Gefährdung von Kindern  Jugendamt nimmt immer mehr Jugendliche in Obhut

| | 28.08.2025 15:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ähnlich viele Kinder und Jugendliche wie vor Corona müssen inzwischen vor ihren Eltern geschützt werden. Das Jugendamt holt sie in schwierigen Situationen aus den Familien. Foto: DPA
Ähnlich viele Kinder und Jugendliche wie vor Corona müssen inzwischen vor ihren Eltern geschützt werden. Das Jugendamt holt sie in schwierigen Situationen aus den Familien. Foto: DPA
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Von 2019 bis 2024 wurden weniger Kinder in Pflegefamilien aufgenommen. Dafür muss das Amt mehr leisten. Die Zahl der Fälle stieg in den letzten Jahren nach einem Einbruch während Corona.

Aurich - Die Zahl der Inobhutnahmen von Jugendlichen und Kindern durch das Jugendamt Aurich blieb 2024 auf einem hohen Niveau. 143 Kinder und Jugendliche mussten in dem Jahr von der Behörde untergebracht werden, teilt Kreissprecher Rainer Müller-Gummels auf Anfrage dieser Redaktion mit. Die Daten für 2025 könne der Landkreis noch nicht bereitstellen, da sie noch nicht ausgewertet worden seien. Mit 145 Fällen erreichte die Zahl 2023 ihren Höchststand in den vergangenen fünf Jahren. Zwei Jahre zuvor waren es nur 117 Kinder und Jugendliche, die untergebracht werden mussten.

Ein Teil der Inobhutnahmen betrifft unbegleitete minderjährige Ausländer, die nach Deutschland kommen. Zahlen des Landkreises zeigen, dass mit Beginn des Ukraine-Krieges wesentlich mehr jugendliche Ausländer in Aurich aufgenommen wurden. 2019 gab es 13 solcher Fälle. Ein Jahr später waren es acht und 2021 dann elf Kinder und Jugendliche. Nach dem Kriegsbeginn im Februar 2022 stieg die Zahl dann schlagartig auf 24 Fälle. 2023 steigerte es sich nochmals auf 31, bevor die Zahl 2024 auf 21 absank. „Wie zu erwarten war, ist die Zahl der Inobhutnahmen unbegleiteter minderjähriger Ausländer stark von den globalen Entwicklungen geprägt. Im Jahr 2024 sank die Zahl der Inobhutnahmen im Kontext migrationspolitischer Entscheidungen, unter anderem der Europäischen Union, auf 21“, schreibt Müller-Gummels.

Vor-Corona-Niveau wieder erreicht

Lässt man die betreuten unbegleiteten minderjährigen Ausländer außer Acht, lag die Zahl der Inobhutnahmen vor fünf Jahren genauso hoch wie 2024. 2019 gab es 123 Fälle und 2024 mussten 122 Kinder und Jugendliche aus Haushalten im Kreis geholt werden. Damit ist das Niveau von vor Corona wieder erreicht. Bei dem Beginn der Pandemie 2021 sank die Zahl auf 106. Auffällig bei der Unterbringung ist jedoch, dass immer mehr Kinder stationär vom Jugendamt aufgenommen wurden. 2019 musste das Jugendamt 59 Kinder und Jugendliche stationär aufnehmen. 2024 waren es bereits 72. Gleichzeitig sank die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die in Bereitschaftspflegefamilien aufgenommen wurden. 2019 konnten 64 Jugendliche in Familien untergebracht werden. 2024 waren es nur noch 50. Zwei Jahre zuvor war das Ungleichgewicht am größten. Lediglich 28 Kinder kamen in Familien unter, während 80 durch das Jugendamt betreut werden mussten.

Gründe für die Inobhutnahmen

Die Inobhutnahme ist eine gesetzlich geregelte Schutzmaßnahme durch das Jugendamt, schreibt Müller-Gummels. Gründe für die Maßnahme seien unter anderem Selbstmeldungen von Minderjährigen, die akute Gefährdung des Kindeswohls oder die unbegleitete Einreise ausländischer Kinder und Jugendlicher. Das Jugendamt nehme Kinder und Jugendliche ausschließlich unter Einhaltung der rechtlichen Voraussetzungen in seine Obhut. Das diene dem unmittelbaren Schutz der Kinder.

Doch nicht nur akute Gefahren seien Gründe für eine Inobhutnahme. Eine Ursache könne zum Beispiel die langfristige Überforderung von Erziehungsberechtigten in ihrer Erziehungsfähigkeit sein, schreibt Müller-Gummels. Eine Überforderung könne in manchen Fällen auch durch andere Faktoren bedingt sein. Das Jugendamt hole die Kinder und Jugendlichen nur dann aus dem Haushalt, wenn die erzieherischen Defizite der Eltern durch ambulante Hilfen nicht zuvor behoben werden konnten und das Kindeswohl weiterhin gefährdet sei. Wann Eltern überfordert seien, könne man nicht pauschal beantworten. Die Merkmale dafür seien vielfältig und müssten in jedem Fall individuell betrachtet und beurteilt werden.

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