Innenstädte unter Druck Sind Leerstände in der Auricher Fußgängerzone ein Problem?
Verklebte Fenster, Zu-vermieten-Schilder, gähnende Leere in den Schaufenstern. Leerstände gibt es in den ostfriesischen Innenstädten öfter – auch in Aurich. So bleibt die Fußgängerzone lebendig.
Aurich - Die Bäckerei Meyer war die letzte Traditionsbäckerei in der Auricher Fußgängerzone. Im Oktober 2023 war es vorbei. „Schweren Herzens schließen wir! Seit 125 Jahren waren wir mit unserer Bäckerei ein Teil von Aurich“, stand auf einem Schild im Schaufenster. Daneben hing ein Schild mit einer Maklernummer und dem Hinweis „zu vermieten“. Fast zwei Jahre später zieht ein neues Geschäft in die Räume: das Nagelstudio Rosen Nails.
„Es ist momentan sehr viel Bewegung in der Stadt“, schreibt die Stadt Aurich auf Anfrage. Das Schuhgeschäft Deichmann zieht beispielsweise in das ehemalige Kik-Gebäude direkt am Marktplatz. In der ehemaligen Wohnkooje ist inzwischen Canvero eingezogen. Nachdem der Bekleidungsladen Tredy in der Burgstraße von Hausnummer 41 zu Hausnummer 14 umgezogen ist, steht das Gebäude vorerst noch leer, genauso wie mehrere Geschäfte in der Norderstraße und der Osterstraße. Ist das trotzdem ein Grund zur Beunruhigung?
So sieht die IHK die Auricher Innenstadt
„Der stationäre Einzelhandel steht unter Druck, insbesondere durch den Onlinehandel, verändertes Konsumverhalten und demografische Entwicklungen“, sagt Wiebke Eilts von der Industrie- und Handelskammer Ostfriesland (IHK). Dort ist sie Referentin für Tourismus, Handel und Dienstleistungen. Aurich zeige sich vergleichsweise stabil, so Eilts. Der Grund dafür: „Die Stadt verfügt über einen guten Mix im Einzelhandel“. Dazu zählen Drogeriemärkte und Bekleidungsläden genauso wie „besondere Lädchen“.
Warum es in der Fußgängerzone doch immer wieder leere Schaufenster gibt, begründet der Auricher Immobilienmakler Engin Eriel mit hohen Mieten und dem Zustand vieler Gebäude. „Langjährige Mieter sind ausgezogen, und die Gebäude sollen weitervermietet werden. Ohne Investitionen ist das aber schwierig“, meint Eriel. Er selbst habe in der Nähe der Fußgängerzone eine Immobilie. Die Geschäftsräume hat er zu Wohnraum umgewandelt. Für die Läden gilt: „Vor allem der Mittelpunkt Marktplatz ist beliebt, aber drumherum wird es schwieriger.“
Extrablatt als Magnet auf dem Marktplatz
Auch die IHK sieht das ähnlich. Besonders in guter Lage ist laut Eilts wenig Leerstand zu spüren. „Je weiter die Entfernung vom Marktplatz, desto höher die Leerstandsquote“, sagt die IHK-Referentin. Wobei sie auch hier wieder betont: „Die Lage ist jedoch im Vergleich zu anderen Städten der Region noch relativ stabil.“
Der Kaufmännische Verein Aurich äußert sich ebenfalls optimistisch. Udo Hippen, erster Vorsitzender des Vereins, sagt: „Wenn es Leerstände gibt, sind die nie von Dauer.“ In der Regel werden diese durch neue Geschäfte schnell wiederbelebt. Als Paradebeispiel führte er die Markthalle mit dem Extrablatt an. Damit habe Aurich einen Magneten in der Innenstadt dazugewonnen.
Maßnahmen für die Fußgängerzone
Für einen Innenstadtbesuch sind allerdings nicht nur die Geschäfte ausschlaggebend, sagt Eilts von der IHK. Auch die Aufenthalts- und Erlebnisqualität spiele eine wesentliche Rolle. „Die ‚Zauberhaften Begegnungen‘, lebensgroße Figuren, die samstags in Aurichs Fußgängerzone unterwegs sind, sorgen für besondere Erlebnisse.“ Auch Maike Theesfeld von der Wirtschaftsförderung und dem Stadtmarketing der Stadt Aurich stellt die Erlebnisse in der Innenstadt in den Vordergrund: „Innenstädte sind austauschbar. Erlebnisse nicht.“ Dazu gebe es Imagebroschüren und Straßenbanner; außerdem wurden neue Formate für Instagram und Facebook entwickelt, zum Beispiel der „Stadtschnack“.
Außerdem zählt die Referentin die große Auswahl an Restaurants und Cafés in der Auricher Innenstadt auf. Auch zahlreiche Veranstaltungen und kulturelle Angebote, die vom Stadtmarketing und vom Kaufmännischen Verein organisiert werden, sorgen für „eine lebendige Innenstadt, die nicht nur zum Einkaufen, sondern auch zum Verweilen und zur Freizeitgestaltung einlädt“, sagt Eilts. Darüber hinaus schaffe die Förderrichtlinie zur Unternehmensansiedlung konkrete Anreize für Gründerinnen und Gründer, sich in der Innenstadt niederzulassen.
Viele Ladenschließungen und viele Besucher
In einem Kataster erfasst die Stadt Aurich die Leerstände. Laut Maike Theesfeld von der Stadt Aurich liegt die Anzahl an leerstehenden Geschäften bei 9 im Bereich Burgstraße, Osterstraße, Marktplatz und Norderstraße. Das sei erfreulich wenig. Die Zahl der Neuansiedlungen, inklusive geplanter, liegt bei 8. Am meisten betroffen von den Veränderungen seien inhabergeführte kleine Läden und die Gastronomie, so die Stadt. Dabei leiden die inhabergeführten Läden unter dem Onlinehandel, die Gastronomie unter der Mehrwertsteuer, die seit 2024 wieder bei 19 Prozent liegt.
Seit Januar 2025 misst die IHK in mehreren ostfriesischen Städten die Besucher. „Diese Daten bilden eine wichtige Grundlage für eine datenbasierte Stadtentwicklung und helfen, gezielte Maßnahmen zur Belebung der Innenstadt abzuleiten“, beschreibt Eilts die Messungen. Erste Zahlen werden laut Stadt demnächst ausgewertet. Da die Messungen lediglich an einem Standort stattfinden, seien die Zahlen nicht repräsentativ für die gesamte Fußgängerzone.
Einen erster Eindruck hätten die Zahlen in Hinblick auf die verkaufsoffenen Sonntage ergeben. „Die Besucherströme an den Sonntagen nehmen um 11.30 Uhr stark zu und ab 17 Uhr rapide ab“, schreibt die Stadt. Deswegen hätten die Stadt und der Kaufmännische Verein bereits besprochen, die Sonntage von 12 bis 17 Uhr zu veranstalten.