Osnabrück VfL Osnabrück: Viele Ecken, wenig Schüsse - und das wohl beste Pressing der Liga
Nach sieben Punkten aus vier Spielen ist man beim VfL Osnabrück mit dem Saisonstart in der 3. Fußball-Liga recht zufrieden. Während die Lila-Weißen in manchen Statistiken weit oben stehen, ist in anderen noch viel Luft nach oben. Was sagen die Daten über den Beginn der Spielzeit?
Die erste Länderspielpause der Saison steht an für die Fußball-Drittligisten und damit auch für den VfL Osnabrück. Trainer Timo Schultz hat angekündigt, eine erste kleine Bilanz zu ziehen nach dem Saisonstart und den ersten vier Ligapartien. Mit der wichtigsten Statistik dürften die Lila-Weißen dabei recht zufrieden sein: Sieben Punkte sind bis dato keine überragende, aber eine ordentliche Ausbeute, die den Leistungen der Mannschaft entspricht. Wie sieht es aber in anderen Details aus? In welchen Aspekten sticht der VfL heraus? Wo hat er Verbesserungspotenzial? Ein paar statistische Auffälligkeiten der ersten Saisonphase.
In zwei sich ergänzenden Tabellen ist der VfL ligaspitze: Bei den „abgefangenen Bällen pro Spiel“ steht er mit 10,0 auf Rang zwei hinter Energie Cottbus (11,0). Ganz vorne stehen die Lila-Weißen aber was „Balleroberungen im letzten Spielfelddrittel“ angeht. 4,8 Mal pro Partie gewinnt der VfL den Ball weit vorne auf dem Spielfeld. Beide Statistiken sind Ausdruck dessen, was die Beobachter der Spiele in den letzten Wochen feststellten: Die Osnabrücker können sich auf ihr hohes Pressing und das Gegenpressing verlassen, sind konzentriert in der Abwehrarbeit und verfügen mit Bryan Henning, Fridolin Wagner und Bjarke Jacobsen über ein stabiles Zentrum, das viel Laufarbeit verrichtet, verlorene Bälle schnell zurückgewinnt und damit viel Stress von der eigenen Abwehrkette fernhält. Insofern überrascht es kaum, dass der VfL mit drei Zu-Null-Spielen nach vier Partien auch hier ligaweit ganz vorne steht.
Ballbesitz ist im Fußball längst kein Erfolgsindikator mehr. Das zeigt der Blick auf die allgemeine Ballbesitztabelle. Hier ist der VfL mit 51,4 Prozent im Schnitt Tabellen-Neunter. Ganz oben rangiert der SC Verl mit 64 Prozent. In der reellen Tabelle sind die Ostwestfalen aber nur 16. mit drei Punkten. Der furios gestartete Tabellenführer MSV Duisburg hat derweil mit vergleichsweise schwachen 45,8 Prozent Ballbesitz im Durchschnitt (16.) bereits zwölf Punkte gesammelt.
Entscheidend ist, was man aus seinem Ballbesitz macht - also, wie viele Chancen und Tore man sich daraus erspielt. Da zeigt sich: Der VfL kreiert aus seinem Ballbesitz zu wenig Gefahr. Erst fünf Großchancen hatten die Lila-Weißen, das ist Rang 17 der Liga. Erster in diesem Aspekt ist der SV Wehen Wiesbaden mit 14 erspielten Großchancen (9 Tore). Generell geben die Osnabrücker auch nicht allzu viele Schüsse aufs Tor ab. 3,8 sind es pro 90 Minuten - Rang 14. Tabellenführer in dieser Statistik ist die TSG Hoffenheim II mit 7,0 (9 Tore).
Etwas weiter vorne steht der VfL im Punkt „Ballberührungen im gegnerischen Strafraum“. 100 Mal hatten Osnabrücker einen Ballkontakt im gegnerischen Sechzehner, das bedeutet Rang 10 in der Liga. Nur: Der Ertrag entspricht dem eben nicht. Das Gleiche gilt für die herausgespielten Ecken. 37 davon hatte der VfL in vier Spielen, also etwas mehr als neun pro Partie - das ist mit Abstand Liga-Bestwert. Immerhin zwei Tore (beide durch Jacobsen) machte das Schultz-Team daraus. Aber: Der Trainer würde sich sicher wünschen, dass seine Mannschaft noch öfter den Strafraum betritt und aus den Angriffen mehr Chancen und vor allem Tore herausspringen, wenn er dafür weniger Ecken erhält.
Das „Expected-Goals-Modell“ (xG, übersetzt: erwartete Tore) ist im Profifußball trotz so mancher blinder Flecken inzwischen etabliert. Es misst Torschüssen gewisse Erfolgswahrscheinlichkeiten bei. Elfmeter haben zum Beispiel einen xG-Wert von etwa 0,77, denn 77 Prozent aller statistisch erfassten Elfmeter gehen ins Tor. Legt man dieses System auf die bisherigen Spiele des VfL an, steht der Verein ziemlich genau da, wo er nach den bisher gezeigten Leistungen erwartet werden kann.
Am ersten Spieltag gegen Alemannia Aachen wäre nach dem xG-Modell ein knapper Sieg drin gewesen (0,77:0,47), das 0:0-Unentschieden weicht vom xG-Ergebnis aber nicht sehr weit ab. Bei 1860 München (2,50:1,61) verlor der VfL letztlich zurecht, beim 1:3 aber wohl ein Tor zu hoch. Im Heimspiel gegen Saarbrücken (1,13:0,27) war der Sieg verdient, ebenfalls aber mit 2:0 statistisch gesehen ein Tor zu hoch. Gegen Havelse (1,82:0,58) gewann der VfL am vergangenen Samstag mit 2:0 ebenfalls verdient.
Nach „expected Goals“ hätte der VfL also bislang 5,26 Tore schießen und 3,82 kassieren müssen - er steht also mit seiner Tordifferenz von 5:3 minimal besser da, als erwartet. Der xG-Wert von 5,26 aus vier Spielen ist dabei zwar in Ordnung, aber weit weg von der Ligaspitze: Der MSV Duisburg, mit zwölf erzielten Toren die beste Offensiv der Liga, hat bislang zwar „überperformt“, 8,56 xG aus vier Spielen ist aber ein starker Wert.
Vier VfL-Profis stechen im bisherigen Saisonverlauf statistisch heraus, nur einer steht im Ligavergleich aber ganz oben: Torwart Lukas Jonsson mit den erwähnten drei Zu-Null-Spielen. Kein anderer Drittliga-Torhüter hat nach vier gespielten Partien mehr. Bemerkenswert ist, dass Jonsson für diese Bestmarke persönlich gar keine Bestleistung bieten musste. „Nur“ 70 Prozent aller Torschüsse parierte er, damit steht er auf Rang 13 in der Liga.
Offensivmann Tony Lesueur steht ligaweit auf Rang zwei, was erfolgreiche Dribblings angeht. 3,3 Mal pro 90 Minuten hat er ein Dribbling erfolgreich abgeschlossen, nur Saabrückens Florian Pick ist erfolgreicher (3,6). Bemerkenswert: Mit einer Erfolgsquote von 44,4 Prozent ist Lesueur weit weg von den Topwerten - er probiert es eben nur extrem häufig.
In der Foulstatistik ist Fridolin Wagner Dritter: Der 27-Jährige beging bislang 4,5 Fouls pro 90 Minuten und befindet sich damit auf den Spuren von Ex-Osnabrücker Dave Gnaase, der in dieser Rangliste in den letzten Jahren stets vorne dabei war. Bislang blieb Wagner dabei aber noch ohne Gelbe Karte.
In einer Statistik auf Rang fünf findet sich der bislang überragende VfL-Profi dieser Saison wieder: Bjarke Jacobsen ist mit 2,6 abgefangenen Bällen pro Spiel weit vorne dabei und leistete damit einen großen Beitrag zur insgesamt starken VfL-Leistung in diesem Bereich. Führend ist hier Tim Kloss von Viktoria Köln mit 3,4 abgefangenen Bällen pro 90 Minuten.