Hamburg Ab ins Traumhaus: Deutsche entdecken erschwingliche Immobilien direkt hinter der Grenze
Ein eigenes Haus zu kaufen, erscheint bei gestiegenen Immobilienpreisen in Deutschland kaum noch möglich. Hinter der Grenze in Süddänemark hingegen lässt sich der Traum vom Eigenheim leichter verwirklichen – und das in traumhaft schönen Häusern.
„Ich fühlte mich an die 60er-Jahre erinnert, als ich die dänischen Immobilienpreise sah“, sagt Cordula Schreiber (68), Rentnerin aus Rissen. Vor zwei Jahren zog sie nach Dänemark, wo sie in Krusau ein Haus gekauft hat, Gemeinde Aabenraa, direkt hinter der dänischen Grenze.
95 Quadratmeter, großer Garten, für einen erschwinglichen Preis von deutlich unter 100.000 Euro. Ein einmaliger Glücksfall? Im Gegenteil.
Wer auf Immobilienportalen nach Häusern in Süddänemark guckt, der kann kaum glauben, was er sieht: Traumhaft! Unglaublich! Wo ist der Haken? Einen Haken gibt es nicht, nur eine Vorgabe: Die Käufer müssen ihren ersten Wohnsitz nach Dänemark verlegen, eine Nutzung nur als Ferienhaus ist nicht erlaubt. Denn dazu müsste eine besondere Verbindung nach Dänemark nachgewiesen werden, etwa familiär.
Ein paar Kauf-Angebote: Ein wunderschönes weißes Fischerhaus, das an die Kapitänshäuser in Blankenese erinnert, wird dort für 200.000 Euro angeboten (134 m² Wohnfläche, Grundstück von 2228 m²). Eine hübsche historische Backsteinvilla mit viel Potenzial nahe Tondern für 79.800 Euro (191 m² Haus, 1480 m² Grundstück).
Etwas teurer ist eine hochmodern und bestens ausgestattete Villa mit neuer Küche, neuen Bädern und Wintergarten mitten in Tondern für 306.000 Euro (202 m² Wohnfläche, 800 m² Garten). In Niebüll in Nordfriesland hingegen kostet eine Villa mit mittlerer Ausstattung rund 550.000 Euro (1270 m² Grundstück, 240 m² Haus). Oder ein schönes Friesenhaus (180 m², 613 m²) gibt es für 440.000 Euro. Nicht doppelt so teuer, doch liegen die Unterschiede deutlich im sechsstelligen Bereich. Die Auswahl an Immobilien ist auch sehr groß, denn in Dänemark werden Häuser häufiger gekauft und nach einigen Jahren wieder verkauft, anders als in Deutschland.
Bei diesen Preisen ist es kaum verwunderlich, dass vor allem Menschen aus dem Norden sich ernsthaft überlegen, nach Dänemark zu ziehen. Rund 33.000 Deutsche leben derzeit in Dänemark, die meisten – rund 20.000 – im Grenzgebiet in Süddänemark und Nordschleswig. Tendenz steigend. Wer etwa in Niebüll im Tourismus arbeitet, ist in 30 Minuten in Tondern. Von dort nach Flensburg dauert es 55 Minuten.
Und das ist tatsächlich auch gar nicht so schwer, schließlich ist Dänemark in der EU (hat aber die Krone als Währung behalten). Die Dänen sind darauf bestens vorbereitet. So gibt es bei der Verwaltung in Tondern mit Marianne Krag Okholm extra eine Expertin, die Zuzügler an die Hand nimmt.
Erstaunlich bei einer Kommune mit nur rund 36.000 Einwohnern. „Immerhin ziehen jedes Jahr rund 400 Deutsche nach Tønder“, erklärt Krag Okholm in perfektem Deutsch, wie fast alle Menschen in der Grenzregion gut Deutsch sprechen.
Maklerin Lena Dahlgaard mahnt die Deutschen aber auch: „Die Dänen nehmen gern Zuwanderer auf, aber man muss sich integrieren. Nicht nur eine deutsche Enklave in Dänemark bilden.“ Wer sich in Dänemark ein Haus kauft und hierherzieht, der sollte auch Dänisch lernen, und das sei nicht so einfach. Anders komme man dort aber nicht zurecht, auch mit den Formalien, die alle per digitalem Postkasten einfliegen und auf Dänisch zu erledigen sind.
Dahlgaard selbst ist in Schleswig-Holstein an der Grenze aufgewachsen und hat Deutsch und Dänisch in der Kita gelernt. Sie und ihr Mann leben und arbeiten seit 2017 in Dänemark. Aus ihrer Erfahrung arbeiten viele weiterhin in Deutschland, wenn sie nach Dänemark ziehen. Etwa in Hamburg oder teils sogar ganz in München, denn die Steuern sind in Deutschland niedriger und Homeoffice macht vieles möglich. „Andererseits würden viele auch gern in Dänemark arbeiten, weil die Löhne viel höher sind. Aber dafür sind Sprachkenntnisse wichtig.“
Cordula Schreiber gehört zu den deutschen Rentnern, die es in den Süden Dänemarks zieht. Sie musste umziehen, „und ich hatte keine Lust, mir eine neue Wohnung zu suchen und einen Großteil meiner Rente für Miete, Gas und Strom auszugeben.“
Für ein Eigenheim in Hamburg hätte ihr Erspartes im Leben nicht gereicht – aber für ein Häuschen hinter der dänischen Grenze war es genug. Den Umzug hat die Rentnerin nie bereut, auch wenn es mit dem Dänischsprechen noch ein bisschen hapert: „Die Energiekosten sind viel niedriger, Handwerker sind schneller zu bekommen als in Deutschland, ich bin in 15 Minuten mit dem Rad in Flensburg und genauso schnell am Strand.“ Die Enkel in Hamburg sind nur zwei Stunden entfernt. Und: „Ich fühle mich von den Dänen sehr freundlich empfangen.“
Okholm und auch einige Makler betonen, dass viele Deutsche gerade auch wegen der dänischen Schulen umziehen wollen, nicht nur wegen der günstigeren Häuser. Der dänische Makler Claus Aagaard Holm hat auch deutsche Kunden aus dem Süden, Stuttgart oder München. Oft sind es junge Familien mit Kindern, die Großeltern ziehen teilweise mit um. „Manche arbeiten dann vier Tage die Woche im Homeoffice und fahren einen Tag nach Deutschland zum Arbeitsplatz“, sagt er. Andere arbeiten bei dänischen Firmen, schließlich gebe es viele Geschäftsbeziehungen zwischen dänischen und deutschen Firmen.
Rein formell ist nicht viel nötig, um sich in Dänemark ein Haus zu kaufen. Man muss vor allem seinen Wohnsitz nach Dänemark verlegen und nachweisen können, dass man für seinen Lebensunterhalt aufkommen kann. Über Arbeit in Deutschland oder Dänemark, über eine deutsche Rente oder über ein dickes Bankkonto – etwa durch den Verkauf seines Hauses. Ein Ferienhaus in Dänemark zu kaufen, das ist deutlich schwerer und wird auch häufig von den Behörden dort abgelehnt.
Wer in Dänemark ein Haus kauft, der spart auch viele Zusatzkosten, wie etwa die Grunderwerbssteuer, denn die gibt es dort nicht. Auch Notare werden dort beim Hauskauf nicht eingesetzt, das erledigen die Makler mit. Allerdings sollte beim Umzug nicht nur an die gesparten Kaufpreise gedacht werden. Denn in Dänemark sind die Lebenshaltungskosten rund 20 bis 30 Prozent höher als in Deutschland. „Autofahren ist teurer, Restaurant-Besuche sind teurer“ zählt Okholm auf. „Lebensmittel einkaufen macht nicht so einen Unterschied“, sagt sie.
Steuern und Sozialabgaben sind in Dänemark höher, als in Deutschland. Laut Bundesfinanzministerium zahlt man hier durchschnittlich 39 Prozent aufs Einkommen, während Dänemark EU-Spitzenreiter ist mit 46,8 Prozent. Wer allerdings weiterhin in Deutschland arbeitet, der zahlt seine Steuern auch ganz oder beschränkt in Deutschland. Daher raten die Behörden im süddänischen Pattburg, sich vor dem Umzug zu steuerlichen Fragen konkret individuell beraten zu lassen.