Fehmarn/Kopenhagen/Berlin Auch Dänemark zweifelt jetzt am Zeitplan für den Bau des Fehmarnbelt-Tunnels
Erst Berlin, jetzt Kopenhagen: Nach Deutschland stellt auch Dänemark den Zeitplan für eine Eröffnung des Fehmarnbelt-Tunnels Ende 2029 in Frage. Einigen sich beide Länder auf einen neuen Termin?
Nachdem Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder wegen der mindestens dreijährigen Verspätung der Deutschen Bahn beim Schienenbau zum geplanten Fehmarnbelt-Tunnel einen neuen Zeitplan für Tunnel und Gleisanbindung für nötig hält, schließt nun auch sein dänischer Kollege Thomas Danielsen Änderungen bei den Terminen nicht mehr aus.
„Der Zeitplan wird neu bewertet, sobald die ersten Tunnelelemente abgesenkt worden sind“, ließ er seine Sprecherin am Dienstag, 12. August, auf Anfrage unserer Redaktion mitteilen. Dänemark zahlt und baut den 18 Kilometer langen und sieben Milliarden Euro teuren Belttunnel allein, Deutschland ist nur verpflichtet, eine geeignete Anbindung bereitzustellen.
Der Grund für die Zweifel in Kopenhagen liegt darin, dass nach Angaben des staatlichen dänischen Tunnel-Bauherrns Femern AS die Absenkpontons für die Betonelemente „mit einiger Verspätung“ auf der Baustelle im dänischen Rødby eingetroffen sind.
Es müssten daher nun „intensive Anstrengungen unternommen werden, um die Absenk- und Installationsprozesse zu optimieren“, sagte Danielsens Sprecherin. Gleichzeitig räumte sie ein: „Der Zeitplan für die Eröffnung der festen Fehmarnbelt-Querung Ende 2029 ist erheblich gefährdet.“
Zudem fordert der dänische Minister von seinem Kollegen Schnieder mehr Informationen über die Verspätung in Deutschland.
„Das deutsche Verkehrsministerium hat das dänische am 28. Juli über die Verzögerungen beim Ausbau der deutschen Hinterlandanbindung informiert“, erklärte Danielsens Sprecherin. Daraufhin habe man sich an Berlin gewandt, um nähere Erläuterungen zu erhalten. „Verkehrsminister Thomas Danielsen wartet auf weitere Rückmeldung vom Bundesverkehrsministerium“, sagte sie.
Wie berichtet, hat die Deutsche Bahn CDU-Minister Schnieder am 23. Juli mitgeteilt, dass sich der Bau der 88 Kilometer langen Neu- und Ausbaustrecke zwischen Lübeck und Puttgarden „über 2029 hinaus verzögern wird“. Das Eisenbahnbundesamt als Genehmigungsbehörde geht von einer Fertigstellung frühestens Ende 2032 aus.
Diese neuen Erkenntnisse hatte Schnieder nach Kopenhagen weitergemeldet und zugleich bei den Dänen dafür geworben, „zeitnah einen angepassten Inbetriebnahme-Termin“ für den Belttunnel und die deutsche Schienenstrecke abzustimmen.
Der Grund für die Verzögerung auf deutscher Seite ist vor allem, dass der ebenfalls geplante Fehmarnsundtunnel zwischen Fehmarn und dem ostholsteinischen Festland frühestens Ende 2032 fertig wird.
Das gut zwei Kilometer lange Bauwerk ist Bestandteil der deutschen Hinterlandanbindung und soll künftig statt der altersschwachen Fehmarnsundbrücke den Auto- und Zugverkehr auf der Vogelfluglinie aufnehmen. Während Autos notfalls auch nach der Eröffnung des Belttunnels vorläufig weiter die 62 Jahre alte Sundbrücke nutzen könnten, hat die Bahn das für Züge in ihrem Bauantrag für den Sundtunnel ausgeschlossen.