Hannover  Alterssperre für Pornos? Macht das Internet auch nicht zu Bullerbü

Jonas E. Koch
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Von Jonas E. Koch
| 18.08.2025 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Auf Pornoplattformen müssen sich Nutzer in Großbritannien nun mit einem Ausweis registrieren. Foto: IMAGO/ Bihlmayerfotografie
Auf Pornoplattformen müssen sich Nutzer in Großbritannien nun mit einem Ausweis registrieren. Foto: IMAGO/ Bihlmayerfotografie
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Niedersachsens Kultusministerin fordert eine Altersverifikation im Internet, in Großbritannien gibt es sie bereits – und funktioniert dort scheinbar. Doch man sollte sich nicht zu viel Hoffnung auf eine digitale Kindheit à la Bullerbü machen.

Pornografie gehört zum Leben dazu, vor allem zu dem von Männern. Rund 71 Prozent der deutschen Männer schauen regelmäßig Pornos, jeder Dritte sogar wöchentlich. Bleibt der Konsum im Rahmen, haben Sexualtherapeuten und Mediziner dagegen auch nichts einzuwenden. Es wäre also erstmal prüde, Pornos als etwas Schlechtes zu verurteilen.

Aber: Nicht nur Erwachsene schauen Pornos. Um entsprechende Portale nutzen zu können, müssen Nutzer zwar bestätigen, dass sie volljährig sind. Doch dazu reicht meistens schon ein bestätigender Klick. Die Folge: Jedes vierte Kind unter 13 Jahren hat bereits Pornos geschaut. 21  Prozent der männlichen Jugendlichen unter 17 Jahren konsumieren Studien zufolge sogar täglich pornografische Inhalte, 71 Prozent mindestens wöchentlich.

Einige Sexualwissenschaftler argumentieren, dass das zur sexuellen Entwicklung und Orientierung beitragen könne. Das mag sein, doch Studien sprechen eine unmissverständliche Sprache: Jugendliche übernehmen häufig in Pornos reproduzierte Stereotype und entwickeln dadurch unrealistische Erwartungen an Sexualität und ein problematisches Frauenbild. Die Forschung deutet auch auf ein höheres Risiko für Depressionen, Einsamkeit oder verringertes Selbstwertgefühl als Folge von regem Pornokonsum hin. Kurzum: Pornografie ist absolut nichts für Kinder und Jugendliche.

Großbritannien hat deshalb eine Altersverifikation für zahlreiche sensible Internetseiten eingeführt. Nutzer müssen eine Kreditkarte oder einen Lichtbildausweis hinterlegen, oder ein Selfie zur Altersverifikation einreichen. Die Hürde wirkt offenbar: Der Traffic auf Pornoseiten wie Pornhub ging um rund 47 Prozent zurück. Auch Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) fordert eine solche Altersverifikation vom Bund.

Aber: Internetnutzer sind erfindungsreich. Am Tag nach der Einführung des Gesetzes wurden massenhaft Apps heruntergeladen, mit denen britische Nutzer vortäuschen können, von einem anderen Ort auf der Welt auf die Plattformen zuzugreifen – beispielsweise aus Deutschland. Eine Alterssperre gibt es dann nicht. Man sollte sich daher nicht täuschen: Sperren zu umgehen, ist kinderleicht. Und auch mit einer Verifikation wird das Internet nicht zu Bullerbü.

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