Osnabrück  Alte Menschen kommen im Digitalen nicht mit – wir Jüngeren doch auch nicht!

Eva Kowalski
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Von Eva Kowalski
| 07.08.2025 17:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Viele Menschen fühlen sich von den ständigen Neuerungen abgehängt. Das betrifft nicht nur die älteren Bürger. Foto: IMAGO/Westend61
Viele Menschen fühlen sich von den ständigen Neuerungen abgehängt. Das betrifft nicht nur die älteren Bürger. Foto: IMAGO/Westend61
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In einem Interview kritisiert Helge Schneider die digitale Welt für Senioren. Doch die Hürden betreffen uns alle. Warum der Druck, mit KI und neuen Technologien mitzuhalten, auch ein Problem der jungen Generation ist.

Helge Schneider schimpft in einem Interview mit dem „Playboy“ über die digitalen Hürden für ältere Menschen im Alltag. Und damit hat er einen Punkt. Nicht unbedingt, weil es so viele Senioren gibt, die ihre Zeit in der Mediathek von ZDF oder ARD verbringen wollen und es nicht hinbekommen. Sondern weil seine Beobachtung tief blicken lässt: Die digitale Welt ist nicht für alle da. Zumindest nicht auf die gleiche Art und Weise.

Der 69-jährige Komiker spricht mit Blick auf die technischen Anforderungen von einer „gewissen Unverschämtheit gegenüber älteren Menschen“ – und hat damit ohne Zweifel Recht. Wer einmal versucht hat, einem betagten Verwandten die Online-Buchung eines Zugtickets zu erklären, weiß, wovon die Rede ist. Aber das Problem liegt weitaus tiefer. Das digitale Unbehagen macht auch vor jüngeren Menschen nicht halt.

Es ist ein Irrglaube zu denken, Jüngere wären per se digital begabter. Ein 20-Jähriger mag sich auf Tiktok zu Hause fühlen, aber das heißt noch lange nicht, dass er die Feinheiten von Künstlicher Intelligenz durchschaut. Auch diese Generation wächst in einer Welt auf, in der sie sich permanent an neue Technologien anpassen muss. Ständig gibt es neue Apps, neue Geräte, neue Abos.

Verweigert man sich dem Technologiewandel, fühlt es sich an, als hätte man zwei Wochen in der Schule gefehlt. Kommt man wieder, redet der Lehrer über Stoff, den man nie gehört hat. Die Mitschüler nicken, als wäre alles selbstverständlich. Wenn man nicht sofort alles aufholt, ist man verloren. Das erzeugt einen enormen Druck, mithalten zu müssen.

Und dann noch die KI. Die rasante Entwicklung von Anwendungen wie ChatGPT überfordert selbst manche digital versierte Menschen. Während Unternehmen eine Zukunft mit Künstlicher Intelligenz als Lösung für viele Probleme versprechen, stellt sich der Durchschnittsbürger die Frage, welche neuen Herausforderungen das mit sich bringt.

Wie unterscheide ich die Wahrheit von einer KI-generierten Fälschung? Woher weiß ich, dass meine persönlichen Daten sicher sind? Und muss ich jetzt auch noch lernen, mit einem Chatbot zu kommunizieren, um einen Behördengang zu erledigen?

Schneider adressiert zwar speziell Probleme älterer Menschen, thematisiert jedoch eine universelle Schwäche: Die digitale Spaltung verläuft nicht nur zwischen den Jungen und den Alten; sondern auch zwischen denen, die den rasanten technologischen Fortschritt verstehen – und denen, die einfach nur mithalten müssen, um nicht abgehängt zu werden.

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