Vermeintliche Macken Fabrikneues Brookmerlander Feuerwehrfahrzeug ausgebremst
Wochenlang stand das nagelneue Löschgruppenfahrzeug (LF 20) der Feuerwehr Brookmerland in der Werkstatt. Wie es dazu kam und warum es noch immer nicht wieder zurück in Osteel ist.
Brookmerland - Erst hatte es Streit um seine geplante Stationierung gegeben, jetzt sorgt das fabrikneue Löschgruppenfahrzeug (LF 20) der Feuerwehr Brookmerland erneut für Aufsehen: Wochenlang stand das mehrere Hunderttausend Euro teure Gefährt beim Auricher Vertragspartner des Herstellers. Grund waren mutmaßliche technische Mängel. Ob die Beanstandungen berechtigt sind, darüber wird weiter gestritten. Immerhin: Sicherheitsrelevant sind die Macken nicht, versichern Fachleute übereinstimmend. Das LF 20 ist fahrtüchtig und wäre einsatzbereit, wenn es denn endlich wieder im Brookmerland ist.
Zur Erinnerung: Ursprünglich war das LF 20 für die Feuerwehr Marienhafe bestimmt. Das Problem: Das neue 3,50 Meter hohe Fahrzeug passte nicht ins alte Feuerwehrhaus an der Marienhafer Kirchstraße. Nach Fertigstellung ihres an der Kirchstraße in Osterupgant geplanten neuen Standorts (Ost) in ein paar Jahren soll für Marienhafe ein weiteres LF 20 angeschafft werden. Die Marienhafer Brandbekämpfer waren damit zunächst nicht einverstanden, drohten mit Austritt, lenkten dann aber ein und stimmten nach Zusagen zu. Seither ist das Fahrzeug im neuen Gerätehaus am Adeweg, dem künftigen Feuerstandort Brookmerland Nord, in Osteel stationiert. Offiziell in Dienst gestellt wird das LF 20 mit Fertigstellung des neuen Feuerwehrhauses, vermutlich im September.
Das neue Gefährt im Brookmerlander Feuerwehrfuhrpark ist ein Schwergewicht. Das LF 20 bringt 16 Tonnen auf die Waage und ist für 18 Tonnen zugelassen. Das Besondere an dem Fahrzeug ist dessen Geländefähigkeit. Ausgestattet mit Einzelbereifung, grobem Profil, Allrad und Blattfedern kann das LF 20 auch abseits befestigter Straßen genutzt werden.
Ungewohnte Geräusche beim Lenken
Nach ON-Informationen fiel den Feuerwehrleuten bei Probe- und Schulungsfahrten nun wieder das auf, was sie bei Übergabe im Werk des Herstellers in Ulm im Juni auch bereits festgestellt und dokumentiert hatten. Es geht um Fehlermeldungen, die die Heckbeleuchtung betreffen, vor allem aber um ungewohnte Geräusche beim Lenken. Strittig ist, ob sie einen Mangel im Sinne der Gewährleistung darstellen. Während diejenigen, die das bejahen, einen kompletten Austausch des Lenkgetriebes fordern, halten andere die Laute aus der Lenkung für normal und einen Austausch einzelner Fahrzeugteile für nicht erforderlich.
Diskutiert und untersucht wird angeblich seit nunmehr sieben Wochen. So lange dauerte der Werkstattaufenthalt des LF 20 in Aurich. Ein endgültiges Ergebnis gibt es noch nicht. Nach ON-Informationen streiten sich der Hersteller des Fahrgestells (Iveco) und seine Auricher Vertragswerkstatt vor allem über eine Übernahme möglicherweise entstehender Zusatzkosten in Höhe von mehreren Tausend Euro. Die Samtgemeinde und ihre Feuerwehr dürften davon nicht betroffen sein. Für sie ginge es um eine für sie kostenlose Garantieleistung. Betroffen sind sie gleichwohl. Weil sich die Klärung zieht, stand das Fahrzeug bisher nicht für die Einweisung von Osteeler Feuerwehrleuten zur Verfügung. Bislang sind dem Vernehmen nach nur die Ortsbrandmeister aus Osteel und Leezdorf, Erhard Tammen und Tobias Dirks, mit dem Gefährt vertraut. Weitere Einsatzkräfte sollten bereits geschult werden, was aber wegen des Werkstattaufenthalts des Fahrzeugs und des wochenlangen Hickhacks nicht möglich war.
Unmut in Reihen der Feuerwehr
In Reihen der Feuerwehr und in der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Georgsheil, die in Schadens- und Mängelfällen einbezogen ist, sorgt dies verständlicherweise für Unmut.
Offiziell wollte sich auf Anfrage allerdings niemand äußern. Auch aus dem Rathaus in Marienhafe war dazu am Dienstag nichts zu erfahren. Eine schriftliche Anfrage blieb bis Redaktionsschluss von der Verwaltung unbeantwortet.
Keine Stellungnahme war auch von Brookmerlands Feuerwehrführung zu erhalten. Gemeindebrandmeister Klaus-Dieter Cassens ließ wissen, dass er krankheitsbedingt „nicht einsatzbereit“ ist und verwies auf seinen Stellvertreter Christian Lücht. Der teilte auf Anfrage mit, er wisse von der Sache nichts. „Im Detail bin ich raus“, sagte er.