Osnabrück VfL Osnabrück: So landete Torwart Böggemann in Lotte – und so planen die Sportfreunde
Seit Montag ist klar: Für den Rest der aktuellen Saison ist Luca Böggemann ein Sportfreund, statt wie bisher zu Chemie Leipzig wurde das Torwarttalent des VfL Osnabrück kurzerhand nach Lotte verliehen. Die Entwicklungen kamen ohne große Vorwarnung – aber nicht ohne Grund.
Das Sommer-Transferfenster 25/26 ist geschlossen, bei Fußball-Drittligist VfL Osnabrück tat sich auf Zu- und Abgangsseite unterm Strich nichts mehr. Wohl aber gab es eine überraschende Entwicklung: Die Leihe von Torwarttalent Luca Böggemann zum Nordost-Regionalligisten Chemie Leipzig wurde nach nur wenigen Wochen abgebrochen. Böggemann wurde direkt weiterverliehen an die Sportfreunde Lotte und soll dort, vor den Toren Osnabrücks, für eine Saison Erfahrung in der Regionalliga West sammeln. Doch wie kam es zu dem raschen und durchaus überraschenden Wechsel? Und was haben Spieler und Verein miteinander vor?
Vorausgegangen war dem ganzen, dass Ron Meyer, neben Ex-VfLer Laurenz Beckemeyer ein bisheriger Torwart von SFL, am Mittwoch vergangener Woche aus familiären Gründen seinen Vertrag in Lotte aufgelöst hatte. Mit Beckemeyer hatten Lottes Trainer Fabian Lübbers so plötzlich nur noch einen Torwart von Stammplatz-Format im Team.
Da kam es Lotte recht gelegen, dass einige hundert Kilometer weiter östlich eben erwähnter Luca Böggemann, mit dem die Sportfreunde schon vor dem Sommer in Kontakt gestanden hatten, nicht wirklich zufrieden war mit seiner erst sei Juni bestehenden Leihe zu Chemie Leipzig. Die Leipziger hätten sich, wie zu vernehmen ist, zwar umgestellt auf Profi-Bedingungen inklusive Trainingszeiten am Vormittag. Ein Torwarttrainer stand den Keepern so früh am Tage aber nicht zur Verfügung, sie mussten für sich trainieren, da Leipzigs Torwarttrainer gleichzeitig beruflich verhindert war.
„Für Böggi war es deshalb so etwas wie glückliche Fügung, dass er auf den letzten Metern des Transfersommers mit Lotte noch eine andere Option vor der Haustür bekommen hat“, sagt Lübbers. „Und sportlich eine eher positive als negative Entwicklung.“ Für Chemie hatte Böggemann zu Saisonstart die ersten drei Pflichtspiele absolviert, war danach aber mit oder wegen der Bilanz von sechs Gegentreffern auf die Bank verbannt worden. Nun versucht Böggemann sein Glück am Autobahnkreuz, was ohne Meyers Abgang von dort aber nicht möglich gewesen wäre.
In Lotte stellt Böggemann sich dem Zweikampf um den Stammplatz mit Laurenz Beckemeyer, der sich seinerseits erst vor wenigen Wochen gegen Meyer durchsetzte. Ausgang im Duell der früheren VfL-er: völlig offen? „Als Torwart muss man sich ja permanent einem Konkurrenzkampf um eine einzige Position im Team stellen. Das wird auch zwischen Laurenz und Luca nicht anders sein“, kündigt Lübbers an. Beckemeyer hatte sich seinen Stammplatz vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln II durch gute Trainingsleistungen „über mehrere Wochen“ erarbeitet, erklärte Lübbers damals.
Beckemeyer wird im kommenden Testspiel (Freitag, 14 Uhr) gegen Zweitligist Preußen Münster das Tor hüten, Böggemann feiert einen Abend zuvor (Donnerstag, 18 Uhr) im Westfalenpokal beim SC Altenrheine sein Debüt für Lotte. „Aber wir werden nicht im nächsten Meisterschaftsspiel wieder den Torwart wechseln“, so Lübbers. „Böggi weiß auch, dass ihm hier jetzt eine gemeinsame Vorbereitung fehlt. Er muss unsere Spielweise, vor allem seine Vorderleute genau kennenlernen. Da hat Laurenz die Nase erst mal ein Stück weit vorne.“
Beide brächten laut Lübbers „eine unbestrittene Qualität“ mit. Beide Torhüter haben ihre Stärke im Torwartspiel auf der Linie. Böggemann, mit 1,95 Metern gleich 13 Zentimeter länger als Beckemeyer, hätte laut Lübbers von Haus aus „vielleicht leichte Vorteile in der Strafraumbeherrschung.“ Was beide vereint: „Noch etwas Verbesserungspotenzial mit dem Ball am Fuß.“ Vor allem aber: „Beide kennen sich. Beide wollen sich verbessern. Und beide werden sich pushen.“