Osnabrück  Tests auf Ukrainisch? Deutsch muss im Klassenzimmer die Grundlage bleiben

Finja Jaquet
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Von Finja Jaquet
| 18.08.2025 10:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die CDU und die Grünen in NRW wollen, dass Leistungen in der Schule unabhängig von Deutschkenntnissen bewertet werden. Das könnte fatale Folgen haben. Foto: Christian Charisius/dpa
Die CDU und die Grünen in NRW wollen, dass Leistungen in der Schule unabhängig von Deutschkenntnissen bewertet werden. Das könnte fatale Folgen haben. Foto: Christian Charisius/dpa
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Fast jeder zweite Schüler in NRW wächst mit einer anderen Muttersprache als Deutsch auf. CDU und Grüne wollen, dass ihre schulischen Leistungen auch dann anerkannt werden, wenn die Deutschkenntnisse noch nicht reichen. Klingt nach Rücksichtnahme – könnte aber fatale Folgen haben.

Erst wurde der sogenannte Rechtschreibquotient, also die Bewertung von Fehlern in der deutschen Rechtschreibung vielerorts abgeschafft, nun das: In Nordrhein-Westfalen fordern die Fraktionen von CDU und Grünen, dass Mehrsprachigkeit an Schulen stärker anerkannt und fachliche Leistungen auch dann gewürdigt werden, wenn die Deutschkenntnisse noch nicht ausreichen.

Was nach rücksichtsvoller Integrationsbemühung klingt, ist in Wahrheit das Gegenteil und noch dazu ein mehr als fragwürdiges Signal an diejenigen, die dies leisten sollen: Lehrer und Schulen. Ja, mehr als 40 Prozent der Schüler an Nordrhein-Westfalens Schulen hat einen Migrationshintergrund. Das bedeutet meist eine andere Muttersprache, unterschiedliche Bildungsvoraussetzungen und Herausforderungen beim Erlernen der deutschen Sprache.

Doch deswegen Schülerleistungen künftig auch in anderen Sprachen zu bewerten oder gar Prüfungen in der jeweiligen Muttersprache zu ermöglichen, ist ein gänzlich falscher Ansatz. Im Ernst: Wie soll das funktionieren? Sollen Lehrer Referaten bald mit Übersetzungs-Apps lauschen oder Dolmetscher heranziehen, um ihre Schützlinge zu bewerten?

So oder so bedeutet die Umsetzung des CDU/Grünen-Antrags Mehrarbeit und mehr personelle Ressourcen, während Schulen und Lehrkräfte jetzt schon am Limit sind. Die Forderung klingt wohlmeinend, ist aber in der schulischen Realität weder praktikabel noch finanzierbar.

In vielen Grundschulen zeigt sich das Problem bereits deutlich: Statt Inhalte zu vermitteln, muss der Unterricht unterbrochen werden, um grundlegende Sprachprobleme zu bewältigen. Schon jetzt stellt sich die Frage: Wie sollen Schulen ihren Bildungsauftrag überhaupt erfüllen, ohne, dass andere Kinder inhaltlich auf der Strecke bleiben?

Die deutsche Sprache ist nicht optional – sie ist der Schlüssel zur Teilhabe. Darin sind sich alle Experten einig. Wer in Deutschland lebt, zur Schule geht und Teil der Gesellschaft werden möchte, muss sich auf Deutsch verständigen können. Die Abwertung dieser Sprachkompetenz fördert im Zweifel nicht die Integration, sondern verstärkt den Trend zu Parallelgesellschaften und nimmt den Druck, die deutsche Sprache zu erlernen.

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