Gesundheit  Sollte man für jeden Arztbesuch zahlen?

Petra Herterich
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Von Petra Herterich
| 22.08.2025 10:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Kosten Besuche in der Arztpraxis bald eine Gebühr? Foto: Patrick Pleul/Zentralbild/dpa
Kosten Besuche in der Arztpraxis bald eine Gebühr? Foto: Patrick Pleul/Zentralbild/dpa
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Ein neuer Vorstoß des Arbeitgeberverbands sorgt für Diskussion. Wie stehen Ostfrieslands Ärzte und Arbeitgeber dazu? Was kommt auf Patienten zu?

Leer - Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Steffen Kampeter, bekommt Gegenwind von seinem Kollegen aus Ostfriesland. Kempeter hatte sich für eine Kontaktgebühr bei jedem Arztbesuch ausgesprochen, um „Ärzte-Hopping“ begrenzen und die Patientensteuerung zu verbessern. Diesem Vorschlag widerspricht Jörg Thoma, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Ostfriesland, mit Nachdruck.

„Überdurchschnittlich hohe Krankenstände in Ostfriesland“

„Das ist gar nicht praxisgerecht. Wir haben in der Tat überdurchschnittlich hohe Krankheitsstände in Ostfriesland. Aber das Problem liegt eher bei der relativ einfachen telefonischen Krankschreibung. Weitere Gebühren helfen uns da nicht“, ist Thoma überzeugt. Man schaffe damit nur „ein neues Bürokratiemonster in den Praxen“. „Wenn man die akuten Fälle, die tatsächlich untersucht werden müssen, von den Fällen trennen kann, in denen nur wieder ein Rezept ausgestellt werden muss, hat man ja in den Praxen schon viel gewonnen“, findet Thoma.

Auch die Ärzte winken bei Kampeters Vorschlag dankend ab. „Eine Praxisgebühr alleine führt nur wieder zu mehr Bürokratie und Verwaltungskosten“, befürchtet Hausärztin Mareike Grebe, Vorsitzende der Bezirksstelle Aurich der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Es hatte schon einmal eine Praxisgebühr gegeben – von 2004 bis 2012 wurden beim ersten Arztbesuch im Quartal zehn Euro fällig. Kampeter fordert jetzt sogar eine Gebühr für jeden Arzttermin.

Praxisgebühr – „ein Aufriss ohne Nutzen“

„Die Praxisgebühr hat schon damals überhaupt keine Rolle bei der Patientensteuerung gespielt, aber einen enormen Aufwand in den Arztpraxen verursacht“, erinnert sich auch Dieter Krott, Geschäftsführer der KVN-Bezirksstelle Aurich. „Es war ein riesiger Aufriss ohne Nutzen.“ Bei diesem neuen Vorschlag werde das Gleiche passieren, ist er überzeugt.

Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Foto: Michael Kappeler/dpa
Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Foto: Michael Kappeler/dpa

Zudem treffe man damit vor allem chronisch Kranke, die öfter zum Arzt müssten, und sozial Schwache. „Dann werden womöglich Krankheiten verschleppt“, befürchtet Krott. „Diese Gebühr ist überhaupt nicht sinnvoll.“ Natürlich müsse an der Patientensteuerung gearbeitet werden. „Das ist ein bundesweites Thema“, weiß Krott.

Hausärzte sollen Patienten steuern

Laut dem Koalitionspapier von CDU und SPD soll der Hausarzt künftig die erste Anlaufstelle in der ambulanten Versorgung sein – er wird quasi zum Lotsen, der die Patienten durch das Gesundheitssystem lenkt. Die Patienten können dann nicht mehr direkt zum Facharzt gehen.

Auch die Heseler Hausärztin Mareike Grebe setzt sich für dieses Primärarztsystem ein. „Meiner Meinung nach geht die Patientensteuerung eher mit einem gut durchdachten Primärarztsystem, als mit einer weiteren Gebühr. Und mit gut durchdacht meine ich unter Einbeziehung der fachärztlichen und der Krankenhausversorgung und der Terminstruktur.“

Arbeitgeberchef Kampeter hatte bei seinem Vorschlag auch die steigenden Zusatzbeiträge bei den Krankenkassen im Blick. „Im Moment steigen bei den Kassen nur die Zusatzbeiträge für die Arbeitnehmer, das trifft uns Arbeitgeber nicht direkt“, erklärt Thoma. Aber auch er wünscht sich, dass man endlich „von der Abgabenlast des Bruttolohns runterkommt“. Rund 40 Prozent gingen derzeit davon weg.

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