Berlin  Bundestag voller Akademiker – so einseitig ist die Bildungselite im Parlament

Maximilian Matthies
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Von Maximilian Matthies
| 15.08.2025 11:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat an der deutschen Universität studiert, wo die meisten Bundestagsabgeordneten ihren Abschluss geamacht haben. Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat an der deutschen Universität studiert, wo die meisten Bundestagsabgeordneten ihren Abschluss geamacht haben. Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur
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Von Harvard bis Münster: Viele Bundestagsabgeordnete haben an renommierten Unis studiert. Eine neue Analyse zeigt, welche Fachrichtungen im Parlament dominieren – und wo Lücken bleiben.

Die meisten Mitglieder des 21. Deutschen Bundestags haben einen Hochschulabschluss – häufig in Jura oder Politikwissenschaften. Das zeigt eine Auswertung der Lernplattform Jurafuchs, die die akademischen Lebensläufe aller 630 Abgeordneten untersucht hat.

Demnach haben 150 Parlamentarier Rechtswissenschaften studiert, 92 Politikwissenschaften und 59 Betriebswirtschaftslehre. Auch Geschichte (43) und Volkswirtschaftslehre (32) sind verbreitet. MINT-Fächer wie Informatik (9), Maschinenbau (8) oder Elektrotechnik (6) kommen hingegen seltener vor.

Nur 92 Abgeordnete haben nie an einer Hochschule studiert, mehr als die Hälfte von ihnen gehört der AfD an. Weitere 15 Parlamentarier gaben an, ihr Studium abgebrochen zu haben, sechs haben es unterbrochen. Bei 51 Politikern ist der höchste Abschluss nicht angegeben.

Unter den Studienabbrechern sind auch bekannte Politiker wie Ricarda Lang, Paul Ziemiak, Saskia Esken oder Omid Nouripour zu finden.

Unter den Hochschulen in Deutschland führt die Ludwig-Maximilians-Universität München das Ranking an: 30 Bundestagsabgeordnete haben dort studiert, darunter Alexander Dobrindt (CSU), Armin Laschet (CDU) und Anton Hofreiter (Grüne). Auf Rang zwei folgt die Universität Bonn (29), vor der Freien Universität Berlin (25), der Goethe-Universität Frankfurt am Main (22) und der Universität Münster (20).

Kanzler Friedrich Merz absolvierte ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in der einstigen Bundeshauptstadt Bonn und ein Rechtsreferendariat, das er erfolgreich mit dem zweiten Staatsexamen abschloss.

Auch ausländische Universitäten finden sich in den Biografien: Am beliebtesten sind die Harvard University in den USA und die Pariser Sciences Po mit jeweils fünf Absolventen. Es folgen die University of Oxford und die Universität Lausanne (je 4).

Die prestigeträchtige Harvard University ist vor allem unter Medizinern beliebt: Karl Lauterbach und Hendrick Streeck, die einst die Debatte in der Corona-Pandemie prägten, waren dort eingeschrieben.

Viele Abgeordnete haben hohe akademische Abschlüsse: 97 tragen einen Doktortitel, elf sind Professoren. 108 besitzen ein Diplom, 104 haben das zweite Staatsexamen, zehn das erste.

Jurafuchs-Gründer Carl-Wendelin Neubert sieht in den Zahlen einen Beleg für die große Bedeutung juristischer Ausbildung in der Politik. Juristen brächten analytische und strukturierte Denkweisen mit, betonte er. Entscheidend sei aber, diese mit sozialer Sensibilität und Gespür für Gerechtigkeit zu verbinden.

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