Hannover So will Kultusministerin Julia Willie Hamburg den Lehrermangel in Niedersachsen bekämpfen
In Niedersachsen fehlen zahlreiche Lehrer. Doch die sind schwer zu finden. Das Kultusministerium setzt deshalb auch auf andere Maßnahmen.
In Niedersachsen sind die Sommerferien vorbei und ein altes Problem der Schulen bleibt: Der Lehrermangel. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beklagt sich über „weit weniger Kollegen als eigentlich notwendig sind“. Den Schulen bleibe „nur das Prinzip Hoffnung auf spürbare Verbesserungen“, kommentierte der Verband der niedersächsischen Lehrkräfte (VNL).
„Nie zuvor hatten wir so viel Personal an unseren Schulen“, verteidigt sich Kultusministerin Julia Willie Hamburg. Auch zum neuen Schuljahr wurden zwar wieder deutlich mehr Lehrer neu eingestellt, als pensioniert. „Und dennoch“, gibt sie zu, „ist der Fachkräftemangel längst nicht gebannt. Es gibt Regionen, in denen die Versorgungslage mit Lehrkräften sehr herausfordernd ist. Wir sind mit der jetzigen Situation nicht zufrieden und wissen um die schwierige Situation einiger Regionen und Schulen.“
Gerade in ländlichen Regionen haben Schulleiter oftmals Probleme, geeignete Bewerber zu finden, heißt es von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Selbst wenn alle eigentlich notwendigen Stellen ausgeschrieben würden – wir hätten das Personal nicht. Es ist nicht verfügbar“, sagte GEW-Landeschef Stefan Störmer bei einer Pressekonferenz zum Schuljahresbeginn.
Schon zum neuen Schuljahr konnten von 1600 insgesamt ausgeschrieben Stellen bislang nur 1414 Stellen besetzt werden. Manchmal passen Fächer, Region oder Schulform der Bewerber nicht, sodass einige Stellen auch unbesetzt bleiben. Im nächsten Jahr sollen alle Absolventen auch tatsächlich eingestellt werden, das Land schafft dazu weitere 1350 neue Stellen Lehrkräfte.
Das Problem: „Lehrkräfte wachsen nun mal nicht auf Bäumen“, kritisiert die GEW. Immer weniger Menschen schreiben sich in Niedersachsen für ein Lehramtsstudium ein. Und viele, die es doch tun, brechen es später ab. Selbst wenn alle Studienplätze belegt würden, reiche das nicht aus, um den Mangel zu beheben. „Die Vorgängerregierungen haben es in diesem Punkt an weitsichtiger Planung mangeln lassen“, kritisiert der Lehrerverband VNL.
Deshalb setzt das Kultusministerium auf weitere Maßnahmen. Teilzeitbeschäftigte sollen ihre Stundenzahl erhöhen und mehr Vertretungslehrkräfte „außer der Reihe bei einer besonderen fachlichen Bedarfslage“ eingestellt werden. Der neue „Quereinstiegserlass“ ermöglicht für Berufsschulen, wo die Lage besonders dramatisch ist, die Einstellung von Lehrkräften ohne vollständige Lehramtsausbildung.
Außerdem setzt das Kultusministerium auf die sogenannten „multiprofessionellen Teams“. Seit 2020 wurden hier 5935 Sonderpädagogen, Schulsozialarbeiter oder Therapeuten „zur Entlastung von Lehrkräften einerseits und zur individuellen Förderung und ganzheitlichen Betreuung von Schülerinnen und Schülern andererseits“ eingestellt. „Bei der Bezeichnung ‚multiprofessionelle Teams‘ muss die Betonung wohl eher auf ‚multi‘ statt auf ‚professionell‘ liegen“, kritisiert der VNL. „Die Unterrichtsqualität jedenfalls lässt sich durch immer mehr nicht pädagogisch ausgebildetes Personal nicht verbessern.“ Die Ministerin findet hingegen: „Diese Zahlen belegen, dass Schule qualitativ besser wird.“