Saisonstart für die SpVg-Frauen SpVg-Frauenfußball auf der Erfolgsspur
Die erste Frauen-Mannschaft startet in der 3. Liga, die B-Juniorinnen treffen in der Regionalliga auf alte Bekannte. Die Anerkennung als Förderzentrum steht bevor.
Aurich - Die Saison 2024/25 wird in der Gesamtheit als eine der bisher erfolgreichsten Spielzeiten im Frauen- und Mädchenfußball der Sportvereinigung Aurich in die Annalen des Vereins eingehen. Aufstieg der Frauen 1 in die dritthöchste Spielklasse in Deutschland, dritter Aufstieg in ununterbrochener Reihenfolge der U-20 Frauen seit ihrer Gründung, Norddeutsche Meisterschaft der B-Juniorinnen, Spielberechtigung für die höchste deutsche Spielklasse dieser Altersgruppe und Qualifikation für den DFB-Pokal.
Geschäftsführer und Leiter der Frauenabteilung Stefan Wilts spricht mit unserer Redaktion über die Erfolgsfaktoren für den Aufschwung seit 2022/23, die Ziele für die bald beginnende Saison sowie seine Pläne für die kommenden Jahre.
„Der Rückblick könnte kurz und knapp lauten: wir haben unseren Fünfjahresplan aus dem Jahr 2020 voll und ganz erfüllt“, fasst Wilts das Ergebnis von Jahren harter Arbeit zusammen. Schon vor fünf Jahren waren sich die Verantwortlichen des Vereins einig, dass der Aufstieg der 1. Frauenmannschaft in die Regionalliga das erklärte Ziel sei. Nur mit einer starken Mannschaft in der dritten Deutschen Frauenfußballliga könne man langfristig auch talentierten Mädchen aus dem Jugendbereich eine Perspektive im Verein bieten. „Das war durchaus eine ambitionierte Zielsetzung, da zu diesem Zeitpunkt die Frauen noch in der Landesliga spielten“, so Wilts.
So sorgten zwischenzeitlich die B-Juniorinnen mit dem Erreichen des Endspiels um die Deutsche Fußballmeisterschaft für die sportlichen Highlights des Vereins. Außerdem blieb, bevor die Juniorinnen-Bundesliga vom Deutschen Fußballbund abgeschafft wurde, die zweimalige Staffelmeisterschaft der Bundesliga Nord/Nordost als Erfolg.
Frauen sollen sich in der Regionalliga etablieren
„Das Ganze war natürlich nur mit einem Team engagierter Trainer, Therapeuten, Mediziner und Betreuer zu stemmen. Jeder war sich seiner Verantwortung bewusst und opferte viel Freizeit, um die gesteckten Ziele zu erreichen“, lobte der Abteilungsleiter. Und als es im vergangenen Jahr wirklich mal klemmte und eine Entwicklung nicht mehr erkennbar war, wurde die Trainerstruktur im Frauenbereich neu geordnet. Das Team blieb zusammen, die Zuständigkeiten wurden jedoch so verteilt, dass jeder Beteiligte seine Stärken zum Wohle der Mannschaften einbringen konnte. Mit dieser Umstellung gelang letztendlich der Aufstieg der Frauen 1 in die Regionalliga, der Aufstieg der Frauen U-20 in die Landesliga und die Norddeutsche Meisterschaft der B-Juniorinnen.
Mit den Trainingslagern in Osnabrück begann für die Frauen 1 und die U-17 die heiße Phase der Vorbereitung auf die Ende August startende neue Saison. Für die Frauen hat Cheftrainer Stefan Wilts zunächst die Devise ausgegeben: „In der Regionalliga etablieren und auf einem gesicherten Mittelfeldplatz ankommen.“ Für die Mannschaft wird das auch psychisch eine Umstellung, da sie die ein oder andere bittere Niederlage einstecken wird. Verstärkt wird das Team von vier Spielerinnen, von denen drei in höherklassigen Vereinen in Deutschland, aber auch international gespielt haben. Für eine junge Amerikanerin wird es der erste Einsatz im Ausland sein.
„Da uns drei sehr gute Stürmerinnen in Richtung von Bundesligavereinen verlassen haben, mussten wir sowohl in Deutschland als auch im Ausland mit Hilfe einer Agentur nach erfahrenen Offensive-Spielerinnen suchen, die die Mannschaft verstärken und ins Team passen“, so Wilts. Alle vier Spielerinnen können nach seinen bisherigen Eindrücken auf Zweitliga-Niveau spielen. Weiterhin wird die Mannschaft durch drei Spielerinnen ergänzt, die altersbedingt aus dem U-17 Team in die Frauen 1 wechseln.
SpVg erfüllt alle Auflagen für Leistungszentrum
Für die B-Juniorinnen beginnt nach dem Intermezzo mit Niedersachsenliga und Jungs-Liga wieder eine neue Zeitrechnung. Nicht zuletzt aufgrund vieler Proteste aus den Vereinen hat sich der DFB entschlossen, ab der kommenden Saison wieder eine Regionalliga als höchste deutsche Spielklasse für B-Juniorinnen einzuführen. Diese Rolle rückwärts des Verbandes ist daran zu erkennen, dass in der Regionalliga Nord fast ausschließlich Mannschaften aus der ehemaligen Bundesliga-Nord gegeneinander antreten. Für die Auricher Mädchen steht zusätzlich der Einsatz im DFB-Pokal an.
Das Gesicht der Mannschaft hat sich wie üblich gänzlich verändert. Den neun talentierten Neuzugängen stehen 15 Abgänge (davon drei in die eigene Frauen) gegenüber. Laut Cheftrainer ein eher ungewöhnliches Verhältnis, das aber auf gelegentliche zwischenmenschliche Störungen innerhalb der Mannschaft zurückzuführen sei.
Die Frauen II oder U-20-Mannschaft wird in der kommenden Saison zunächst Erfahrung in der Landesliga sammeln müssen, bevor wieder über einen Platz an der Tabellenspitze nachgedacht werden kann. Die Mannschaft bekommt einen weiteren Unterbau durch eine neu gegründete U-20 II, die in der Kreisklasse an den Start gehen wird.
Die längerfristige Planung im Frauenbereich der SpVg Aurich wird nicht unwesentlich durch Maßnahmen und Neuerungen auf Verbandsebene beeinflusst. So wird beispielsweise in der Saison 2027/28 eine dritte Frauen-Bundesliga eingeführt, für die sich die Mannschaften in der Spielzeit davor qualifizieren müssen. „Für uns erhöht sich dadurch der Zeitdruck. Die Mannschaft muss sehr schnell in der Regionalliga ankommen, um sich im Folgejahr mit einer vorderen Platzierung für die 3. Bundesliga zu qualifizieren“, beschreibt Wilts das Szenario. Nach der kommenden Saison wird es in der Mannschaft möglicherweise noch punktuelle Verstärkungen geben müssen.
Zur Spielzeit 24/25 hat der Fußballverband die Einführung von DFB- Leistungs- und Talentförderzentren zur Optimierung der weiblichen Talentförderung eingeführt. Die Talentförder- und Leistungszentren sollen eine qualitativ hohe sportliche Ausbildung talentierter Nachwuchsspielerinnen ab der Altersklasse U 16/U 17 gewährleisten.
Laut Stefan Wilts erfüllt die SpVg Aurich mit Aufstieg der Frauen 1 in die Regionalliga inzwischen alle Voraussetzungen für die Anerkennung als Förderzentrum. Der Antrag werde in den nächsten Tagen beim DFB eingereicht. Nach einer Prüfung vor Ort durch Verantwortliche des Verbandes werde über die Zulassung entschieden. „Das hat nicht nur qualitative, sondern auch finanzielle Auswirkung“, so Wilts. Der DFB zahlt einen Förderzuschuss von jährlich 60 000 Euro. Bei einem aktuellen Budget der Frauenabteilung von 40 000 Euro wäre das ein enormer Betrag, der den Mannschaften und dem Umfeld zugutekommen würde. Das bisherige Budget wird ausschließlich von Sponsoren zur Verfügung gestellt. Die Entscheidung über die Zulassung wird voraussichtlich nicht mehr in diesem Jahr fallen.