.
Vor allem aber ist der Schritt pragmatisch. Immer weniger Kinder sind überhaupt noch getauft, vielerorts reicht es längst nicht mehr für Klassen für rein evangelischen oder katholischen Unterricht. In Niedersachsen ist nur noch jedes zweite Schulkind evangelisch oder katholisch. Der neue Unterricht bündelt diese Schüler – und sichert so die Zukunft des Faches.
In Sachen Schule zeigen die beiden großen Kirchen damit eine bemerkenswerte Veränderungsbereitschaft. Sie reagieren auf gesellschaftliche Realitäten – langsam, aber immerhin – und setzen gemeinsam mit dem Land Lösungen um.
Ein großes Aber bleibt: Was ist mit den vielen Schülern, die einer anderen Religion angehören oder gar keiner? Für sie bleibt meist nur Werte und Normen, an einigen Schulen auch Islamunterricht. Zeitgemäßer wäre ein Fach, das alle einbezieht: ein Unterricht über Religionen und Weltanschauungen, der auch Ethik vermittelt. Mit dem Ende des konfessionell getrennten Unterrichts ist ein Anfang gemacht.