Nach Vandalismus  Mintfarbene E-Leihroller verschwinden aus Emden und Leer

Stephanie Schuurman
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Von Stephanie Schuurman
| 28.08.2025 11:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Hier gestartet: die Flotte der E-Roller am Bahnhof. Foto: Mona Hanssen/Archiv
Hier gestartet: die Flotte der E-Roller am Bahnhof. Foto: Mona Hanssen/Archiv
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Abgetretene Spiegel, aufgeschlitzte Sitze und geklaute Akkus: Das Roller-Sharing in Ostfriesland ist gescheitert. So sieht es die Eigentümerin des Küstenflipper-Projekts.

Emden/Leer - Auffällig in mintgrün, mal am Straßenrand geparkt, mal zwischen Fahrrädern in der Fußgängerzone abgestellt: Die Leih-Elektro-Roller gehörten in den letzten Jahren schon irgendwie ins Stadtbild von Emden und Leer. Wer genau hinschaute, sah allerdings auch oft abgetretene Rückspiegel und Kotflügel oder andere Beschädigungen an den Rollern. Genau das sorgte jetzt für das Aus des als so ambitioniert gestarteten „Küstenflipper“-Projekts. „Wir haben die Roller in Emden und Leer eingesammelt“, sagte Ulrike Kemper. „Am Ende war es einfach zu viel an Vandalismus.“

Da hatte sie noch gut Lachen: Ulrike Kemper mit den ersten Küstenflippern in Leer. Foto: Michael Kierstein/Archiv
Da hatte sie noch gut Lachen: Ulrike Kemper mit den ersten Küstenflippern in Leer. Foto: Michael Kierstein/Archiv

51 Roller hatte die Eigentümerin des Sharing-Projekts laufen. 2020 war Ulrike Kemper mit einem Teil der Flotte in Leer gestartet. 2023 stellte sie etwa die Hälfte der Roller in Emden ab. Zwei Roller gingen nach Ditzum – übrigens die einzigen beiden, die nie beschädigt wurden. Und eigentlich war das Ziel, spätestens 2026 einen nächsten Schwung E-Roller nach Aurich zu bringen. „Daraus wird nichts mehr“, sagte sie, „leider ist hier eine große Chance vertan.“ Auch in Norden seien die E-Roller eines anderen Betreibers schon wieder verschwunden. Ostfriesland sei nun völlig raus aus dem Geschäft. „Ich bin der Meinung, dass damit den Städten eine tolle Möglichkeit genommen wird.“

Totalschaden in Leer

Angetreten war die Geschäftsgründerin aus Breinermoor, um so manchen Autofahrer oder manche Autofahrerin alternativ für den umweltfreundlichen Elektroroller im innerstädtischen Kurzstreckenverkehr zu begeistern. Das sei auch ganz gut gelungen. „Gerade in den ersten Jahren lief es super“, sagte sie. Seit 2024 aber hätten die mutwilligen Zerstörungen an ihren Rollern massiv zugenommen. Anfang Juni 2024 beispielsweise habe sie kurzzeitig alle Roller eingesammelt und grundrepariert. Ende Juni sei alles wieder wie vorher gewesen.

Mintgrün, auffällig und schon wieder aus dem Stadtbild verschwunden: die E-Roller. Foto: Mona Hanssen/Archiv
Mintgrün, auffällig und schon wieder aus dem Stadtbild verschwunden: die E-Roller. Foto: Mona Hanssen/Archiv

„In Emden waren es oft kleinere Geschichten“, sagte Kemper. Dazu zählt sie sogar noch abgerissene Seitenwangen und aufgeschlitzte Sitze. Es gipfelte aber wohl in Leer, wo acht Roller derart zusammengetreten waren, dass sie als Totalschaden deklariert wurden. An weiteren acht Rollern wurden die Akkus geklaut. „Zuletzt hatte ich in Leer noch drei intakte Roller von 20. Das grenzt dann schon an peinlich.“

Reißleine gezogen

Im März 2025 hat Ulrike Kemper dann die Reißleine gezogen. Die Vollkasko-Versicherung für die Roller sei immer teurer geworden. Gleichzeitig sah sie keine Unterstützung. Anders als in Großstädten beispielsweise, wo solche Sharing-Projekte als Werbeträger von kommunalen Energieversorgern gut laufen, ist Ulrike Kemper mit ihren Küstenflippern Einzelkämpferin geblieben. „Die Stadtwerke hatten damals abgelehnt, mitzumachen“, sagte sie. „Und für Einzelunternehmen ohne städtische Unterstützung ist das bei dem Vandalismus nicht zu leisten.“

Für die Küstenflipper hatte Ulrike Kemper einen kräftigen Kredit aufgenommen. 51 E-Roller zu je 4500 Euro. Die Firma Emco aus dem emsländischen Lingen habe die Roller zurückgenommen, sagte Kemper. Und wenn der Hersteller nun auch die vereinbarte Rückkaufsumme bezahle, käme sie immerhin mit einer Null aus dem Geschäft heraus. Zufrieden ist die Volkshochschul-Dozentin für Deutsch und Geschichte deshalb aber nicht. Gerne hätte sie mit dem umweltfreundlichen Rollerverleih weitergemacht.

Also keine Chance für einen zweiten Anlauf? „Schwierig bei dem Vandalismus“, sagte sie. Den Vandalismus kann sie sich auch einfach nicht erklären, insbesondere zuletzt. „Was ist bloß in den vergangenen zwei Jahren passiert, dass das so zugenommen hat?“ Als Tipp in dem Sharing-Bereich hat sie, Leih-Fahrzeuge nur noch stationsgebunden anzubieten, etwa an Campingplätzen. Vom „Freefloating“ – also dem beliebigen Abstellen der Roller in der Stadt, würde sie nun aber jedem potenziellen Firmengründer in Ostfriesland abraten.

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