Neumünster  Nach tödlichen Hundeattacken auf „Jonny“ und „Fiete“: Jetzt spricht der Schäferhund-Halter

Rolf Ziehm
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Von Rolf Ziehm
| 19.08.2025 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der 20-jährige Neumünsteraner darf seinen als gefährlich einstuften Schäferhund unter Auflagen halten. Das Tier muss in der Öffentlichkeit einen Maulkorb tragen und angeleint sein. Foto: IMAGO/MIS
Der 20-jährige Neumünsteraner darf seinen als gefährlich einstuften Schäferhund unter Auflagen halten. Das Tier muss in der Öffentlichkeit einen Maulkorb tragen und angeleint sein. Foto: IMAGO/MIS
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In den Fällen des durch einen Schäferhund getöteten Chihuahuas „Jonny“ und des Rauhaardackels „Fiete“ ermitteln die Stadt Neumünster als Ordnungsbehörde und die Polizei. Der Halter des als gefährlich eingestuften Schäferhundes schildert jetzt seine Sicht des Geschehens.

Am 6. August 2025 wurde „Jonny“, der Chihuahua des Obdachlosen Steven Thieme, durch einen Schäferhund so schwer verletzt, dass er eingeschläfert werden musste. Nur wenige Tage später, am 11. August 2025, wurde der Rauhaardackel „Fiete“ vom gleichen Schäferhund totgebissen. Die Polizei und die Stadt Neumünster haben die Ermittlungen aufgenommen. Der Halter des Schäferhundes ist ihnen bekannt.

„Ja, ich habe einen Schäferhund. Der ist nach einem kleinen Vorfall schon 2023 als Gefahrhund eingestuft worden. Er muss einen Maulkorb tragen und an der Leine geführt werden“, sagt der 20-jährige Neumünsteraner. Ihm wurde von der Stadt eine Erlaubnis für das Halten gefährlicher Hunde ausgestellt, nachdem er die nötigen Voraussetzungen, etwa eine theoretische und praktische Prüfung mit dem Hund, vorgelegt hatte.

Zum 6. August sagt der Halter: „Mein Hund Lucky war angeleint und hatte einen Maulkorb. Ich und mein Vater kamen aus dem Treppenhaus. Der Chihuahua war mit seinem Besitzer da schon im Flur. Der kleine Hund ging auf meinen Schäferhund los – nicht umgekehrt.“ Sein Schäferhund habe mit dem Maulkorb nicht beißen können, drückte den Chihuahua aber gegen die Wand und verletzte ihn. „Er war aber nicht tot, ist wieder aufgestanden und weggelaufen. Dann kam – zum Glück – die Polizei und konnte genau sehen, dass der Chihuahua nicht tot war. Er hatte keine Verletzungen, nichts.“, so der 20-Jährige.

Der Halter des Chihuahuas habe Geld gewollt und sei auch nicht gebissen worden. „Mein Hund hat noch nie einen Menschen gebissen. Der Halter des Chihuahuas war schon vorher verletzt, seine Verletzungen sind kein Hundebiss.“

Zum Vorfall am Montag, 11. August 2025, räumt der Halter ein, dass sein Schäferhund den Dackel totgebissen hat, was er von Herzen bedauere. Aber wie es zu dem Geschehen kam, sei ganz anders gewesen, als in den Medien berichtet.

Er sei mit Lucky im Brachenfelder Gehölz joggen gewesen. „Lucky war angeleint und trug einen Maulkorb. Außerhalb des Waldes habe ich mich auf eine Bank zum Ausruhen gesetzt. Um Lucky etwas aus einer Wasserflasche zu trinken zu geben, habe ich den Maulkorb gelöst. Dann kam der Dackel allein ohne Besitzer aus dem Gebüsch, lief schnell zu Lucky und hat versucht, Lucky zu beißen.“ Er habe Lucky am Halsband festgehalten, ihn gezogen und versucht, den Dackel wegzutreten. Ohne Erfolg. Der Dackel sei immer näher gekommen. „Lucky hat den Dackel dann in den Bauch gebissen und geschüttelt. Die Besitzer, zwei Frauen mit einem Kind, haben in Panik geschrien, den Dackel genommen und sind weggegangen“, sagt der 20-Jährige.

Er habe nicht gewusst, dass der Dackel tot sei, sei später nochmal zurückgekommen, aber da sei niemand mehr gewesen. „Ich habe mich aber selbst bei der Polizei gemeldet, einen Tag später“, sagt der Schäferhundbesitzer.

Auf Nachfrage erklärte Polizeisprecherin Constanze Becker: „Die Polizei Neumünster war bei beiden Vorfällen nicht vor Ort und hat das Tatgeschehen somit nicht beobachtet. Wir können lediglich zu Protokoll nehmen, was uns geschildert wird und ermitteln dann im Weiteren einen Tathergang.“

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