Hickhack um Mängel  Fabrikneues Feuerwehrfahrzeug vorerst zurück im Brookmerland

| | 09.08.2025 06:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Als das neue LF 20 im Juni erstmals in Osteel eintraf, standen Feuerwehrleute aus Osteel und Leezdorf am Alten Postweg Spalier. Foto: Feuerwehr/Carsten Redenius
Als das neue LF 20 im Juni erstmals in Osteel eintraf, standen Feuerwehrleute aus Osteel und Leezdorf am Alten Postweg Spalier. Foto: Feuerwehr/Carsten Redenius
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Nach Wochen in der Werkstatt ist das fabrikneue, aber mangelhafte Löschfahrzeug der Feuerwehr Brookmerland wieder in Osteel. Ein Problem aber besteht weiter.

Osteel - Vorläufiges Happy End für den jüngsten Zugang im Fuhrpark der Feuerwehr Brookmerland: Das Löschgruppenfahrzeug (LF 20) ist vorerst zurück an seiner Heimatbasis. Nach einem wochenlangen Werkstattaufenthalt und einem Bericht dieser Redaktion kehrte das fabrikneue Fahrzeug am Donnerstag zunächst nach Osteel zurück. Das Problem, das es mit dem fabrikneuen Gefährt gibt, ist aber nach wie vor nicht gelöst.

Zur Erinnerung: Nachdem es zunächst Streit um seine geplante Stationierung gegeben hatte, sorgt das LF 20 der Feuerwehr Brookmerland erneut für Aufsehen: Mehrere Wochen stand es beim Auricher Vertragspartner des Herstellers. Grund waren mutmaßliche technische Mängel. Ob die Beanstandungen berechtigt sind, darüber wird weiter gestritten. Immerhin: Sicherheitsrelevant sind die Macken nicht. Immerhin in diesem Punkt sind sich die Fachleute einig. Das LF 20 ist fahrtüchtig und wäre jederzeit einsatzbereit, versichern sie.

Das neue Löschfahrzeug 20 der Feuerwehr Brookmerland kam im Juni ins Brookmerland, wo es offiziell in Osteel stationiert ist. Foto: Thomas Dirks
Das neue Löschfahrzeug 20 der Feuerwehr Brookmerland kam im Juni ins Brookmerland, wo es offiziell in Osteel stationiert ist. Foto: Thomas Dirks

Ursprünglich war das LF 20 für die Feuerwehr Marienhafe bestimmt. Das Problem: Das neue 3,50 Meter hohe Fahrzeug passte nicht ins alte Feuerwehrhaus an der Marienhafer Kirchstraße. Nach Fertigstellung ihres an der Kirchstraße in Osterupgant geplanten neuen Standorts (Ost) in ein paar Jahren soll für Marienhafe ein weiteres LF 20 angeschafft werden. Die Marienhafer Brandbekämpfer waren damit zunächst nicht einverstanden, drohten mit Austritt, lenkten dann aber ein und stimmten nach Zusagen zu. Seither ist das Fahrzeug im neuen Gerätehaus am Adeweg, dem künftigen Feuerstandort Brookmerland Nord, in Osteel stationiert. Offiziell in Dienst gestellt wird das LF 20 mit Fertigstellung des neuen Feuerwehrhauses, vermutlich im September.

Ungewohnte Geräusche beim Lenken

Das mehrere Hunderttausend Euro teure Gefährt im Brookmerlander Feuerwehrfuhrpark ist nicht nur preislich ein Schwergewicht. Das LF 20 bringt 16 Tonnen auf die Waage und ist für 18 Tonnen zugelassen. Das Besondere an dem Fahrzeug ist seine Geländefähigkeit. Ausgestattet mit Einzelbereifung, grobem Profil, Allrad und Blattfedern kann das LF 20 auch abseits befestigter Straßen genutzt werden.

Nach Informationen dieser Zeitung fiel den Feuerwehrleuten bei Probe- und Schulungsfahrten nun erneut das auf, was sie bei Übergabe im Werk des Herstellers in Ulm im Juni auch bereits festgestellt und dokumentiert hatten. Es geht um Fehlermeldungen, die die Heckbeleuchtung betreffen, vor allem aber um ungewohnte Geräusche beim Lenken. Strittig ist, ob sie einen Mangel im Sinne der Gewährleistung darstellen. Während diejenigen, die das bejahen, einen kompletten Austausch des Lenkgetriebes fordern, halten andere die Laute aus der Lenkung für normal und einen Austausch einzelner Fahrzeugteile für nicht erforderlich.

Diskutiert und untersucht wird angeblich seit nunmehr sieben Wochen. So lange dauerte der Werkstattaufenthalt des LF 20 in Aurich. Und es dürfte nicht der letzte gewesen sein.

Im Juni nahm eine Delegation aus Feuerwehrleuten und Verwaltungsvertretern aus dem Brookmerland das LF 20 im Werk des Herstellers Magirus in Ulm in Empfang. Foto: Samtgemeinde
Im Juni nahm eine Delegation aus Feuerwehrleuten und Verwaltungsvertretern aus dem Brookmerland das LF 20 im Werk des Herstellers Magirus in Ulm in Empfang. Foto: Samtgemeinde

Ein endgültiges Ergebnis gibt es nämlich noch nicht. Nach ON-Informationen streiten sich der Hersteller des Fahrgestells (Iveco) und seine Auricher Vertragswerkstatt vor allem über eine Übernahme möglicherweise entstehender Zusatzkosten in Höhe von mehreren Tausend Euro. Für führende Experten der hiesigen Feuerwehren ist der Fall klar: Aus ihrer Sicht sind die Geräusche nicht normal und sollte das Lenkgetriebe ausgetauscht werden. Auch, um zu vermeiden, dass daraus in ein paar Jahren eventuell ein Schaden entsteht, der das Fahrzeug dann komplett außer Gefecht setzen und dessen Reparatur die Samtgemeinde und ihre Feuerwehr dann viel Geld kosten würde.

Zwischenstoppin Georgsheil

Bisher sind sie davon nicht betroffen. Für sie geht es um eine für sie kostenlose Garantieleistung. Betroffen sind sie gleichwohl. Weil sich die Klärung hinzieht, stand das Fahrzeug bisher nicht für die Einweisung von Osteeler Feuerwehrleuten zur Verfügung. Wegen des Werkstattaufenthalts des Fahrzeugs und des wochenlangen Hickhacks konnten Einsatzkräfte nicht geschult werden.

Ein Gutes immerhin hat die Geschichte dann doch noch: Auf dem Rückweg nach Osteel legte das LF 20 nach Informationen dieser Redaktion einen Zwischenstopp in der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Georgsheil ein. Dort wurde bei der Gelegenheit die für alle Neufahrzeuge erforderliche Grundaufnahme erledigt. Dabei wird die Ausstattung des Fahrzeugs katalogisiert und vor allem sein prüfpflichtiges Rüstzeug inventarisiert.

In der FTZ in Georgsheil sind alle 200 Fahrzeuge aller 62 Feuerwehren im Landkreis Aurich dokumentiert.

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