Bremen  Currywurst und Co.: Das sind die „Lieblingsspeisen“ der Bundeswehr-Soldaten

Peter Hanuschke
|
Von Peter Hanuschke
| 19.08.2025 08:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Verpflegung aller Soldaten auf der Welt wird aus Oldenburg gesteuert Foto: Michael Kappeler/dapd
Die Verpflegung aller Soldaten auf der Welt wird aus Oldenburg gesteuert Foto: Michael Kappeler/dapd
Artikel teilen:

Die Herzkammer der Bundeswehrverpflegung sitzt im niedersächsischen Oldenburg. Von hier aus werden nicht nur knapp 300 Küchen betrieben. Das Amt legt auch exakt fest, was bei den Soldaten auf den Tisch kommt. Warum Soldaten unterschiedlich viel Essen bekommen.

Jährlich zehn Millionen Mittagessen, etwa 270 Truppenküchen – bei der Versorgung der Bundeswehr wird groß gedacht. Es geht aber auch um Details: Wer körperlich arbeitet, verbraucht mehr Kalorien als der, der seinen Arbeitsplatz hinterm Schreibtisch hat. Dieser unterschiedliche Energiebedarf findet bei der Menüplanung der Bundeswehr Berücksichtigung. Ebenso wird darauf geachtet, dass regionale Produkte auf den Teller kommen. Koordiniert werden die dafür notwendigen logistischen Abläufe vom Verpflegungsamt der Bundeswehr in Oldenburg. Dessen Motto lautet: „Mahlzeit. Jederzeit. Weltweit.“  

„Das Mittagessen basiert auf einem Komponentensystem, wobei immer vier verschiedene Hauptgerichte angeboten werden, mindestens eines davon vegetarisch“, sagte ein Sprecher des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen (BAIUD) der Bundeswehr auf Anfrage unserer Redaktion. „Dazu können mehrere, verschiedene Beilagen wie Bohnen, Salat, Nudeln, Kartoffeln, Grillgemüse kombiniert werden.“ Ergänzt werde das Menü auch immer durch eine Vorspeise beziehungsweise Suppe.

Zum Mittagessen gehöre, wenn gewünscht, auch ein Nachtisch. „Es werden grundsätzlich vier Linien angeboten: Fitnesskost, vegetarisch, Tagesgericht-Lieblingsspeise und ein geländefähiges Menü - das sogenannte Schöpfgericht auch für die Außer-Haus-Verpflegung.“ Das Tagesgericht-Lieblingsspeise könne unter anderem Cordon bleu, Schnitzel, Currywurst, Burger oder Pizza sein. Ein vollständig veganes Menü werde nicht angeboten – einzelne Komponenten seien aber vegan. Angeboten werde zudem immer ein Gericht ohne Schweinefleisch.

„Es gibt einen zentralen Verpflegungsplan für 14 Wochen im Voraus, ernährungsphysiologisch abgestimmt auf den jeweiligen Energiebedarf der Soldatinnen und Soldaten in den Kasernen“, so der Sprecher. Es gebe vier Energiestufen. Die Energiestufe eins mit 2200 Kalorien sei beispielsweise für Personen gedacht, die an einer Universität der Bundeswehr arbeiten. Die Energiestufe vier beinhalte 3600 Kalorien am Tag und sei etwa für Personen vorgesehen, die schwerste militärische Tätigkeiten ausüben oder Spezialkräfte seien.

Trotz des einheitlichen Verpflegungsplans könnten auch landestypische Verzehrgewohnheiten berücksichtigt werden. „In diesen Fällen wird dann der Verpflegungsplan individuell für diese Mahlzeit geändert. So gibt es beispielsweise in Oldenburg und Bremen mal Grünkohl und in Hamburg Labskaus.“

In Deutschland gibt es laut Angaben des Bundesamtes für Infrastruktur etwa 270 Truppenküchen. Das Verpflegungsamt Oldenburg ist demnach alleiniger Betreiber aller Truppenküchen. „Für den reibungslosen Betrieb dieser Küchen sorgen rund 3000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen“, so das Versorgungsamt. Bundesweit gebe es 36 Industrie- und Handelskammer-geprüfte Küchenmeister als Regionalmanager vor Ort bei den Truppenküchen.

Das Verpflegungsamt der Bundeswehr koordiniert und organisiert nach eigenen Angaben mit seinen 250 zivilen und militärischen Mitarbeiterin in enger Zusammenarbeit mit dem Logistikzentrum auch sämtliche Transportdienstleistungen, die dafür sorgen, dass deutsche Soldaten weltweit mit Frisch-, Kühl- und Tiefkühlprodukten versorgt werden. „Hierzu werden aus Oldenburg täglich Verpflegungsmittel in Richtung der deutschen Einsatzkontingente und schwimmenden Einheiten weltweit auf die Reise geschickt.“ Je nach Einsatzgebiet werden die Lebensmittel und Marketenderwaren auf dem Land-, Luft- oder Seeweg transportiert.

Das Verpflegungsamt sei aber auch für die Versorgung derjenigen Soldaten verantwortlich, die nicht in der Truppenküche essen können. Das passiere dann über die Feldküche oder über die nach eigenen Angaben berühmten „Einpersonenpackung“ (EPa), die unabhängig der Küche den Tagesbedarf einer Person deckt.

Wenn es geht, werden in den Truppenküchen regionale Produkte bevorzugt – dafür müssen aber bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein: „Ist die Wirtschaftlichkeit gegeben und sind genügend Ressourcen des Herstellers vorhanden, werden im Rahmen der vergaberechtlichen Vorgaben regionale Produkte bevorzugt“, sagte der Sprecher. Unabhängig von diesem regionalen Ansatz ist die Versorgung generell nicht allein mit Produkten aus deutscher Herstellung umsetzbar: Das sei aufgrund der benötigten Menge und der kontinuierlichen Verfügbarkeit an Lebensmitteln nicht möglich.

Wie lange reichen die Lebensmittelvorräte bei der Bundeswehr? Dazu wollte der Sprecher des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr keine Angaben machen. Ebenso ist es offenbar Geheimsache, wie viele Einpersonenpackungen die Bundeswehr pro Jahr benötigt. Anders ist es bei der Anzahl der Mittagessen: Die liegt nach Angaben des Sprechers in den Truppenküchen bei jährlich zehn Millionen. Hinzu kämen sechs Millionen Frühstücke und Abendessen.

Ähnliche Artikel