Osnabrück  Protest-Bühne Sommerinterview: Dürfen Krakeeler Polit-Promis die Show stehlen?

Thomas Ludwig
|
Von Thomas Ludwig
| 25.08.2025 14:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Moment der Irritation: Während einer Pause beim ARD-Sommerinterview dreht sich Ministerpräsident Markus Söder in Richtung störender Aktivisten. Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Moment der Irritation: Während einer Pause beim ARD-Sommerinterview dreht sich Ministerpräsident Markus Söder in Richtung störender Aktivisten. Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Artikel teilen:

Das ARD-Sommerinterview ist nicht mehr nur eine Bühne für Politiker. Auch Protestler suchen das Millionenpublikum im Weitwinkel der Kamera. Das ist dreist – doch eine demokratische Debatte muss das abkönnen.

Krakeeler entdecken das politische Sommerinterview der ARD als willkommene Gelegenheit, ihre Ansichten in die Welt zu posaunen. Nachdem vor ein paar Wochen Polit-„Künstler“ ein Gespräch mit AfD-Chefin Alice Weidel mit einem Lautsprecherwagen torpediert hatten, versuchten nun Aktivisten der rechtsextremen Identitären Bewegung dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder die Aufmerksamkeit zu stehlen. Die feine Art ist das nicht. Es ist sogar dreist – zumal, wenn die Störaktionen unangemeldet sind.

Natürlich kann man die TV-Sender fragen: Warum müsst ihr eure Sommerinterviews überhaupt an der frischen Luft führen? Genauso gut ließe sich aber antworten: warum denn nicht? Die politische Kommunikation gehört ebenso in den öffentlichen Raum, wie die Auseinandersetzung darüber. Alles Wehklagen kann man sich also sparen.

Eine lebendige Demokratie lebt vom Dissens. Protest ist ein wesentliches Ventil für gesellschaftliche Anliegen. Die damit verbundenen Aktionen zielen aufs Herz einer liberalen Debattenkultur. Sie illustrieren die widerstreitende Interessen der Bürger und bewegen sich im Spannungsfeld von Meinungsfreiheit, Protestrecht und dem Recht auf ungestörte Information. Auflösen lässt sich das nicht, allenfalls gegeneinander abwägen.

Eine Gesellschaft, die nur „gefällige“ Proteste toleriert, droht an Lebendigkeit und demokratischer Glaubwürdigkeit zu verlieren. Gleichwohl muss sie nicht hinnehmen, wenn Rechte missbraucht werden, um die Arbeit derer zu behindern, die für freie Information sorgen.

Wenn die Polizei unangemeldete Störaktionen also unterbindet, hat das nichts damit zu tun, Kritik zu unterdrücken, sondern es garantiert vielmehr die Umsetzung von Spielregeln, die sich unsere Gesellschaft gegeben hat.

Wer am lautesten schreit und öffentlich-rechtliche Formate mit Millionenpublikum nutzt, mag vielleicht viel Aufmerksamkeit bekommen – zumal in unserer hyperventilierenden Erregungsgesellschaft. Doch schon jedes Kind lernt: Jene, die am lautesten schreien, haben nicht automatisch recht.

Ähnliche Artikel